Deutsche Bank
Die Green Towers in Frankfurt - grüner geht's nicht
Die Zwillingstürme sind eine der bekanntesten Ansichten Frankfurts und stehen oft auch symbolisch für die Finanzindustrie. Das aber rettete die rund 25 Jahre alten Gebäude nicht vor Alterserscheinungen. Eine gute Gelegenheit, aus der Zentrale der Deutschen Bank ein grünes Wunder zu machen.
Wer die 155 spiegelverglasten Meter der Türme im Frankfurter Westend hinaufblickt, sieht den Sonnenschein auf der Fassade glitzern. Das Gebäude der Deutschen Bank scheint ebenso blau zu leuchten wie der Himmel darüber. Mächtig sieht es aus, Ehrfurcht gebietend. Ob das Haus in grün noch genauso wirkt?
Green Buildings als Beitrag zum Klimaschutz
Wer sich jetzt ein grün angestrichenes Hochhaus in der Frankfurter Skyline vorstellt, darf aufatmen. "Grün" sind die "Green Buildings" lediglich im übertragenen Sinne: Weil sie Rücksicht nehmen auf Ressourcen wie Wasser und Energie, weil sie Material-optimiert modernisiert werden und weil sie die Energie, die sie benötigen, extrem effizient nutzen. Nicht nur Neubauten können grün sein. Wie man aus einem "gebrauchten" Wolkenkratzer, in dem täglich 2.500 Menschen arbeiten, ein ökologisches Paradestück macht, das will die Deutsche Bank zeigen.
Green Buildings
Das Ziel der "Grünen Gebäude" sind die Reduzierung der CO2-Emission und der effiziente Umgang mit Ressourcen wie Wasser und Energie, aber auch den Baustoffen. Das gelingt zum einen durch eine durchdachte Konstruktion oder indem Baumaterialien recycelt werden, aber auch durch eine bessere Pflege bestehender Bauwerke. In vielen Fällen spart ein solches grünes Gebäude nicht nur Energie und Rohstoffe, sondern auch Geld. Ein Beispiel für "Green Buildings" ist der Berliner Reichstag, der selbst die Energie produziert, die er benötigt - und bald das grüne Turm-Doppel der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.
Ein brennendes Thema
Zwischen 1979 und 1984 wurden die Türme errichtet - ursprünglich, um eine Büro- und Wohnimmobilie daraus zu machen. Noch während des Baus erwarb das größte deutsche Kreditinstitut das Gebäude. Ein guter Kauf: Während andere Hochhäuser aus dieser Epoche heute altmodisch wirken, strahlen die schnörkellosen Türme eine zeitlose Eleganz aus. Das bewahrte sie aber nicht vor einer Änderung der Brandschutzbestimmungen. Statt schlicht nachzurüsten, entschied sich die Deutsche Bank, das Gebäude nach 22 Jahren Nutzung quasi rundzuerneuern.
Frischer Wind in den Doppeltürmen
Seit fast einem Jahr hat kein Mitarbeiter mehr die Unternehmenszentrale betreten. Zweieinhalb Jahre soll die Sanierung insgesamt dauern - bei der Anzahl der Maßnahmen, die umgesetzt werden wollen, ein ambitionierter Zeitplan. Die Glasfassade wird in dieser Zeit erneuert, damit im Winter weniger Wärme verloren geht und sich das Gebäude im Sommer nicht so stark aufheizt. Elektrisch zu öffnende Fenster erleichtern die Kühlung zusätzlich. Warum schließlich mit Energieeinsatz klimatisieren, wenn ein bisschen Durchzug ebenso gut kühlt? Natürlich wird den Mitarbeitern nicht ständig eine steife Brise um die Nase wehen. Stattdessen dürfen sie sich über ein besseres Klima in den Büros freuen.
2.220 Autos, 20.000 Kilometer
Vierzig Prozent der Energie in den USA und Europa wird für den Gebäudebetrieb aufgewendet, die Hälfte davon für kommerzielle Bauten. Der Traum des World Business Council for Sustainable Development - einer Organisation, die Prüfsiegel für grüne Häuser vergibt - ist eine Null-Energie-Quote für alle Gebäude weltweit. Das werden die 40-Stöcker in Frankfurt nicht schaffen. Geplant ist dagegen eine Reduzierung des Energieverbrauchs um 55 Prozent. Ebenfalls um gut die Hälfte wird der CO2-Ausstoß sinken: Das sind satte 5.000 Tonnen pro Jahr, oder 2.220 Autos, die jeweils 20.000 Kilometer fahren. Nach der Sanierung kann also ganz Frankfurt aufatmen.
Sonne für alle
Die Reduzierung des Energieverbrauchs gelingt zum Beispiel durch die Nutzung der Sonne. Das Geschirr in der Kantine wird künftig mit Wasser gespült, das durch Solarenergie erhitzt wurde. Um den Wasserverbrauch zu reduzieren, wird über die Dachgärten Regen gesammelt. Und auch unnötig vor sich hinleuchtende Lampen soll es bald nicht mehr geben - dafür sorgt ein Lichtsteuerungssystem.
Nicht nur die Umwelt profitiert
Auch die Mitarbeiter in der "Taunusanlage 12" haben etwas von dem zunächst unbequemen Umzug in Ausweichquartiere: Ihre Büros werden nach modernen Erkenntnissen umgebaut, von Raumaufteilung bis Raumklima. Dafür ist Mario Bellini verantwortlich, ein italienischer Architekt, der unter anderem die Messe in Mailand entwarf. Der Umwelt sind Namen und Renommee der Bauherren vermutlich gleichgültig. Was wirklich zählt, sind zwei grüne Türme im Herzen Frankfurts.
