von Melanie Grell

Talent Management bei Accenture

Der Job, der zu dir passt

Der Recruiting-Prozess ist ein entscheidender Schritt im Talent Management. Accenture-Berater Rouven Fuchs erklärt, wie du diesen Prozess für dich nutzt - und dass über 200 Stunden Weiterbildung im 1. Jahr auf dich warten, wenn du bei Accenture einsteigst.

Rouven Fuchs, Accenture, Talent Management

Rouven Fuchs (37) hat in Luxemburg eine Bankausbildung gemacht und danach in Saarbrücken und Lyon BWL studiert. Bei einer Veranstaltung an seiner Uni lernte er verschiedene Unternehmensberatungen kennen - und stellte fest, dass die Arbeit dort gut zu ihm passt. Anfang 2002 stieg er dann bei Accenture ein. Erst arbeitete er in Deutschland, dann viereinhalb Jahre in England. Seit 2008 ist er wieder in Kronberg und kümmert sich hier im Management Consulting um das Thema Talent Management.

Früher hat man eine Stellenanzeige geschaltet. Warum brauchen Unternehmen heute ein ganzheitliches Talent Management?
Es ist ja nicht so, dass die Top-Leute den Unternehmen die Türen einrennen. Man muss sich also sehr genau überlegen, wie man gute Leute auf Accenture aufmerksam macht, sie begeistert und auch über einen gewissen Zeitraum im Unternehmen hält. Wir suchen Top Performer, aber es ist uns auch sehr wichtig dass die neuen Mitarbeiter zu unserer Unternehmenskultur passen. Wenn das nicht der Fall ist, verlieren wir sie über kurz oder lang, und das bringt beiden Seiten nichts.

Woran sehen sie, ob ein Bewerber passt?
Unser Recruiting-Prozess ist in mehrere Etappen unterteilt: Kennenlern-Workshop, Online-Bewerbung, Telefoninterview, Assessment-Center und persönliche Gespräche. Im Verlauf dieses Verfahrens können wir ganz gut erkennen, ob jemand zu uns passt. Wir sehen, wie jemand im Team arbeitet, wie er an komplizierte Aufgaben herangeht und wie er sich in Gesprächssituationen gibt. 

Wie kann ich denn als Bewerber feststellen, ob ich zum Unternehmen passe?
Auch für den Bewerber ist es nicht gut, wenn er sich für die falschen Unternehmen interessiert. Daher sollte man sich ausführlich informieren: auf der Website, in Social Communitys, mit Kommilitonen sprechen, die schon mal ein Praktikum gemacht haben oder direkt bei den Mitarbeitern.

Wie spricht man denn mit Mitarbeitern? Man kann ja nicht einfach anrufen?
Dazu ergeben sich immer wieder Gelegenheiten. Zum Beispiel auf einer Messe und bei den Workshops, an den Unis, die die Unternehmen veranstalten. Auch in der e-fellows.net community kann man einige Mitarbeiter von Accenture direkt kontaktieren. Wir beziehen immer unsere Mitarbeiter in den Bewerbungsprozess mit ein, denn sie können am besten ein authentisches Bild von Accenture und unseren Werten vermitteln.

Manche Stipendiaten beklagen, dass Unternehmen bei Infoveranstaltungen die Arbeit eher schönreden.
Es gibt sicher Unternehmen, die die Aufgaben spannender und abwechslungsreicher darstellen, als sie in Wirklichkeit sind. Die einen sind ehrlicher, die anderen weniger. Man muss aber auch sagen, dass es einfach auch vorkommen kann, dass man nicht so spannende Sachen macht. Kein Job ist immer aufregend. Auch als Berater muss man manchmal Tätigkeiten verrichten, die nicht immer ganz oben auf der Wunschliste stehen. Beratung ist ein Dienstleitungsgeschäft und jeder Berater sollte den Dienstleistungsgedanken bei seinen täglichen Aufgaben mit sich führen.

Wie merke ich denn, ob jemand jetzt übertreibt?
Eigentlich ist man am besten ausgerüstet, wenn man selbst weiß, was man möchte. So kann man gezielt nachfragen und auch auf konkrete Antworten bestehen. Je genauer die Fragen, desto klarer die Antworten und Infos, die man erhält. Bei Veranstaltungen und in Gesprächen sollte man genau hinhören, was die Mitarbeiter und Recruiting-Verantwortlichen erzählen. Meiner Meinung nach lernt man schnell, zwischen den Zeilen zu lesen. Und natürlich gilt: gezielt nachfragen. Dafür ist insbesondere auf Messen, Workshops aber auch direkt während des Assessment Centers Zeit. Selbst während des Auswahltages bieten wir Bewerbern die Gelegenheit, sich mit Mitarbeitern auszutauschen und laden immer wieder Neueinsteiger ein, um von ihren Erfahrungen mit Accenture zu berichten und ihren Werdegang bei uns authentisch zu schildern.

Diese Art von Recruiting nimmt ganz schön viel Zeit in Anspruch, oder?
Natürlich. Aber das Recruiting ist ein wichtiger Teil des Talent Managements. Beide Seiten können sich kennenlernen. Und der Bewerber kann feststellen, ob er zum Unternehmen passt, weiß, was ihn erwartet und was das Unternehmen ihm bietet.

Was bietet denn Accenture seinen "Talents"?
Accenture hat eine offene und leistungsorientierte Unternehmenskultur. In Mitarbeiterbefragungen zeigt sich immer wieder, dass vielen von uns das Arbeiten hier vor allem wegen der netten Kollegen und Freunde so viel Spaß macht. Kontinuierliches Lernen ist ein weiterer, wichtiger Kernpunkt für uns, den wir in allen Bereichen fördern. Der Mentor hilft vor allem den Einsteigern, sich im Unternehmen zurechtzufinden und sich einen 'Karriereweg' zu überlegen. Also zu schauen, wo man hin will. Die Trainings passen sich an das Level des Mitarbeiters an. Gleich zu Beginn gibt es ein lokales Einführungstraining und zwei Einführungswochen in Chicago, später als Senior Consultant nimmt man eher an Seminaren zu Verhandlungsstrategien teil. Insgesamt blicken unsere Mitarbeiter nach einem Jahr auf rund 300 Trainingsstunden zurück.