e-fellows Blog

Andere Länder, andere Sitten

Bosch Mentorin Stephanie Haarmann; Quelle: e-fellows.net

Alumna und Mentorin Stephanie Haarmann (26) ist Trainee bei Bosch. Sie hat schon während ihres Maschinenbau-Studiums in Schweden Auslandsluft geschnuppert und wollte unbedingt wieder in die Ferne, um Neues kennen zu lernen. Wie zum Beispiel singende Mikrowellen, auf die sie bei ihrer Auslandsstation in Yokohama traf.

10.10.2008

Ende Mai kam ich mit "Very-Basic-Japanisch" gewappnet in Tokio an. Schon am Flughafen konnte ich erfolgreich die erste Frage auf Japanisch stellen: Ginkou wa doko desu ka? (Wo ist eine Bank?) Problematisch war dabei nur, dass ich die Antwort nicht verstand…

Diese erste Zeit in der Weltstadt Tokio verbinde ich vor allem mit wahnsinnig vielen Eindrücken: angefangen mit einer Wohnung im japanischen Stil, in der es keinen Stuhl gibt, dafür aber Sitzkissen. Unglaublich luxuriöse Toiletten mit beheiztem Sitz und allen erdenklichen Bidetfunktionen. Geld- und Fahrkartenautomaten können hier sprechen und die Mikrowelle piepst nicht, sondern spielt eine fröhliche Melodie, wenn das Essen fertig ist.

Besonders spannend war mein erster Einkauf. Ich stand vor einem Regal mit jeder Menge Packungen und Tüten. Aber was sollte das eigentlich alles sein? Da vergreift man sich dann schon mal, kauft anstatt normaler Milch einen Liter Kondensmilch und verzichtet am nächsten Morgen mehr oder weniger freiwillig auf das Müsli zum Frühstück.

Das klingt alles lustig, aber es ist auch nicht immer einfach in einem fremden Kulturkreis zu leben. Muss man doch auch damit klar kommen, offensichtlicher Ausländer zu sein. Nichts lesen und verstehen zu können, anders auszusehen als alle anderen und dafür auch angestarrt zu werden – mal mehr, mal weniger auffällig. Eine Herausforderung ist dabei auch, dass viele Japaner nur wenig oder kein Englisch verstehen. Da sind die wenigen Brocken Japanisch, die ich schon in Deutschland gelernt hatte, das eine oder andere Mal sehr nützlich.

Was ist aber besonders an der Metropole Tokio-Yokohama im Vergleich zu anderen Großstädten im asiatischen Raum? Dieses unglaublich große Ballungsgebiet bietet so ziemlich alles an Skurrilem und Interessantem, was man sich vorstellen kann: Sehr individuelle Kleidungsstile, bunt beleuchtete Straßen und Verkäufer, die einen mit lauten Werbeslogans in ihre Läden locken wollen. Betritt man ein Geschäft, schallt aus allen Ecken ein "Irashaimasse", mit dem die Angestellten den Kunden begrüßen. Erstaunlicherweise gewöhnt man sich sehr schnell an dieses bunte Treiben und zuckt nach drei Monaten nur noch mit den Schultern, wenn ein Mann im weißen Superman-Kostüm über die Straße läuft.

Auf der anderen Seite ist Japan sehr ruhig und geordnet - viel mehr als ich es in irgendeinem anderen Land bisher erlebt habe. Man stellt sich am Taxistand, vor der U-Bahn oder dem Bus an schön in einer Reihe an. Wer zuerst da war, darf auch als erster einsteigen. In Deutschland hingegen verbringt man die Wartezeit am Bahnsteig eher in Lauerstellung, um möglichst schnell in die geöffnete S-Bahn-Türe zu stürmen und sich einen Sitzplatz zu ergattern.

Auch der zwischenmenschliche Umgang miteinander ist sehr zuvorkommend und höflich. Sowohl an öffentlichen Orten wie der U-Bahn, als auch in der Arbeit, spricht und telefoniert man nur sehr leise, um niemanden zu stören. Aufgrund dieser Höflichkeit bekommt man auch nie eine direkte Absage oder Kritik. Ein Verkäufer sagt ungern, dass er das gewünschte T-Shirt nicht mehr in der richtigen Größe vorrätig hat und auch bei der Arbeit ist offene Kritik selten. Es ist in Japan sehr wichtig, auf die Zwischentöne zu achten, um zu verstehen, ob der Verhandlungspartner einem zustimmt, nicht ganz einverstanden ist oder gar nicht überzeugt wurde – ein "hai" (ja) kann alles drei bedeuten.

Nach fast vier Monaten in Japan habe ich jede Menge Erfahrungen gesammelt. Ich kenne das Gefühl, angestarrt zu werden, denn ich bin über 1,80 Meter groß, was für eine Frau in Deutschland selten, in Japan mehr als ungewöhnlich ist. Ich weiß, wie es ist, nichts lesen und nicht in der Landessprache reden zu können. Und ich habe erlebt, wie unglaublich dankbar man ist, wenn man unbeholfen vor einem japanischen Fahrkartenautomaten steht und sofort jemand zur Stelle ist, um einem zu helfen.

