Bildung von Geist und Körper
Viele e-fellows studieren nicht nur, sondern machen auch für ihr Leben gerne Sport. In unserer neuen Serie stellen wir jede Woche einen besonders sportlichen Stipendiaten und seinen persönlichen Lieblingssport im Interview vor.
Sich selbst besser verstehen und sich ständig verbessern wollen, das sind Eigenschaften, die e-fellow Ali (20) charakterisieren. Karate ist für Ali nicht nur Wettkampf, sondern auch die Sportart, die ihm Selbstvertrauen gibt. Ali studiert in Warwick "Economics, Politics and International Studies". Hier erzählt er, wieso er sich für Karate als Sportart entschieden hat.
Ich nehme an, der Film "Karate Kid" hat dich für deinen Sport begeistert?
"Karate Kid" ist ein schöner Film, der die vielseitigen Werte des Karate anschneidet. Er trug möglicherweise ein wenig dazu bei, dass ich Karate ausprobieren wollte. Nachdem ich dann einmal bei einem Karatetraining teilgenommen habe, hat mich der Sport selbst begeistert. Im Karate arbeitet man an sich selbst. Und genau das ist es, was ja auch e-fellows.net-Stipendiaten ausmacht. Der Wille sich zu verstehen und ständig verbessern zu wollen. Karate bietet hierbei einen anderen Weg zum selben Ziel. Das ist besonders nützlich, wenn man einen Ausgleich braucht, der einen gleichzeitig weiterbringt.
Karate, Budo, Judo, Wing-Tsun, Aikido, Taekwondo - Kampfsportarten gibt es wie Sand am Meer. Wieso ist ausgerechnet Karate dein Lieblingssport?
Ich habe mit Karate begonnen, schlichtweg weil ich davon gehört habe. In unserem Verein trainieren wir stilfreies Karate und versuchen, andere Kampfsportarten zu integrieren. So lernen wir Wurftechniken aus dem Judo oder Hebeltechniken aus dem Aikido. Für mich bietet Karate ein umfassendes Kompletpaket an, das ich zum Teil bei anderen Kampfsportarten vermisse.
Beim Karate ist oft vom Training in einem Dojo die Rede. Was ist das? Und trainierst du auf Wettkämpfe, zur Selbstverteidigung oder aus anderen Gründen?
Wir benutzen die Begriffe Sporthalle und Dojo synonym. Genau betrachtet trainieren wir allerdings in einem Dojo, für das besondere Verhaltensregeln gelten, wie das Verbeugen bei Betreten des Raumes. Ich trainiere zunächst, um mir auf eine andere Art zu begegnen. Des weiteren betreibe ich Karate aus sportlichen Gründen, weil ich auf Wettkämpfen teilnehme und weil Karate einem Selbstvertrauen gibt, u.a. sich in einem gewissen Rahmen verteidigen zu können.
Musstest du deine Karatekenntnisse schon einmal außerhalb einer Sporthalle anwenden?
Glücklicherweise habe ich noch nie außerhalb des Sports schlagen müssen. Ich wurde aber auch noch nicht herumgeschubst. Ein Vorteil des Karate ist sicherlich, dass man eine Übersicht über gefährliche Situationen gewinnt, dass man noch vorsichtiger gegenüber einer Schlägerei ist, weil man die Gefahr kennt. Denn schnell ist die Nase oder ein Arm gebrochen. Zudem schreckt man durch ein gewonnenes Selbstvertrauen möglicherweise einige aggressive Menschen ab. Ohnehin ist jede Schlägerei eine verlorene, da man entweder selbst oder den anderen verletzt und ich folgende Konsequenzen lieber vermeiden möchte. Da diskutiere ich lieber, wer Recht hat und wer nicht.
Zerhaust du eigentlich auch Bretter und Ziegelsteine, wie man das in Filmen oft sieht? Ist das nur für den Film erfunden worden oder gibt es das wirklich?
In unserem Dojo zerhauen wir keine Bretter oder Ziegelsteine. Wir trainieren Schäge am Partner oder an einer gepolsterten Wand. Es gibt aber viele Dojos, in denen das gemacht wird.
Zu vielen Kampfsportarten gehört Meditation und eine Art Philosophie. Gibt es das bei Karate auch?
Karate ist eine umfassende Bildung von Geist und Körper - so geschwollen das auch immer klingen mag. Man hört diesen Satz in vielen Filmen, aber er ist einfach wahr. Ein gutes Karatetraining bringt einen an die körperlichen Belastungsgrenzen und verbessert das, was man allgemein als "Geist" benennt. Am Anfang des Trainings beginnen wir das Training, indem wir uns auf einige Werte besinnen, die wir während des Trainings einhalten wollen. Dazu gehören Bescheidenheit, Geduld, Beherrschung, Höflichkeit, Mut, Gerechtigkeit. Während des Trainings findet ein Ausgleich von schnellen, starken und ruhigen, langsamen Techniken statt. Karate, der Weg der leeren Hand, ist ein Weg, den man im Dojo gemeinsam geht. In einer solchen Gemeinschaft muss es gemeinsame Werte, eine Art Philosophie geben, die einen verbindet, und für die man sich verpflichtet fühlt.
