Bosch

Projekt Chancengleichheit

Wer bei einem Unternehmen, das Elektrowerkzeuge und Kraftfahrzeugtechnik herstellt, reine Männerjobs erwartet, täuscht sich. Bei Bosch ist weibliche Kompetenz hoch willkommen. Das behaupten zwar auch andere Unternehmen von sich - nur wenige setzen sich aber so engagiert für Chancengleichheit ein wie Bosch.

Bei Bosch steht die Chancengleichheit schon seit 1994 auf der Agenda. Damals begann das Ganze im Rahmen des Arbeitskreises "Frauen in Führungspositionen"; heute sorgt eine zentrale Projektstelle für gleiche Aufstiegschancen für beide Geschlechter.

Warum Kind oder Karriere?

Meist liegt es jedoch nicht an der fachlichen Qualifikation, wenn ein Mann statt einer Frau befördert wird. Viele Frauen stecken freiwillig zurück, weil sie sich den Traum von der Familie nicht nehmen lassen wollen - und fürchten, Kinder und Karriere nicht unter einen Hut zu bringen. Teilzeitmodelle und Telearbeit ermöglichen es Frauen, beruflich voranzukommen und trotzdem für den Nachwuchs da zu sein. Und sie erlauben auch Vätern, ihre Kinder öfter als nur am Wochenende zu sehen.

Frauen gegen den Fachkräftemangel

Es gibt zu wenig Absolventen in den Ingenieurwissenschaften, lautet die gängige Klage. Das stimmt - viele Unternehmen vernachlässigen aber einen Pool qualifizierter Uni-Abgänger ganz: den der Absolventinnen. Bosch hat es sich bereits vor Jahren zum Ziel gemacht, das Männer-Frauen-Verhältnis in den einzelnen Studiengängen bei den Einstellungen beizubehalten. Wenn also ein Fach an der Uni zu einem Drittel von Studentinnen gelernt wird, sollte das Männer-Frauen-Verhältnis bei der Einstellung ebenfalls zwei Drittel zu einem Drittel betragen. Diese Vorgabe wurde sogar teilweise übertroffen: So ist die Frauenquote beispielsweise im Elektrotechnik-Studium gering - bei den Einstellungen von Bosch jedoch deutlich höher.

Gute Stimmung dank Chancengleichheit

In Verbindung mit den Angeboten zur Vereinbarung von Beruf und Familie gewinnt Bosch so nicht nur eine Menge engagierter und kompetenter weiblicher Mitarbeiter dazu, sondern bindet sie auch dauerhaft. Und sorgt ganz nebenbei für eine gute Stimmung im Unternehmen, wenn Männer in der Babypause und Frauen in der Führungsetage zu finden sind.

Heidi Stock von Bosch über Chancengleichheit

Heidi Stock (Jahrgang 1969) arbeitet bei Bosch im Corporate Human Resources Management und ist dort für das Projekt "Chancengleichheit" zuständig, das es seit 1997 gibt. Ein Ziel dieses Projekts ist es, mehr Frauen den Weg in Führungspositionen zu ermöglichen.

Wie gehen Sie das Projekt Chancengleichheit an?
Dafür haben wir uns zwei Schwerpunkte gesetzt - Frauen zu gewinnen und sie zu fördern. Beruf und Familie sollen vereinbar sein. So gibt es Kinderbetreuungsprogramme, flexible Arbeitszeiten und einen eigenen Teilzeitstellenmarkt, Hilfe bei der Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen und spezielle Familienangebote wie ein Wochenende gemeinsam mit den Kindern. Übrigens werden die Führungspositionen bei uns in der Firma auch von Ingenieuren besetzt; es setzen sich also nicht nur BWLer durch. Beide Fachgruppen profitieren somit gleichermaßen von der Förderung.

Welche Förderungsprogramme bietet Bosch für Frauen?
Wir bieten Mentoring- und sogenannte "Cross-Mentoring"-Programme für weibliche Nachwuchsführungs- und -fachkräfte an. Mentee und Mentor kommen beim Cross-Mentoring aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen und Funktionen. Junge Ingenieurinnen können sich so beispielsweise mit einer erfahrenen Führungskraft austauschen. Außerdem bieten wir einen speziellen Recruiting-Workshop "Women at work" und sind zudem Partnerunternehmen bei der "Femtec". Dort können Frauen ein studienbegleitendes Zusatzprogramm im Hauptstudium mit Unternehmensexkursionen und Seminaren wie Rhetorik absolvieren.

 

Wie viele Ingenieurinnen haben diese Programme schon absolviert?
Das kann ich leider nicht genau sagen, da ein Großteil der Mentoring-Programme auch dezentral an unseren verschiedenen Standorten angeboten wird; gut die Hälfte der Teilnehmerinnen an diesen Programmen sind Ingenieurinnen oder Naturwissenschaftlerinnen. Im Rahmen der Femtec nehmen pro Jahr rund 60 Stipendiatinnen teil.

Suchen Sie auch schon vor dem Berufseinstieg Kontakt zu den Frauen?
Ja, wir versuchen durchaus, bei der Gewinnung von Spitzenkräften schon früh anzusetzen. Spezielle Projekte sollen Mädchen im Grundschulalter für den Ingenieurberuf begeistern und an technische Inhalte heranführen. So bieten wir zum Beispiel Seminare an, bei denen Mädchen mit ihren Müttern zusammen einen Elektromotor bauen können. Im Jahr 2008 wird es etwa 20 bis 25 dieser Veranstaltungen mit über 1.500 Mädchen als Teilnehmer geben.


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