Zugegeben, die Zeit in Japan war bisher nicht immer leicht. Es hat mir oft geholfen, einen Schritt zurückzutreten und Dinge nicht so persönlich zu nehmen. Im Alltag trifft meine Kultur auf eine völlig andere. Ich verstehe oft nicht, warum Menschen sich so verhalten, wie sie es tun. Und sicherlich verstehen viele Japaner nicht, warum sich Europäer so benehmen, wie sie sich benehmen. Letztendlich ist es spannend, am eigenen Leib zu erfahren, wie unterschiedliche Kulturen aufeinander reagieren und was interkulturelles Verständnis bedeutet.

Wenn ich zu Hause in Stuttgart das nächste Mal einen Japaner an einem Fahrkartenautomaten stehen sehe, werde ich mich an meine Zeit in Japan erinnern. Dann muss ich sicherlich daran denken, wie unglaublich kompliziert ein Automat sein kann, wenn man nicht lesen kann, was dort steht, und wie dankbar man für ein klein wenig Hilfe in der Landessprache ist.

Katarzyna mit Freund vor dem Taj Mahal

e-fellow Katarzyna (25) studiert Molekulare Medizin in Erlangen und machte nach einem Praktikum in Neuseeland eine Reise durch Australien und Südostasien.

15.3.2006

Indien
Indien! Endlich sind wir da und es ist arschkalt! Von wegen Dezember ist die beste Reisezeit. Zum Glück haben wir aus dem Flugzeug die Decken mitgenommen, wir schlafen unter vier Decken und mit zwei Pullis und frieren noch immer. Der Verkehr in Südostasien war gar nichts gegen das Chaos hier. Auf einer zweispurigen Strasse fahren vier Autos, fünf Tuktuks und zahlreiche Fahrräder nebeneinander, jeder hupt ständig und natürlich sind auch Kühe und allerlei anderes Getier mitten auf der Straße. Natürlich versucht unser Taxifahrer alle Tricks, die im Lonely Planet beschrieben waren. Er kann das Hotel nicht finden, hat sich verfahren, hat erfahren, dass es unser Hotel nicht mehr gibt und bringt uns drei Mal zu dem von ihm empfohlenen Hotel (von dem er eine Provision bekommt). Wir bleiben stur und nach zwei Stunden sind wir auch endlich in unserem Hotel. Es ist um die Ecke von seinem Hotel, wie wir am nächsten Tag feststellen.

Wir haben von vielen gehört, dass man Indien entweder liebt oder hasst. Für uns gilt Ersteres. Das Land ist zwar dreckiger als alles, was wir bisher gesehen haben. Es ist auch total laut und vor lauter Smog kann man nicht mal Fotos machen, da alles einen weißen Hintergrund hat. Aber auf der anderen Seite hat mich noch kein Land emotional so beeindruckt. Man muss vorsichtig sein, Händchen halten oder Küssen in der Öffentlichkeit sind verboten. Und nach dem ersten Tag beschließe ich, dass ich mir ein Punjabi Dress kaufen muss. Ich falle als Frau viel zu sehr auf - und dann noch die westliche Kleidung. Kinder wollen mich ständig begrabschen und die Blicke sind sehr aufdringlich.

Auch sonst gibt es viel zu sehen, was man als "Westener" nicht gewohnt ist, bettelnde Kinder, Menschen, die am Straßenrand in Pappzelten wohnen. Jedes Dach ist bewohnt. Sogar auf der Terrasse unseres Hotels wohnen Menschen unter einer Plane. Auf der anderen Seite sehen wir die wundervollsten Bauten unserer Reise und jeder begegnet uns mit viel Herzlichkeit. In Old Delhi besichtigen wir wundervolle Märkte mit Stoffen, Gewürzen und Silberwaren. Es ist wie in einer anderen Welt. Natürlich steht auch das Taj Mahal auf unserer Liste. In der Gegend um Agra gibt es außerdem noch die alte verlasse Stadt Fatehpur Sikri, die man gesehen haben muss. Während unser Bus übers Land fährt, sehen wir Sachen, die man aus unserer Welt gar nicht kennt. Tanzbären am Rand der Straße, Slumsiedlungen an den Rändern von Delhi und noch mehr bettelnde Menschen und Kinder. Wir fühlen uns so schlecht, weil wir nicht helfen können.

Auf dem Heimweg lösen wir wie immer ein Ticket der dritten Klasse für den Zug, da wir so nicht in den noblen Wagons mit den anderen Touris sitzen, sondern mit den "Locals", wo man einfach viel mehr vom Land sieht und viel von den Menschen lernt. Aus Versehen geraten wir aber in den Militärwaggon. Holzsitze und 200 Männer, die mich erst einmal anstarren. Ich muss schon sagen, dass ich mich etwas unwohl fühle. Nach einer Zeit treffen wir einen Offizier, der englisch spricht und sagt, ich solle keine Angst haben, denn schließlich reisen wir jetzt mit dem Militär und sie werden auf uns aufpassen. Es wird die besten Zugfahrt meines Lebens. Ajju, der Offizier lädt uns zum Essen ein und wir vertiefen uns in ein Gespräch mit dem ganzen Waggon, das er übersetzen muss. Zu guter Letzt gibt er mir seine Handynummer und meint, ich solle meiner Schwester sagen, dass er sie heiraten möchte.

