Bertelsmann - Personalmarketing im Internet
Facebook als Business-Netzwerk?
Denkt man an Personalmarketing in Social Networks, fällt oft das Schlagwort "Party-Bilder". "Wir können euch beruhigen", sagen Dirk Tiggemann und Miodrag Perin von Bertelsmann. "Wir 'durchleuchten' die Internetprofile unserer Bewerber nicht." Bertelsmann hat nämlich ganz andere Ziele beim Personalmarketing im Internet.
Du hast Fragen an die Vertreter von Bertelsmann? In der Community-Gruppe antworten dir Judith Charles und Sarah Dönnebrink.
Im Studium ist alles ein bisschen lockerer. Du hast Profile bei StudiVZ, Facebook oder in der e-fellows.net community. Du tauschst Fotos der letzten Uni-Party aus, alberst mit deinen Erasmus-Freunden herum oder diskutierst mit anderen e-fellows.net-Stipendiaten deine Jura-Hausaufgabe. Doch Richtung Abschluss machst du dir plötzlich Gedanken: Was denkt eigentlich mein möglicher Arbeitgeber über mich, wenn er mich googelt oder mein Profil bei Facebook anschaut? Bei Bertelsmann können ein gut ausgefülltes Profil oder rege Web-Aktivitäten für dich sogar von Vorteil sein.
Miodrag Perin (30) hat seinen Bachelor an der Pace University in New York gemacht. Schon als Schüler hatte er einen Nebenjob bei Bertelsmann und behielt diesen während des Studiums. Nach seinem Abschluss bot ihm das Unternehmen eine feste Stelle an. Mittlerweile ist er Director of Bertelsmann HR Services North America - und ein Social-Networks-Fan.
Dirk Tiggemann (38) ist ein klassischer Quereinsteiger: Nach einer Ausbildung zum Kfz-Mechaniker hat er sein Abi am Westfalen Kolleg nachgeholt und anschließend Maschinenbau studiert. Dabei kam er immer öfter mit Informatik in Berührung - und baute seine erste eigene Website. In den "verrückten Dot-Com-Zeiten" stieg er bei Lycos ein. Seit einem Jahr ist er er bei Bertelsmann als technischer Projektmanager für die Recruiting-Plattform und Internet-Trends zuständig.
Warum hat sich Bertelsmann eigentlich entschlossen, auch in Social Networks präsent zu sein?
Dirk Tiggemann: Bertelsmann ist ein Medien-Unternehmen und sollte schon allein aus diesem Grund auf neuen, innovativen Plattformen präsent sein. Viel wichtiger für uns war aber, dass wir dort sein wollen, wo unsere Bewerber auch sind. Viele Studenten und Praktikanten sind sowieso im Netz unterwegs, nutzen die neuesten Applikationen und knüpfen Kontakte in Social Networks. Warum nicht auch zu uns? So können Interessenten nämlich gut feststellen, ob sie zu Bertelsmann passen.
Aber passen denn Personalmarketing und Online-Communitys überhaupt zusammen?
Miodrag Perin: Ja, auf jeden Fall. Die meisten Online-Plattformen werden zwar entweder nur fürs Business oder nur für private Kontakte genutzt. Aber ich habe den Eindruck, dass sich das zum Beispiel bei Facebook ändert. Immer mehr User nutzen diese Plattform auch, um Kontakt zu möglichen Arbeitgebern aufzunehmen.
D.T.: Bertelsmann hat ja unter anderem auch bei Facebook zwei Gruppen, da merken wir diese Vermischung ganz deutlich. Die Mitglieder können diesen Gruppen beitreten, sich über Jobausschreibungen informieren oder auch informell mit Mitarbeitern chatten.
Und Sie nutzen derweil die Möglichkeit und schauen sich die Partybilder der User an?
M.P.: Das ist ja eine weit verbreitete Angst der Bewerber. Aber wir können alle beruhigen: Wir stellen keine Nachforschungen an, sondern wollen mit den Usern in Kontakt treten und sie kennenlernen. Das geht natürlich nur, wenn sie sich authentisch in ihrem Profil darstellen. Wir wollen ja schließlich den Menschen sehen, keine Maschine.
