von Melanie Grell

Für KPMG Wirtschaftskriminalität bekämpfen

Kriminelle Machenschaften

Ob Betrug, Untreue, Bilanzfälschung, Korruption, Wirtschaftsspionage oder Geldwäsche - Wirtschafts- kriminalität hat viele Gesichter. Gibt es Verdachtsfälle, rufen Unternehmen die Wirtschaftsforensiker von KMPG. Ein Job nicht nur für BWLer.

"Forensic" heißt die Abteilung, in der bei KPMG die Berater für Wirtschaftskriminalität arbeiten. Dort arbeiten nicht nur BWLer, sondern auch VWLer, Juristen, Kriminologen, Informatiker, Mathematiker, Psychologen und ausgebildete Researcher. Sie sind auf vier Bereiche aufgeteilt:

  • Der investigative Bereich, in dem auch Interviewpartner Kurt Kuckelmanns arbeitet, führt die forensischen Sonderuntersuchungen bei Unternehmen vor Ort durch.
  • Unterstützt wird er von Forensic-Technology-Spezialisten, die beispielsweise digitale Beweismittel sichern und zur Auswertung bereitstellen, so dass diese auch vor Gericht Bestand haben.
  • Recherchen und Hintergrundanalysen zu den involvierten Personen und Unternehmen liefert Corporate Intelligence. Ihre Mitarbeiter decken vor allem personelle und gesellschaftsrechtliche Beziehungsgeflechte auf und beschäftigen sich unter anderem mit folgenden Fragen: Welches Aufsichtsratsmitglied sitzt bei welcher anderen Firma im Vorstand? Welche GmbH hat Anteile an welchen anderen Unternehmen? Die Antworten auf diese Fragen schaffen Transparenz im Aufklärungsprozess.
  • Die Mitarbeiter bei Dispute Analysis beraten Unternehmen bei strittigen Sachverhalten zwischen Vertragsparteien. Je nach Aufgabe vertreten sie entweder Parteieninteressen oder treten als neutraler Schiedsgutachter oder Sachverständige vor Gericht oder als Mediator auf.

 Alle vier Bereiche arbeiten eng zusammen, je nachdem, welches Fachwissen gefragt ist.

KPMG, Wirtschaftskriminalität

Kurt Kuckelmanns (32) hat erst eine Ausbildung bei der Deutschen Bank gemacht und dann an der RWTH Aachen BWL studiert. Während seines Studiums arbeitete er parallel bei der Sparkasse Aachen. Nach einem Praktikum in der Wirtschaftsprüfung (Audit) bei KPMG und im Corporate Finance der Deutschen Bank in Australien, stieg er nach seinem Studienabschluss fest in die Beratungssparte bei KPMG ein. Sein Spezialfeld: Aufdeckung krimineller Machenschaften in Unternehmen.

Betrug, Untreue, Bilanzfälschungen - welche Delikte quälen Ihre Mandanten?
Wirtschaftskriminalität ist ein sehr weites Feld. Es geht los beim Griff in die Kasse, über Ausschreibungsbetrug oder dubiose Beraterverträge, bis hin zu Geldwäsche, Korruption, Bilanzfälschungen und Industriespionage. Die Schadensummen können je nach Sachverhalt teilweise mehrere hundert Millionen Euro überschreiten.

Können Sie ein paar Beispiele nennen?
Bei der Anschaffung eines neuen IT-Systems im Wert von über 100 Millionen Euro hat der Entscheider persönliche Bekannte mit dem Zuschlag für das System bedacht. Eine Verbindung zwischen den Parteien lieferte erst die umfangreiche Hintergrundrecherche. In einer weiteren Sonderuntersuchung haben wir einen Reisekosten-Betrug aufgedeckt. Manager haben in großem Umfang ihre Abrechnungen aufgebläht und unter Anderem private Flugreisen dienstlich abgerechnet.
 
Auch gab es einen Fall, bei dem Wertpapierhändler massiv Kurse manipuliert haben um so ihren Bonus zu erhöhen und risikoreiche Positionen zu verschleiern. Schließlich stehen häufiger dubiose Beraterverträge und damit eventuell verbundene korruptive Handlungen im In- und Ausland im Fokus unserer Tätigkeit.

Wie wenden sich denn die Unternehmen an Sie?
Viele Unternehmen kennen uns aus der Presse oder von Informationsveranstaltungen. Wenn der Betrugsverdacht aufkommt, wenden Sie sich an uns, damit wir Aufklärung leisten. Oft werden wir aber auch von anderen KPMG-Bereichen hinzugezogen. Wenn zum Beispiel die Kollegen aus dem Audit den Verdacht auf eine Bilanzfälschung haben, ziehen sie uns hinzu. Schließlich gibt es noch die klassische Akquise. Dabei versuchen die Partner und Manager Aufträge von Unternehmen auf direktem Weg zu akquirieren. Oft profitieren wir dabei von unserem Netzwerk in den einzelnen Branchen.