Indien, wir werden bestimmt wieder kommen. Denn dieser Teil war der beste und aufregendste unserer Reise! Traurig steigen wir ins Flugzeug, das uns nach London bringt und fangen schon an zu planen. Es gibt noch so vieles, was wir sehen möchten.

Wat pra Keow in Thailand

e-fellow Katarzyna (25) studiert Molekulare Medizin in Erlangen und machte nach einem Praktikum in Neuseeland eine Reise durch Australien und Südostasien.

13.3.2006

Thailand
Wir sind diesmal per Fähre über die Grenze. In Malaysia haben uns so viele vom thailändischen Lächeln vorgeschwärmt und von den vielen Wundern dieses Landes. Aber wie immer, wenn man viel erwartet, wird man enttäuscht. Der Süden Thailands ist voll mit Touristen und wir vermissen schon bald die malaysische Freundlichkeit. Während uns die Einheimischen in Malaysia oft und gerne herumgeführt und geholfen haben, versucht man nun an jeder Ecke, uns abzuzocken. Die Preise sind hier auch viel höher als in Malaysia. Nachdem wir alle "touts" losgeworden sind, nehmen wir den lokalen Bus. Die Fahrt lohnt sich. Im Fernseher läuft thailändische Karoake und der ganze Bus wippt mit. Das ist ein Erlebnis!

Ko Phi Phi ist die Insel, die vom letztjährigen Tsunami am schlimmsten mitgenommen wurde. Kein Wunder, die Insel hat die Form eines großen H und der mittlere Balken ist etwa 100 mal 20 Meter groß. Alles grade mal einen halben Meter über Meereshöhe - die große Welle fegte einfach darüber hinweg. Auf der Insel gibt es weder befestigte Straßen noch Autos, man wird mit "long boats" zu den einzelnen Stränden kutschiert. Da es nur wenige Hotels und Bungalows gibt, sind die Preise ganz schön in die Höhe gegangen. Auf dem Festland hatte man uns versichert, dass alles wieder aufgebaut ist - aber das ist wohl noch lange nicht so. Es ist schon irgendwie schlimm, an dieser Stelle zu stehen.

Unser Bootskapitän erzählt, dass er nur überlebt hat, weil er am Tag des Tsunami einen Trip in die Berge gemacht hatte. Seine ganze Familie war aber im Dorf. Trotzdem ist er froh, dass die Touristen wieder da sind, schließlich leben er und die ganze Insel nur vom Tourismus. So ganz wohl fühlen wir uns trotzdem nicht. Phuket ist der nächste Stop - viele Deutsche, ein Handtuch neben dem anderen und als wir den ersten Bratwurststand sehen, verlassen wir den Ort sofort. Die ganzen Touristen sind ganz wild auf das Tsunami-Video. Keine Ahnung, warum man sich so etwas Morbides kaufen sollte.

Die Ostküsteninseln Koh Samui, Ko Pha-Nang und Koh Tao haben durch den Tsunami ganz schönen Aufschwung bekommen. Neue Bungalows wurden an jeder möglichen Ecke errichtet. Teilweise umspült bei Flut das Wasser die "waterfront" Bungalows sogar. Trotzdem ist diese Inselgruppe einfach perfekt geeignet, ein paar Tage und Wochen lang alles zu vergessen und einfach in den Tag hineinzuleben. Danach geht es mit dem Nachtzug nach Bangkok und ich muss sagen, dass Bangkok das Highlight von Thailand ist! Wunderschöne Tempel, Schuhe für zwei Euro das Paar. Welche Frau kann da Nein sagen? Am Chat-a-Chuk Markt kann man den ganzen Tag verbringen: Klamotten, Schuhe, Holzwaren, Schmuck, einfach alles, was das Herz begehrt. Wir übernachten natürlich in der Kao San Road. Wenn man dort um sieben Uhr morgens ankommt und im Pub die Leute mit ihrem Bier sieht, weiß man nicht, ob sie noch oder schon da sind - diese Straße schläft einfach nie.

e-fellow Katarzyna an den Whitsundays in Australien

e-fellow Katarzyna (25) studiert Molekulare Medizin in Erlangen und machte nach einem Praktikum in Neuseeland eine Reise durch Australien und Südostasien.