D.T.: Wir haben noch nie einen Kandidaten nur wegen seines Profils in einem Online-Netzwerk abgelehnt – oder eingestellt, warum auch? Wir können anhand eines Profils ja auch kaum erkennen, ob dessen berufliche Qualifikationen stimmen. Höchstens bekommt man einen ersten Eindruck, ob er menschlich ins Team passen könnte.
Kann man denn als Bewerber Social Networks wirklich nutzen, um beim Unternehmen einen positiven Eindruck zu hinterlassen?
D.T.: Auf jeden Fall. Ich könnte mir sogar gut vorstellen, dass wir über ein Diskussionsthema in unserer Facebook- oder Xing-Gruppe auf einen Teilnehmer aufmerksam werden, uns dessen Profil anschauen und ihn einladen, seine Bewerbungsunterlagen an uns zu schicken. Einfach, weil man seine Meinung interessant fand.
M.P.: Noch besser wäre es natürlich - und da denke ich, dass es in Zukunft dazu kommen wird - dass ein User all seine wichtigen Daten schon in seinem Profil gespeichert hat. Als User kann man sich dann quasi ein Misch-Profil anlegen, mit privaten und beruflichen Informationen. Wenn man dann einer Unternehmensgruppe beitritt oder Kontakt zu einem Vertreter eines Unternehmens aufnimmt, kann man entscheiden, welche Teile des Profils sichtbar sein sollen.
Deine Profilbilder in der e-fellows.net community
In der Community kannst du entscheiden, welches Bild die Unternehmensvertreter von dir sehen können. Du kannst zwei verschiedene Bilder in dein Profil hochladen und einstellen, welches davon die Unternehmensvertreter sehen, und welches die anderen Stipendiaten und Alumni.
Die Kontaktpflege in den vielen Social Networks ist ja recht zeitaufwändig. Lohnt sich das für Sie?
D.T.: Stimmt, wir sind in vielen Netzwerken aktiv. Wir haben einen Twitter-Account, Videos bei Youtube, Blogs, Gruppen bei Xing, Facebook und in der e-fellows.net community. All das ist auch mit unserer Homepage "createyourowncareer.de" verbunden. Dadurch können wir Informationen über unser Unternehmen kommunizieren, Interessierte bekommen einen Einblick in die Arbeit bei Bertelsmann und können schauen, ob sie zu uns passen. Daher lohnt sich diese Aktivität auf jeden Fall für uns.
Aber ist das nicht ein sehr einseitiger Informations- fluss?
M.P.: Das würde ich so nicht sagen. Es gibt ja an vielen Stellen die Möglichkeit, zu kommentieren, Fragen zu stellen, selber einem Tweet zu folgen oder ein Video zu bewerten. Selbst wenn jemand einen negativen Kommentar abgibt, können wir darauf reagieren, ihn vielleicht richtig stellen oder als Ansporn auffassen. Das kommt bei den Usern sehr gut an.
Wo, glauben Sie, wird sich das Personalmarketing im Internet in der Zukunft hinbewegen?
M.P.: Das ist natürlich immer schwer zu sagen, aber ich glaube, dass sich der ganze Bewerbungsprozess mehr in die Social Networks verlagern wird. Wir werden wegkommen vom eingleisigen "Lebenslauf und Bewerbung schicken" hin zu einer Präsentation der eigenen Persönlichkeit in Netzwerken. Dort kann man sich ja auch vielfältiger darstellen. Beide Seiten sehen so auch schneller, ob man zueinander passt - ein Aspekt, der neben der fachlichen Qualifikation nicht zu unterschätzen ist. Für Bewerber ist das eine große Chance, die sie nutzen sollten - ebenso für die Unternehmen. Natürlich wird die klassische Bewerbung weiter Bestand haben, aber sie kann durch Aktivität im Web abgerundet werden.
Tipps von Miodrag Perin und Dirk Tiggemann:
- Bleibe locker und du selbst.
- Was im "echten" Leben unangebracht ist, solltest du auch in Social Communitys nicht tun.
- Nutze die Vorteile, die dir deine Profile in Social Communitys bringen. Dort kannst du dich als Persönlichkeit mit Interessen darstellen, viel mehr, als das in einer Bewerbung möglich ist.
- Wenn du nicht alles von deinem Profil zeigen willst, kannst du es auch beschränken, sodass nur eine bestimmte Personengruppe Zugriff hat.
