Warum Tanzen etwas für Männer ist

Viele e-fellows studieren nicht nur, sondern machen auch für ihr Leben gern Sport. In unserer neuen Serie stellen wir jede Woche einen besonders sportlichen Stipendiaten und seinen persönlichen Lieblingssport im Interview vor.

 

"Besonders sportlich" - damit meinen wir nicht nur die Leistungssportler unter den e-fellows. Obwohl mancher e-fellow schon bei den Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften vorne dabei war und auch Evi Sachenbacher, Olympia-Siegerin und Weltmeisterin im Skilanglauf, Alumna von e-fellows.net ist. "Besonders sportlich" finden wir auch Stipendiaten, die eine besondere, ausgefallene Sportart mit viel Leidenschaft betreiben - ob Fallschirmspringen, Crossgolf, Federfußball oder Bauchtanz. Das Spektrum ist groß und könnte den ein oder anderen dazu anregen, eine neue Sportart zu beginnen.

e-fellow Andreas

Sport, Kunst und Schauspiel - all das steckt für e-fellow Andreas (30) im Tanzen. Der Doktorand der Wirtschaftswissenschaften von der Uni Hamburg hat nicht nur in der Bundesliga getanzt, sondern ist auch als Tanztrainer tätig. Bei e-fellows.net erklärt er, warum Tanzen auch etwas für Männer ist. Zudem sagt er, ob man auch mit einer Frau gut tanzen kann, die man nicht mag.


Jungs spielen Fußball, Mädchen gehen zum Turnen oder Ballett. Wie kommt man als Junge zum Tanzen?
Weil Männer wissen sollten, wie man eine Frau auf dem Parkett bewegt! Ich glaube, es hat noch keinem Mann geschadet, etwas vom Tanzen zu verstehen. Angefangen habe ich damit vor 15 Jahren. Ich war bei einem Freund zu Besuch, der mit einigen auf Tanzschulturnieren gewonnenen Pokalen prahlte. Da dachte ich, das müsste ich doch auch können. Da ich neugierig auf diesen Sport war und in puncto Körpergefühl und Beweglichkeit eine gewisse Vorbildung aus dem Kampfsport mitbrachte, meldete ich mich in einer Tanzschule an. Aber schon nach dem ersten Kurs bin ich in einen Verein gewechselt, wo es dann richtig losging.

Was ist das Schöne am Tanzen?
Dass es sowohl sportliche als auch künstlerische Elemente beinhaltet: Sportlich gesehen gibt es Techniken für Bewegungsabläufe, die man lernen muss, bis sie in Fleisch und Blut übergehen. Dabei erfährt man eine ganze Menge über seinen Körper und auch über sich selbst. Später gilt es dann, besondere Bewegungstalente herauszuarbeiten und diese in Figuren und Choreographien einzubringen. Hier kommen künstlerischen Elemente ins Spiel: Gutes Tanzen zeigt immer eine Kommunikation zwischen den Tanzpartnern. Schau- spielerisches Talent ist dabei ebenso wichtig wie die Fähigkeit und Lust, Gefühle auszudrücken und sie auf der Fläche zu zeigen.

Inwiefern ist Tanzen also nicht nur Sport, sondern auch Show?
Gutes Tanzen ist ästhetisch, und das lockt natürlich Zuschauer an. Nicht umsonst spricht man von Tanzkunst, und damit sind nicht die teilweise sehr gekünstelt wirkenden Gesichter auf vielen Turnieren gemeint. Im Idealfall wird die gespielte Musik "vertanzt". Das bedeutet, dass die Bewegungen perfekt auf die Musik abgestimmt sind. Wenn die Gefühle nicht wirklich von innen kommen, sieht man das sehr schnell: angestrengte Schritte mit aufgesetzten Mienen.

Wie gut muss man das Herkunftsland eines Tanzes kennen, um ihn richtig gut zu tanzen?
Um einen Tanz wirklich zu verstehen, ist es wichtig, dessen Wurzeln und Entwicklung zu kennen. Jeder Tanz, sei es nun Salsa, Tango oder Discofox, vereint ganz unterschiedliche Einflüsse. Letztlich ist es ähnlich wie bei einem Maler: Er muss vielleicht nicht unbedingt wissen, wie die Farbe chemisch zusammengesetzt ist, mit der er arbeitet. Aber er muss wissen, wie er sie richtig einsetzt. Und da kann das Wissen über den Ursprung enorm helfen.

Wie oft und wo trainierst du?
Im Frühjahr habe ich mit meiner "Salsa Dance Company" eine Show eintrainiert, die beim "Salsa Festival" in Hamburg aufgeführt wurde. Dafür haben wir zunächst zwei Tagen in der Woche trainiert, aber vor Auftritten wird die Frequenz deutlich erhöht. Daneben habe ich das Training mit einer neuen, potenziellen Tanzpartnerin aufgenommen, um wieder auf Turnieren zu starten. Zudem habe ich mich als Dancecoach darum gekümmert, anderen das Tanzen nahezubringen. Ich unterrichte am liebsten Discofox und Salsa. Alles in allem tanze ich so gut wie jeden Tag.

Wer tanzt, braucht eine gute Tanzpartnerin. Wie findet man die?
Eine passende Tanzpartnerin findet man, wenn man auf Turnieren präsent ist, mit unterschiedlichen Tänzerinnen und Tänzern in Kontakt steht und auch Trainer für sich suchen lässt. Eine erfolgreiche Tanzpartnerschaft gibt man nicht so schnell auf, aber manchmal gibt es einfach triftige Gründe, sich wieder umzusehen.

Kann man auch mit einem Partner gut tanzen, den man persönlich nicht so mag?
Schön ist es natürlich, wenn man sein Tanzsportgerät - der Fachausdruck unter Tänzern für den Tanzpartner - gut leiden kann. Aber möglich ist alles, besonders wenn man erfolgreich ist. Es gibt aber viele Tanzpaare, die auch abseits der Flächen miteinander verbunden sind. Das kann helfen, muss es aber nicht. Wichtig sind ähnliche Ziele, und dass man sich beim Training und auf Turnieren versteht. Eine offene und ehrliche Kommunikation ist dabei Voraussetzung für eine erfolgreiche Tanzpartnerschaft.

Die Fragen stellte Sebastian Mahner.