2.3.2006

Das Land der Kängurus! Wer hat denn nicht schon immer davon geträumt, nach down under zu fliegen? Ich fliege mit einer Studienkollegin hin, die mich zuvor in Neuseeland besucht hatte. Zunächst fahren wir nach Sydney und machen dort das übliche Programm. Opera House, es sieht wirklich nicht so schön aus wie auf den Bildern, Sydney Tower, irgendwie ist er fast dem Skytower in Auckland sehr ähnlich. Dann eine Tour in die Blue Mountains und natürlich in einen Streichelzoo; Koalas mögen ja ganz süß und knuddelig aussehen. Aber glaubt mir, sie stinken wie sonst was! Danach geht es nach Cairns mit Virgin Blue Airlines. Bei der Gepäckverladung geht meine Tasche kaputt. Eine nette Frau erklärt mir, dass sie die Tasche nicht reparieren können, da ich bald wieder die Gegend um Cairns verlasse und es schwierig wäre, das Geld zu erstatten. Dabei stelle ich mir die Frage: Wieviel Prozent der Kunden einer Luftlinie verlassen wohl nicht bald wieder das Land oder die Gegend?

Man merkt, dass wir hier viel näher am Äquator sind, es ist so heiß und die Sonne scheint nonstop. 60 Prozent der Bevölkerung von New South Wales bekommen im Laufe ihres Lebens Hautkrebs. Also LSF30++ kaufen. Zum ersten Mal im Leben verstehe ich, was "Australian Standard" wirklich bedeutet. Von Cairns aus geht es nach Airlie Beach und dann wollen wir noch segeln an den Whitsundays. Die sind unbeschreibbar schön! Weisse Strände, türkisfarbenes Meer und wir auf einem Trimaran. Mir fehlen die Worte!

Nächster Stop auf unserem Weg die Ostküste runter ist Harvey Bay. Von hier aus geht es mit der Fähre nach Fraser Island. Die grösste Sandinsel der Welt, unbewohnt, keine Elektrizität und viele Dingos. Zu zehnt mieten wir einen Jeep und zelten am Strand und in der Nähe von wunderschönen Süßwasserseen. Life can be so good. Auch wenn ich es doch unheimlich finde, dass hier eine Vielzahl der tödlichsten Spinnen und Schlangen der Welt es auf uns abgesehen hat. Ins Meer darf man auch nicht - Haie. Weit oben von Indian Head kann man sie an der Küste entlang schwimmen sehen.

Der letzte Stop ist Brisbane - eine richtig schöne Stadt, auch wenn ich an Australien eher die Natur faszinierend fand. Trotzdem: Ich beschließe, dass ich spätestens nach meiner Doktorarbeit ein paar Jahre in Oz (Australien) leben möchte. Wegen des Wetters, wegen der Menschen und wegen der faszinierenden Ecken dieses Landes!

e-fellow Marie (21) studiert Internationale Beziehungen in Dresden. Sie berichtet von ihrem Praktikum bei der UNESCO in Paris und den vielen diplomatischen Empfängen.

e-fellow Marie (21)

28.11.2005

In der erlesenen Welt der Diplomaten gibt es jeden Abend genug Anlässe, zum Empfang zu laden: Zwischen Champagner und Fingerfood wird scheinbar nebenbei politisch aussondiert, verhandelt und nach Kompromissen gesucht. Dabei ist die Liste der Einladungen lang und der Abend kurz. "Empfangs-Hopping" ist angesagt.

4. Oktober, 18 Uhr. Während im großen Konferenzsaal, geschmückt mit den 191 Flaggen der UNO-Mitgliedsstaaten, noch die letzten Reden gehalten werden, geht es auf nach Japan. Im siebten Stock des UNESCO Hauptquartiers, mit Blick auf den nun im Dunkeln funkelnden Eiffelturm, wird zum Sushi Reiswein kredenzt. Kaum habe ich jedoch das erste Glas geleert, ein verstecktes Zeichen des Chefs. Ich folge ihm in die Dominikanische Republik. Und das in einer Rekordzeit von zwei Minuten. Ein kurzes Eintauchen in karibische Klänge, exotische Früchte.

Dann schnell weiter, denn der Quai d’Orsay, das französische Außenministerium, hat ebenfalls geladen. Deutsch-französische Freundschaft, enge Kooperation in der EU - natürlich ein Pflichttermin. Und die Franzosen wissen, sich zu präsentieren: Mit staunenden Augen laufe ich durch das prachtvolle Palais, geschmückt mit Kronleuchtern, Gemälden und kostbaren Stoffen.

Doch mein Chef wird unruhig, denn das Protokoll gebietet hier, dass die Bar erst nach der Ansprache des Gastgebers eröffnet wird. Und der lässt auf sich warten. Wer nicht auf uns wartet: Bundespräsident Horst Köhler, heute Abend zu Gast in Paris.

Um 19:30 Uhr betreten wir deutschen Boden. Im Palais Beauharnais, einem prunkvollem Stadtpalast und Sitz des Botschafters, zeigt sich Deutschland von seiner besten Seite. Mittelalterliche Handwerkskunst, Luther und Bach, moderne Technik, eine Modenschau und modernes Industriedesign als Zeichen für Forschritt, Jugendlichkeit und Kreativität.

