von Julia Büttner

Bertelsmann

Partner im Profil - Entrepreneurs Program

Christian Damke kam über das "Bertelsmann Entrepreneurs Program" zu Bertelsmann. Dort lernte er erfahrene Medienmacher aus dem Verlagswesen, Fernsehen und Direktkundengeschäft kennen und arbeitete an Themen, die alle Unternehmensbereiche betreffen. Heute entwickelt er bei der Verlagsgruppe Random House mobile und digitale Produkte und Dienstleistungen.

Christian Damke, Random House, Bertelsmann

Wirbelsturm Mitch verdankt Christian Damke (Jahrgang 1975) seine Liebe zum Unternehmertum: In Honduras baute er als Zivi Häuser und anschließend zwei Firmen auf. 2005 stieg er ins Bertelsmann Entrepreneurs Program ein. Nach Stationen bei Arvato in München und bei Doubleday in Toronto entwickelt er heute digitale Geschäftsmodelle bei Random House in München.

Wie sind Sie zu Bertelsmann gekommen?

Bertelsmann kam an die IESE Business School in Barcelona, wo ich meinen MBA gemacht habe, um dort das Entrepreneurs Program vorzustellen. Ich fand die dezentrale Struktur des Unternehmens und die individuellen Möglichkeiten dieses Programms sehr spannend. Vor allem der unternehmerische Ansatz hat mir gefallen.

Welche unternehmerischen Erfahrungen brachten Sie mit?

Ich habe meinen Zivildienst in Honduras gemacht, das war kurz nach Wirbelsturm Mitch. Mit zwei anderen Volontären von der Organisation "Unsere kleinen Brüder und Schwestern" haben wir dort über 200 Häuser gebaut. Außerdem haben wir ein Mikrokreditsystem ins Leben gerufen. Später kamen wir auf die Idee, eine Fabrik zur Herstellung von Kleidern zu errichten. Wir haben industrielle Nähmaschinen gekauft und angefangen, Mitarbeiter zu schulen; ich wurde Geschäftsführer der Firma. Die nächste Firma, die ich in Honduras aufgebaut habe, war eine Fabrik, in der Knebel für Gastronomiebekleidung hergestellt werden. Insgesamt hatte ich dort über 40 Angestellte, und am schönsten ist es, dass es die Firmen auch heute noch gibt.

Wieso haben Sie nach dem MBA nicht selbst ein Unternehmen gegründet, sondern sich für die Festanstellung in einem Konzern entschieden?

Ich hatte mich bei Bertelsmann beworben, hatte aber nach dem MBA auch zwei eigene Geschäftsideen: Das erste war eine Firma in Brasilien im Bereich erneuerbare Energien zusammen mit zwei amerikanischen Ingenieuren zu starten, da ist uns aber im letzten Moment der Business Angel abgesprungen. Die zweite Idee war aus Deutschland heraus aktive pharmazeutische Inhaltsstoffe zu handeln, jedoch kam dann die Zusage von Bertelsmann, und ich musste mich entscheiden. Letztlich hatte ich das Gefühl, bei Bertelsmann genauso unternehmerisch arbeiten zu können und das Beste aus beiden Welten kombinieren zu können.

Wo bei Bertelsmann sind Sie eingestiegen?

Ich habe in einem Start-Up von Arvato angefangen, in dem wir On- und Offline-Kundenbindungsprogramme für Medienhäuser entwickelt haben. Zu unseren Kunden zählten Pay-TV-Sender aus Deutschland, TV-Sportkanäle und Verlage. Ich bin nicht nur planerisch eingestiegen, sondern habe direkt mit der Umsetzung angefangen.

Was waren die nächsten Stationen?

Meine zweite Station war der Verlag Doubleday in Toronto. Hier ging es darum, neue Impulse für ein 70 Jahre altes Unternehmen zu schaffen. Danach habe ich bei der Verlagsgruppe Random House in Deutschland angefangen, über digitale und mobile Dienste nachzudenken, mit denen man den Leser glücklich machen kann. Ich bekam die Stelle als Projektmanager Unternehmensentwicklung angeboten und seitdem setze ich diese Ideen um: das Ernährungsportal Metabolic Balance, die Kinder-Fußball-Seite teufelskicker.de, Hörbuch-Editionen mit Zeitschriften wie der Brigitte und dem Rolling Stone, E-Books für das iPhone und ähnliches.

Warum wollten Sie Unternehmer werden?

Ich baue gerne auf. Neues von der Idee bis zur Marktreife zu bringen und zu sehen, wie Kunden darauf ansprechen, macht sehr viel Spaß. Es ist wie 3D-Schach: Es passieren extrem viele Dinge, die alle Auswirkungen aufeinander haben. Ich arbeite gerne nah am Kunden, probiere gerne aus, trage gerne Budgetverantwortung. Bei Random House gefällt es mir auch deshalb, weil wir ein Unternehmerhaus sind: Zu uns gehören fast 40 Verlage, deren Verleger alle unternehmerisch denken.

Was hat Ihnen das Bertelsmann Entrepreneurs Program gebracht?

Das Programm hat den großen Vorteil, dass es einen schnell mit Medienmachern verknüpft, die sehr viel Erfahrung mitbringen. Ob dass das Zeitschriftengeschäft ist, Radio, Fernsehen, das Internet oder auch der Direktkundenvertrieb. Die wenigsten Mitarbeiter bei Bertelsmann haben die Chance, so schnell so viele unterschiedliche Medienunternehmen kennenzulernen. Statt sich in einer Division zu spezialisieren, arbeitet man an Themen, die alle Unternehmensbereiche und alle Medien betreffen.

Was verbindet die Teilnehmer des Programms?

Einen visionären Idealismus haben alle. Und sie brennen für ihre Ideen. Man erkennt sie daran, dass sie, wenn sie anfangen, von ihrer Idee zu erzählen, nicht mehr aufhören können. Egal, ob das ein Fernsehsender in Kroatien oder ein Call-Center in Indien ist.

Welche Möglichkeiten hat man im Entrepreneurs Program nicht, verglichen zur Selbstständigkeit?

Es gab wenig, was ich nicht hätte machen können. Klar, ich kann bei Bertelsmann keine Tiefbaufirma gründen. Und es gibt eine schnellere Gewinnorientierung. Es werden Ergebnisse erwartet, nicht im ersten, aber im zweiten, dritten Jahr. Der Konzern gibt einem eine gewisse Erdung. Etwas völlig Verrücktes würde wohl nicht funktionieren.

Was braucht ein Bewerber für das Entrepreneurs Program außer den formalen Kriterien?

Man sollte einen unternehmerischen Hintergrund mitbringen, damit man schnell anfangen kann, Projekte und Ideen umzusetzen. Ein Bewerber sollte verstehen, was es heißt, etwas völlig Neues auf die Beine zu stellen, idealerweise das eben auch schon in einem anderen Zusammenhang getan haben. Internationale Kompetenz ist wichtig, denn man arbeitet eng mit Leuten aus anderen Ländern zusammen.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Erst einmal die angefangenen zum Erfolg zu bringen und aus der Start-Up Phase heraus in stabiles Wachstum zu führen. Danach vielleicht ein Youtube für Bücher? Mal sehen. Auch im Online-Gaming passiert gerade sehr viel, und die Digitalisierung bietet einem unternehmerischen Geist sehr viele Ansatzpunkte, innovative Ideen umzusetzen.


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