Wie gehen Sie denn in einem Betrugsfall vor?
Zuerst verschaffen wir uns einen Überblick über die Aufbau- und Ablauforganisation des Unternehmens. Dann schauen wir uns die bestehenden internen Regularien an, das sind beispielsweise Satzungen, Richtlinien und Arbeitsanweisungen. Dann prüfen wir den konkreten Vorwurf, schauen uns physische oder elektronische Dokumente, Berichte sowie die Buchhaltung an und führen vor allem auch Interviews mit den Mitarbeitern und externen Parteien. So wird der Fall Stück für Stück aufgeklärt.

Und die Mitarbeiter machen anstandslos mit?
Unsere Arbeit ist nicht immer einfach. Eine Absprache mit den Geschäftsleitern oder Aufsichtsorganen ist daher unverzichtbar. Ebenso eine gewisse Feinfühligkeit im Umgang mit Menschen. Wir versuchen, unauffällig zu arbeiten. Das ist sinnvoll, um intern keine Gerüchte aufkeimen zu lassen und unsere Arbeit nicht zu behindern. Wirtschaftskriminelle Straftaten können nicht nur zu erheblichen Vermögensschädigungen, sondern auch zu schweren Reputationsschäden führen. In der Regel unterstützen und aber die Mitarbeiter des Mandanten, so ist es meist auch kein Problem, die relevanten Dokumente und Systeme einzusehen und den Sachverhalt zu klären.

Wie kann man Wirtschaftskriminalität vorbeugen?
Zunächst einmal hat das Unternehmen für entsprechende interne Kontrollen und Regelwerke zu sorgen und muss deren Einhaltung überprüfen. Außerdem sollten die Mitarbeiter regelmäßig geschult werden, um kriminelle Handlungen und sonstiges Fehlverhalten vermeiden und erkennen zu können. Wichtig ist aber auch, wie die Führungsebene mit diesen Themen umgeht, da sie eine Vorbildfunktion hat. Hier spielt das Thema der Unternehmenskultur eine wichtige Rolle. Weitere Maßnahmen sind beispielsweise der Einsatz eines Ombudsmanns oder regelmäßige Risikobewertungen.

Was genau ist dabei die Aufgabe von KPMG?
Wir schauen uns die vorhandene Kultur sowie die Prozesse, Kontrollen und Regelwerke im Unternehmen an und machen Verbesserungsvorschläge. Auch überprüfen wir die Wirksamkeit von Kontrollen. Außerdem unterstützen wir den Mandanten dabei, das Regelwerk im Unternehmen zu etablieren und Akzeptanz zu schaffen. Damit die Mitarbeiter ein Gespür für falsche Handlungen bekommen, spielen wir gerne das "Intergrity Game".

Was passiert dabei?
Mitarbeiter des Mandanten werden mit alltäglichen Dilemmata konfrontiert, für die sie aus drei oder vier vorgegebenen Antworten eine Entscheidung treffen müssen. Dabei gibt es kein richtig oder falsch. Jede Antwortmöglichkeit hat allerdings unterschiedliche Auswirkungen, beispielsweise auf die Finanzen oder die Reputation. So erhalten die Mitarbeiter auf spielerische Weise ein Gespür für Themen wie Integrität, Kriminalität und mögliche Auswirkungen von Entscheidungen.

Haben Sie auch Kontakt zu Organisationen wie Transparency International?
Wir haben keinen direkten Kontakt zu diesen Organisationen in dem Sinne, dass wir mit ihnen zusammenarbeiten würden. Die von den Organisationen erhobenen Informationen sind allerdings sehr interessant und werden teilweise zu Schulungszwecken genutzt. Sie haben vielleicht keine große Bedeutung in der täglichen Arbeit, bilden aber eine gute Wissensgrundlage für jeden Wirtschaftsforensiker.

Kann man bei KPMG Forensic denn auch ein Praktikum machen?
Natürlich. Wir haben regelmäßig Praktikanten und auch Werkstudenten verschiedener Fachrichtungen, die uns unterstützen. Bei uns arbeiten BWLer, VWLer, Juristen, Kriminologen, Informatiker, Mathematiker, Psychologen und ausgebildete Researcher. Ein sehr breites Arbeitsfeld also, das viele Möglichkeiten für Studierende bietet. Wer sich bei uns bewirbt, sollte ein bis sechs Monate Zeit mitbringen.

Welche Fähigkeiten sind gefragt?
Neben den üblichen Voraussetzungen wie beispielsweise gute Noten, Interesse, und so weiter ist auch ein Gespür für Feinheiten wichtig. Erste Erfahrungen in Bilanzierung, Buchführung, IT, Recht oder Compliance sind natürlich immer eine gute Grundlage. Das alles ist aber kein Muss, da wir in einem sehr breiten Feld arbeiten. Wir schauen uns die Bewerber im Gespräch genau an, dann entscheiden wir. Wichtig ist, dass uns ein Bewerber von seinen Fähigkeiten überzeugt und zeigt, warum gerade er gut zu uns passt.

Selber Betrugsfällen auf den Grund gehen?

Direkt für ein Praktikum oder eine Stelle bei KPMG bewerben.


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