So lasse ich den Abend mit Schwarzbrot, Würstchen und Baumkuchen ausklingen, bevor ich durch das nächtliche Paris leicht beschwipst nach Hause schlendere.
Das Diplomatenleben? Etwas gehetzt, viele Drinks, viel Smalltalk, viele Pflichttermine - aber spannend!

e-fellow Michael (23) studiert Wirtschaftsinformatik in Karlsruhe und präsentiert einen Ausschnitt aus seinem Weblog über seine Reise durch Singapur, Malaysia und Thailand.

e-fellow Michael (23)

22.11.2005

Ausschnitt von einer viertägigen Tour durch den Regenwald

Es war zehn Uhr morgens. Die Nacht hatte ich nicht viel geschlafen, weil ich immer wieder durch das Fiepsen der Ratten wach wurde. Einmal hat uns der Guide geweckt, weil die Batterien seiner Taschenlampe leer waren und er die wilden Tiere, Elefanten, Tapire und andere vertreiben wollte. Dazu lagen wir noch auf hartem Steinboden, nur mit etwas Fledermaus-Kot bedeckt. Rundum eine Nacht, wie man sie nicht noch einmal erleben will. Mir tat alles weh. Aber es war ein Erlebnis.

Gestärkt mit ein paar Scheiben ungetoastetem Weißbrot stand am Morgen der nächste Marsch bevor. Heute sollten wir wieder fünf Stunden im feuchtwarmen Regenwald laufen. Bevor es aber los ging, mussten wir wieder in unsere Kleider steigen. Die Hosen waren total verdreckt. Das Hemd war feucht und kalt und die Socken zierte ein Gemisch aus Blut von den Blutegeln und Dreck vom letzten Marsch. Auch die Schuhe waren kalt und nass. Absolut widerlich. Aber rein in die Kleider, Rucksack aufgesetzt und los gings.

Wie am vorherigen Tag ging es im Eilschritt durch den Regenwald. Auch an diesem Tag waren einige Bäche zu überqueren. Eine Engländerin quiekte vor jedem Bach, der zu überqueren war. An Tieren haben wir an diesem Tag nur eine Black Cobra gesehen. Ansonsten ging es noch mit einer Liane über einen vier Meter hohen Abhang und über einen dünnen Baumstamm freihändig über einen Bach.

Wenn das mal keine Vorbereitung auf das Berufsleben ist – Kondition, Stärke behalten und sich ans Ziel durchbeißen!

e-fellow Laura (22) studiert Maschinenbau in Braunschweig und beantragte in einem türkischen Konsulat ein Visum für einen Studienaufenthalt in Ankara.

e-fellow Laura (22)

Teil 3, 17.11.2005

Herr Dilek erzählt mir, dass er eigentlich auch Maschinenbau hätte studieren wollen, aber seine Eltern wollten, dass er etwas Sicheres macht. Und so wurde es eben Arbeitsverwaltung. Zur weiteren Visabearbeitung fehlt eine Einkommensbescheinigung. Er fragt, warum ich die nicht dabei hätte. Herr Dilek telefoniert mit verschiedensten Mitarbeitern des Konsulats, ob er mir das Visum auch so ausstellen dürfe. So erfahre ich nebenbei, dass seine Frau in den Wehen mit ihrem dritten Kind liegt und es hoffentlich eine leichte Geburt wird. Inschallah.

Nach diesem Telefonat guckt Herr Dilek mich eine ganze Weile an, prüfend. Schließlich seufzt er und sucht den Ordner mit den Visumsaufklebern heraus. Ich möge doch bei Gelegenheit vorbeikommen, damit er seine Akten vervollständigen könne. Und jetzt muss ich nur noch die Gebühr entrichten. "Nein, nicht bei mir, an der Kasse."

Die Schlange vor der Kasse ist verdächtig kurz, nur zwei Männer stehen vor mir. 52 Euro kostet der Aufkleber und der wortkarge Mann drückt mir den Beleg in die Hand. "Stempel, Schlange dort." Ich muss mich also doch in die Schlange einreihen, die ich eben noch mitleidsvoll angeguckt habe. Ich überschlage kurz und komme auf 54 Menschen vor mir. Während ich warte, fällt mir auf, dass aber immer nur einer aus der Familie für den Stempel ansteht. Sobald er an der verheißungsvollen Tür angekommen ist, erschallt der Ruf in Richtung der anderen zu den Bankreihen. Nach einer endlos langen Zeit stehe aber auch ich im Zimmer der Vizekonsulin, die nichts anderes zu machen scheint, als den
ganzen Tag ihren Stempel und Unterschrift unter Passantragsbelege, Visumsbelege und Arbeitsgenehmigungen zu setzen. Ein herrlicher Job.

