Hengeler Mueller
Beste Freunde in Indien
USA oder England - viele Anwälte, die eine Weile im Ausland arbeiten möchten, peilen ein anglo-amerikanisches Land an. Nicht so Alumnus Dr. Benjamin Parameswaran, Anwalt bei Hengeler Mueller. Er ging für Hengeler Mueller nach Indien, um für eine "Best-Friends"-Kanzlei in Mumbai zu arbeiten.
Das "Best-Friends"-Konzept von Hengeler Mueller ist einzigartig. Die Sozietät unterhält privilegierte Beziehungen zu führenden, unabhängigen Anwaltssozietäten in Europa, den USA sowie in weiteren wichtigen Jurisdiktionen weltweit. Bei grenzüberschreitenden Mandaten wird ein eingespieltes internationales Anwaltsteam tätig, das Hengeler Mueller nach den Erfordernissen der Transaktion zusammenstellt. Hengeler Mueller profitiert so von den vielfältigen Erfahrungen der ausländischen Kanzleien und kann seinen Mandanten so eine bestmögliche Beratung auch grenzüberschreitend ermöglichen.
Weltweit vernetzt
Zu den befreundeten Kanzleien gehören unter anderem: Bonelli Erede Pappalardo in Italien, Bredin Prat in Frankreich, Slaughter and May in Großbritannien und Uría Menéndez in Spanien. Hinzu kommen Kanzleien in den USA, China und Indien. Die befreundete Kanzlei Amarchand & Mangaldas mit Büros in allen indischen Metropolen ist die größte indische Wirtschaftsrechtssozietät. Dort hat Benjamin Parameswaran 2008/2009 gearbeitet.
e-fellows.net-Alumnus Dr. Benjamin Parameswaran (34) ist Senior Associate in den Bereichen Corporate/M&A im Düsseldorfer Büro von Hengeler Mueller. 2008/2009 war er für Hengeler Mueller bei der indischen Kanzlei Amarchand & Mangaldas in Mumbai tätig. Auch wenn er aufgrund seines familiären Hintergrundes bereits Erfahrungen mit und in Indien mitbrachte, konnte er noch eine Menge über das Land und seine Menschen lernen. Und natürlich über den stark wachsenden M&A-Markt.
Wieso haben Sie sich für Hengeler Mueller entschieden?
Die Ausbildung, die Berufseinsteiger bei Hengeler Mueller erhalten, gehört anerkanntermaßen zu den besten auf dem deutschen Anwaltsmarkt. Gereizt hat mich vor allem der niedrige Partner-Associate-Leverage. Dadurch ist man kein kleines Rad im Getriebe, sondern von Anfang an ein wichtiger Bestandteil des Teams. Bereits als Associate im ersten Jahr arbeitet man gemeinsam mit dem Partner 'an der Front' mit. So wird man für den Mandanten schnell zu einem vollwertigen Ansprechpartner.
Hinzu kommt das Rotationssystem. Bei Hengeler Mueller sind die Associates gleichzeitig an zwei Partner angebunden. Alle zwölf Monate rotiert man zu zwei anderen Partnern und lernt dadurch verschiedene Mandate, Arbeitsweisen und Anwaltsstile kennen. All dies führt dazu, dass die Lernkurve für Berufseinsteiger bei Hengeler Mueller besonders steil ist.
Was bedeutet die deutsche Prägung der Kanzlei für die Internationalität der Mandantsarbeit?
Hengeler Mueller ist international tätig, und das sogar im Schwerpunkt. Mindestens zwei Drittel meiner Mandate haben Auslandsbezug. Die Tatsache, dass Hengeler Mueller außer London und Brüssel keine eigenen Auslandsbüros hat, bedeutet keine Einbuße in Bezug auf die Internationalität der Mandate. Das Gegenteil ist richtig. Wir verfügen mit unserem "Best-Friends"-System über ein internationales Netzwerk, das seinesgleichen sucht.
Unsere Partner gelten als die führenden Wirtschaftskanzleien in ihrer jeweiligen Jurisdiktion. Ich bin nun im vierten Jahr bei Hengeler Mueller und war bereits für englische, amerikanische, spanische, finnische, indische, italienische, holländische und natürlich deutsche Mandanten tätig.
Wie kam es dazu, dass Sie für ein halbes Jahr ins Ausland gehen wollten?
Associates, die noch keine nennenswerte Auslandserfahrung im englischsprachigen Raum gesammelt haben, dürfen bei Hengeler Mueller nach zwei bis drei Jahren Kanzleizugehörigkeit in einem Secondment für ein Jahr zu einer befreundeten Kanzlei ins Ausland gehen. Diese Verschickungen sind integraler Bestandteil des "Best-Friends"-Konzepts. In der Regel arbeiten Associates bei befreundeten Kanzleien in England oder den USA.
