"ProMotion"-Tag bei Bosch
Promovieren mit viel Freiraum - und trotzdem schnell fertig
Annika (24) hat gerade ihre Diplomarbeit abgegeben. Darin hat sie sich mit Werkstoffen für Bremsen beschäftigt, sogenannten Metall-Matrix-Verbundwerkstoffen. Sie hat Materialwissenschaften in Darmstadt studiert und möchte nun über keramische Stoffe promovieren. Deshalb hat sie sich für den "ProMotion"-Tag bei Bosch beworben - dabei hatte sie Gelegenheit, Bosch-Doktoranden über die Schulter zu schauen, sich von ihnen Tipps für die Promotion im Unternehmen zu holen und eine raumfüllende Maschine aus der Nähe zu betrachten.
Wie lief der ProMotion-Tag ab?
Bei meiner Ankunft wurde ich von Alan abgeholt, der Doktorand bei Bosch ist. Er promoviert über Keramiken und hat mir die Abteilung gezeigt, die keramische Funktionsmaterialien herstellt. Die braucht man zum Beispiel, um Akkus oder Sensoren herzustellen. Das war interessant für mich, weil es ja genau das Thema ist, über das ich auch promovieren möchte. Bei der Führung über das Gelände habe ich schnell gemerkt, dass die Ausstattung wirklich deutlich besser ist als an der Uni: Es gibt fünf Labore, die sehr gut ausgerüstet waren, und auch der Mitarbeiterschutz und die Sauberkeit waren besser als an der Uni.
Hast du die Labore auch "in Aktion" gesehen?
Ja, wir haben einen Sinter-Test gemacht, bei dem wir Keramik-Pulver in einem Ofen gesintert - also verdichtet - haben, um daraus Pellets herzustellen. Ich hatte auch Gelegenheit, mich mit dem Abteilungsleiter zu unterhalten. Toll war auch, dass Bosch eine relativ große Slip-Casting-Maschine hat. Damit werden sehr dünne keramische Folien hergestellt, die man für Batterien oder Mikrofone braucht. Von so einer Maschine hatte ich bisher an der Uni nur gehört, und jetzt stand sie vor mir - und nahm einen ganzen Raum ein.
Kannst du dir jetzt besser vorstellen, wie eine Promotion bei Bosch abläuft?
Ich habe erfahren, dass man bei einer Unternehmenspromotion oft mehr mit seinem Ansprechpartner bei Bosch zu tun hat als mit dem Doktorvater. Die Betreuung bei Bosch ist recht eng, und der Promotionsbetreuer steht jederzeit für Fragen zur Verfügung. Manche fangen sogar bei Bosch an, bevor sie ihren Doktorvater an der Uni gefunden haben. Die Themen für die Promotion werden bei Bosch ausgeschrieben - sie bieten meistens einen großen Spielraum, damit man auch den Doktorvater an der Uni gut mit einbeziehen kann
Nach deinen Erfahrungen am ProMotion-Tag - käme eine Promotion in einem Unternehmen für dich in Frage?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe gesehen, dass die Ausstattung gut ist. Außerdem wird man bei einer Industrie-Promotion meistens schneller fertig, weil das Unternehmen ja auch dahinter ist und die Verträge nur drei Jahre laufen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man im Gegensatz zur Uni keine Übungen betreuen muss und sich besser auf die Promotion konzentrieren kann. Bei Bosch scheint man noch dazu als Doktorand relativ viel Freiraum zu haben und ein großes Budget. Außerdem möchte ich weg von der Grundlagenforschung, denn ich finde es toll, wenn ich am Ende ein fertiges Bauteil, ein fertiges Produkt sehen kann.
Und wirst du nun bei Bosch promovieren?
Bosch interessiert mich sehr und ich hätte mir gut vorstellen können, dort zu promovieren. Aber leider ist in dem Fachbereich, in dem ich promovieren möchte, keine Stelle frei. Aber nach meiner Promotion möchte ich auf jeden Fall in die Industrie - vielleicht klappt es ja dann.
Welche Tipps hast du bei Bosch bekommen?
Alan hat mir den Tipp gegeben, dass ich Experimente wirklich gut vorbereiten soll. Es ist wichtig, dass man genau versteht, was man bei einem Experiment tut. Da macht man auch lieber ein paar Experimente weniger, bereitet die aber gut vor.
Gab es etwas, das dich bei deinem Tag bei Bosch überrascht hat?
Ich fand interessant, wie flexibel man sich die Arbeit einteilen kann. Als Doktorand darf man kommen und gehen, wann man will. Wichtig ist natürlich, dass man seine Arbeit macht, aber die Doktoranden können auch von daheim aus arbeiten, wenn sie zum Beispiel in Ruhe Ergebnisse niederschreiben möchten. Das kenne ich zwar von der Uni, aber es hat mich überrascht, dass das auch im Unternehmen so locker gehandhabt wird.