Ich muss ein letztes Mal zu Hern Dilek. Mittlerweile hat sich auch vor seinem Schalter-Büro eine Schlange gebildet. Er winkt mich hindurch und wünscht mir viel Glück in Ankara. Damit bin ich entlassen. Ich gucke auf die Uhr: 14.30. Und noch immer sind die Warteräume proppevoll. Viereinhalb Stunden Vorgeschmack auf pralles Leben in der Türkei. Ich freu mich drauf.

e-fellow Laura (22) studiert Maschinenbau in Braunschweig und beantragte in einem türkischen Konsulat ein Visum für einen Studienaufenthalt in Ankara.

e-fellow Laura (22)

Teil 2, 11.11.2005

Ich werde zu einem Mann hinter einer Art Vitrine durchgereicht, der mir ein Kärtchen mit der Nummer 400 hinhält: "Anstellen!" ist das einzige Wort, das er mir auf den Weg mitgibt. Also Nummer ziehen wie in Deutschlands Ämtern, nur dass man es hier konsequent nach der Art der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen regelt. Wozu eine Maschine hinstellen, wenn es auch einen Menschen gibt, der den Job erledigen kann. Wo ich mich anstellen soll, zeigt er mir nicht.

Ich schaue mich um und entdecke an der Stirnseite des Wartesaales, winzig im Gegensatz zu der darüber hängenden Fotografie von Atatürk mit Denkerstirn, eine Anzeigetafel. 056 zeigt die an für den Bereich "Vize" (Visum). Da habe ich wohl noch ein paar Minuten Zeit. Ich schlängle mich durch die Massen und versuche, einen Platz an der Wand zum Anlehnen zu ergattern. Dabei fällt mir auf, dass sich ein weiterer Raum anschließt. An einem Schalter in der Ecke hängt ein großes Schlild: "Vize". Ohne Schlange. Ich frage den Mann dahinter und werde an einen zweiten weitergeleitet. Dieser trägt ein feines Hemd, weiß mit dünnen roten Streifen, und guckt mich etwas amüsiert durch seine Brille an. "Sie möchten ein Visum beantragen?" Er teilt mir einige Blätter aus, die ich ausfüllen muss.

Währenddessen holt er sich und seinem Kollegen hinter dem Schalter neuen Tee aus dem Automaten. Das Schalter-Büro erscheint mir als Deutscher unaufgeräumt. Überall Aktenstapel, Wörterbücher, Ordner, Stempel. Kein Platz, der nicht belegt ist. Und natürlich Atatürk in dreifacher Ausfertigung hinter Glas. Die Formulare werden durchgeguckt, es fehlen Kopien von meinem Reisepass und die Aufnahmebescheinigung der Universität. Diese könne ich im vierten Stock am Kopierer machen. Nach einer Ausgabe von satten 2,95 Euro für 5 Kopien - fragt mich jetzt bitte nicht wie der auf 2,95 gekommen ist, wahrscheinlich hat den einer programmiert, der nicht gut deutsch konnte und sich beim umrechnen einfach vertan hat - komme ich zurück zu Herrn Dilek, der sich in der Zwischenzeit mit Solitaire spielen beschäftigt hat.

e-fellow Laura (22) studiert Maschinenbau in Braunschweig und beantragte in einem türkischen Konsulat ein Visum für einen Studienaufenthalt in Ankara.

e-fellow Laura (22)

Teil 1, 8.11.2005

Wie alles anfing. Der Besuch im Konsulat

Am Montag gondelte ich gegen 10 Uhr zum zweiten Mal zum türkischen Konsulat. Warum zum zweiten Mal? Weil entgegen sämtlicher Infos aus dem Internet und diversen Schildern dort nur Leute bis 12.30 Uhr eingelassen werden und nicht, wie im Internet angegeben, bis 16 Uhr. Ich komme also in der Cecilienallee an und geselle mich zu den 80 anderen noch vor dem Tor wartenden Leuten. Nach einer Viertelstunde öffnet sich das Tor und wir werden von einem bärtigen Alt-Osmanen durchgewinkt. "Heute nur eine Sicherheitskontrolle", meint er. Nur nicht vorzeitig als Deutsche auffallen.

Also stelle ich mich schnell zu den anderen Frauen , die eine Magnetschleuse passieren müssen. Warum nur Frauen hindurch gehen müssen, ist mir schleierhaft. Wahrscheinlich einfach höheres Gewaltpotenzial. Dafür werden die Männer dreimal von durchdringenden schwarzen Augen hinter dichten Augenbrauen (ein stämmiger Sicherheitsbeamter) angeguckt - und
durchleuchtet? Im Treppenhaus angekommen, stolpere ich als erstes über einen in der Ecke kauernden, Schnupftabak kauenden Mann, der mich daraufhin in seiner Sprache ausdauernd und lauthals lobt. Ich versuche, mich zu entschuldigen, wobei ich mit meinen kläglichen Sätzen soviel Mitleid ernte, dass die Umstehenden beruhigend auf ihn einreden und mich passieren lassen.

In dem viergeschossigen Haus gibt es auf auf jeder zweiten Etage einen riesigen Wartesaal, in dem sich mindestens zweihundert Menschen drängen und sämtliche Schilder an den Wänden verdecken. So bleibt mir nichts anderes übrig, als mich an den scheinbar willkürlich dahin geworfenen Buchstabenkombinationen über den Türen zu halten, die auf allen Etagen von der Visavergabe künden. Fangen wir also unten an. Die ausnahmslos türkischen Besucher können mir nicht helfen. Sei es, dass sie kein Deutsch verstehen, mir nicht antworten wollen oder auch keine Ahnung haben.