Da ich bereits in New York studiert und gearbeitet hatte, wollte ich etwas anderes ausprobieren - und wählte Indien. Ich wollte die Zeit dort nutzen, um den Markt und das indische M&A-Geschäft besser kennenzulernen und die Zusammenarbeit mit unserer Partnerkanzlei Amarchand & Mangaldas weiter auszubauen.
Wieso haben Sie sich für Indien entschieden?
Als Halbinder ist mir das Land an sich schon recht vertraut. Seit meiner Kindheit reise ich regelmäßig dort hin und besuche meine indischen Verwandten. Meine Erfahrungen mit "Corporate India" waren allerdings beschränkter. Indien ist so groß und auch in sich von der Geschäftskultur her so verschieden, dass man Zeit braucht. Ich wollte das indische Geschäftsleben besser verstehen.
Zudem ist Indien ein interessanter und stark wachsender Markt. Schon lange ist das Land mehr als eine bloße Outsourcing-Destination. Indien ist ein interessanter Absatzmarkt und Ausgangspunkt von Investitionen. Vor allem das Thema M&A wird dort zunehmend wichtiger. Auch viele unserer Mandanten sind verstärkt auf dem indischen Markt aktiv, kaufen dort Unternehmen oder gründen Joint Ventures. Gleiches gilt in die andere Richtung.
War es für Sie eine starke kulturelle Umstellung?
Ja und nein. Ich kenne Indien zwar gut, aber da das Land so groß und vielfältig ist, lernt man mit jedem Tag dort immer wieder Neues kennen. Vor allem eine Metropole wie Mumbai, die größte Stadt der Welt, hat eine unvorstellbare Dynamik, eine positive Aufbruchstimmung, die sich auch durch die grausamen Terroranschläge vom November 2008 und die globale Finanzkrise nicht unterdrücken lässt. Die Menschen in Indien im allgemeinen und in Mumbai im speziellen sind sehr offen und haben mich freundlich aufgenommen, und zwar sowohl in berufliche wie in private Kreise. Das macht einem die Eingewöhnung trotz kultureller Umstellung leicht.
Wenn man bereit ist, sich auf die Stadt einzulassen, kann man sich dort sehr schnell wohlfühlen. Anders als in vielen anderen asiatischen Großstädten bewegt man sich nicht nur in Expat-Kreisen, sondern entwickelt echte Beziehungen zu den "Locals". Und was auch hilft: Jedenfalls im Business wird immer Englisch gesprochen.
Wie lief die Stage ab, was waren dort Ihre Aufgaben?
Das M&A-Geschäft ist ja grundsätzlich sehr international und es haben sich bestimmte Standards herausgebildet. Insofern kommt einem - beispielsweise wenn man einen Unternehmens- kaufvertrag verhandelt - vieles bekannt vor. Wir beraten schon länger gemeinsam mit unseren indischen Partnern im Hinblick auf den indischen Markt. Auch in Indien habe ich, eingebunden in das M&A Team von Cyril Shroff von Amarchand & Mangaldas, deutsche und europäische Kunden bei ihren Investitionen in Indien beraten. Cyril Shroff ist einer der ganz Großen in Indien. Ich war der einzige deutsche Jurist vor Ort, wurde von meinen Kollegen aber sehr freundlich aufgenommen und war von Anfang an als Teil des M&A-Teams integriert.
Ist es nicht für einen deutschen Anwalt schwierig, im indischen Recht zu arbeiten? Welche Aufgaben kann man da übernehmen?
Es gibt zumindest keine größeren Probleme. Ich musste mich natürlich in das indische Recht einarbeiten und verstehen, was die Vorgaben des indischen Rechts sind. Aber wie gesagt: Auch in Indien gilt grundsätzlich die Vertragsfreiheit, so dass vieles im M&A-Geschäft wie bei uns Verhandlungssache ist.
Und auch wenn wir von Deutschland aus arbeiten, sind die Transaktionen in der Mehrzahl der Fälle international, so dass immer auf die Vorgaben einzelner betroffener Rechtsordnungen zu achten ist. Und sobald es in die Tiefen des indischen Rechts ging, haben meine Kollegen bei Amarchand & Mangaldas mich vorbildlich unterstützt - wie Best Friends das eben so tun.
Buchtipp
Eine Einführung in das indische Übernahmerecht gibt dir das von Dr. Benjamin Parameswaran verfasste Praxishandbuch "Öffentliche Übernahmen in Indien".