Familien kommen herein, Männer suchen ihren Frauen eine Sitzgelegenheit und stellen sich an. Der Getränkeautomat wird aufgefüllt, zuerst die Cola Turka, sämtliche anderen Fächer sind leer. Kaum ist die Tür wieder geschlossen, verlagert sich eine Traube von Menschen zum Automaten hin und schon ist das Colafach wieder leer. Eine Viertelstunde später kommt wieder ein Mann herein und füllt "Uludag", die türkische Variante der Fanta, nach. Gleiches Spiel von vorne.

Fortsetzung folgt.

Marae - ein Maori Haus in Neuseeland

e-fellow Katarzyna (25) studiert Molekulare Medizin in Erlangen und macht ein Praktikum in Neuseeland, das sie mit einer Reise durch das Land verbindet.

3.11.2005, Teil 4

Labour Weekend in Neuseeland, das bedeutet drei Tage frei. Wenn das sich nicht für einen Trip in den "fernen Norden" anbietet? Samstag früh ging es los, zunächst zu einem Surfwettbewerb in Piha, dann zu den wunderschönen Stränden an der Ostküste. In Kawakawa haben wir dann auch noch die weltberühmten Toiletten gesehen, die Friendensreich Hundertwasser dem Dorf gespendet hat - er hat hier seinen Lebensabend verbracht. Whangarei, Kaikohe, Kaitaia und schon ist der Tag fast zu Ende, als wir das Hostel in Henderson Bay erreichen. Es wird von einem jungen Pärchen betrieben und ist eigentlich eher ein Haus als ein Hostel - viel Platz und eine wunderschöne abgelegene Lage an einem pinken Strand.

Am nächsten Tag besichtigen wir Cape Reinga, den nördlichsten Punkt Neuseelands, an dem die Tasmanische See und der Pazifik zusammenstoßen und bis zu zehn Meter hohe Wellen schlagen. In Waitiki Landing düsen wir dann auch noch die bis zu 50 Meter hohen Sanddünen auf Boards hinunter und schauen uns auch die 90 Mile Beach an. Sie ist in Wirklichkeit nur 68 Meilen lang, bietet aber eine Alternative zur Straße. Viele Einheimische und Touristenbusse wählen den Strand, um in den Norden zu kommen. Schließlich kann man hier schneller fahren als auf der kurvigen Straße.

Schon wieder ist ein Tag rum. Montag früh geht es wieder nach Süden, wir sehen uns Waitangi an, in dem der historische Vertrag zwischen den Maori und den Briten unterzeichnet wurde. Ein Kampfkanu (Waka) und ein Marae (Stammeshaus der Maori) sind hier auch zu sehen. Danach geht's in den Kauri Waipoua Forest: Bäume mit bis zu 16 Meter Durchmesser und einem Alter von 2.000 Jahren! Abends kommen wir wieder in Auckland an. Der Zähler sagt 1.230 Kilometer - und das in drei Tagen. Schön war's. Schade, dass ich schon bald dieses traumhafte Land verlassen muss!

Maori Wahlparty in Neuseeland

e-fellow Katarzyna (25) studiert Molekulare Medizin in Erlangen und macht ein Praktikum in Neuseeland, das sie mit einer Reise um die Welt verbindet.

12.10.2005, Teil 3

Von der Schönheit Neuseelands brauche ich wahrscheinlich nichts mehr zu erzählen. Wer hat nicht den Herrn der Ringe gesehen und sich gewünscht, er könnte in dieser herrlichen Landschaft sein? Deswegen ein paar andere interessante Fakten, die man nicht in Reisebüchern findet: Bierflaschen gibt es nur mit Schraubverschluss, wo bleibt da der Spaß? Wählen darf man schon, nachdem man ein Jahr lang hier gearbeitet hat. Fahrschulen gibt es nicht, die Eltern zeigen ihren Kindern, wie man sicher im Linksverkehr zurecht kommt. Rauchen ist in allen Pubs und Cafés verboten und angetrunkenen Personen darf kein weiterer Alkohol verkauft werden. Studieren darf jeder - unabhängig von der Schulbildung - sobald er das 20. Lebensjahr vollendet hat.

Leider werden weder der deutsche Führerschein noch der Personalausweis als offizielles Dokument anerkannt. Man muss entweder den Reisepass ständig bei sich tragen oder vor Clubs zahlreiche Diskussionen mit Rausschmeißern über sich ergehen lassen, die meist doch damit enden, dass man heimgehen muss. Während ich ganz einfach ein Auto mit meinem EU-Führerschein mieten kann, darf ich damit nicht mal Wein kaufen und muss sogar den Laden verlassen, da meinem Freund kein Alkohol verkauft werden kann, wenn eine Person ohne zulässige Altersbestätigung im Geschäft ist. Ich muss schon sagen, es ist manchmal verrückt. Doch hat dies nicht eben einen gewissen Reiz?

Die Wahlen hier fanden am gleichen Wochenende statt wie in Deutschland. Auch hier konnten sich die Wähler nicht zwischen links und rechts entscheiden und die Koalitionsverhandlungen dauern immer noch an. Aber eines der einprägsamsten Erlebnisse hier war, dass ich mit meinem Freund, der Journalist ist, bei der Wahlparty der neu gegründeten Maori-Party sein konnte. Ein historisches Ereignis: Die Partei kommt erstmals ins Parlament, der 60-jährige Vorsitzende tanzt mit seinem Stamm einen beeindruckenden Haka. Alle tanzen zu Maori-HipHop - und John und ich mitten drin!

Piha Beach Neuseeland

e-fellow Katarzyna (25) studiert Molekulare Medizin in Erlangen und macht ein Praktikum in Neuseeland, das sie mit einer Reise um die Welt verbindet.

7.10.2005, Teil 2

Die Zeit in Neuseeland verfliegt und die Erlebnisse häufen sich. Auckland ist ein guter Startpunkt, um die Nordinsel zu erkunden. Aotearoa besteht aus zwei Inseln, die nördlichere sieht aus wie ein Fisch und wurde der Legende nach von dem Gott Maui aus dem Meer gefischt. Die südlichere der Inseln stellt das Boot Mauis dar.

Knapp eine Stunde nordwestlich von Auckland ist Piha Beach, der bereits im Film "Das Piano" die Schönheit Neuseelands anpries. Auch in Auckland selber gibt es vieles zu entdecken: Devenport, der Stadtteil mit den Marinebunkern; Rangitoto, die erloschene Vulkaninsel oder auch Tiritiri Matangi, eine Insel, die ein Wildreservat beherbergt. Durchaus sehenswert, schliesslich gibt es dort auch den letzten Dinosaurier Neuseelands, den Tuatara. Und zahlreiche bunte Vögel, die sonst überall ausgestorben sind.

250 Kilometer südlich von Auckland liegt Rotorua: die gesamte Stadt weist geothermische Aktivität auf, mit der auch die Heizungen betrieben werden. Geysire, Vulkangestein, wunderschöne heiße Quellen und der doch so typische Schwefelgeruch - so wird mir diese Stadt in Erinnerung bleiben. Und vielleicht auch die Tatsache, dass wir mit Motorschaden liegen geblieben sind.

Doch natürlich bin ich auch hier wegen meines Praktikums im Liggins Institute, einem Forschungsinstitut der University of Auckland. Erforscht werden hier pränatale Entwicklung, Placenta und auch Neurowissenschaften. Die Labors sind Top ausgestattet, es herrscht eine gute Stimmung und die Betreuung ist auch sehr gut. Es ist wohl das internationalste Labor in dem ich je war. Eine riesige Weltkarte mit lauter bunten Stecknadeln verdeutlicht, welch ein bunter Haufen sich hier versammelt hat. Und, die Naturwissenschafter unter euch werden genauso erstaunt sein wie ich, es gibt geregelte Arbeitszeiten! Und diejenigen unter euch, denen bereits ein Schaf-Witz auf den Lippen liegt, sei gesagt: Es ist wahr, die meisten Experimente finden hier am Schafmodell statt!

Das Wetter? Nun ja, wer auch immer Neuseeland mit ewigem Sommer verbindet, liegt falsch. Es ist vor allem eines, windig. Am besten fasst die Situation wohl der folgende Satz zusammen, der aus einem Dokumentarfilm über afghanische Flüchtlinge in Neuseeland stammt: "You don’t like the weather in New Zealand? Well, just wait fifteen minutes!"

Budapest in der Nacht

Zehn Monate lang war e-fellow Imke (25) in Budapest. Dort absolvierte sie ihren Master in "International Relations" an der Central European University (CEU).

4.10.2005

Nach zehn Monaten in Budapest kann ich die Stadt und die CEU nur wärmstens empfehlen. Abgesehen von dem neuen Wissen, das irgendwo in meinen Gehirnwindungen vor sich hinstaubt, sind mir insbesondere die vielen Erinnerungen und die neuen Freunde, die aus verschiedensten Ecken der Welt stammen, wichtig. Obwohl die CEU nur etwa 1.500 Studenten pro Jahr unterrichtet, ist das internationale Flair erstaunlich. Studenten kommen aus Ländern, wie zum Beispiel Usbekistan, Litauen, Tadschikistan und Namibia. Diese Länder-Gruppen sind relativ klein. Selbst die Rumänen, die größte Studentengruppe, stellten gerade einmal 16 Prozent der Studenten.

Unvergesslich sind auch die damit verbundenen Diskussionen, die sowohl während der Seminare als auch außerhalb geführt werden und zum Teil zu skurilen Aussagen führten. Zum Beispiel bei Themen wie dem Einfluss Deutschlands auf die Verteilung von EU-Geldern ("die Deutschen würden es doch auch nicht gern sehen, wenn ein anderes EU-Land sie überträfe") und dem Straftatbestand der Prostitution in den USA ("also eigentlich ist Ehebruch in den Staaten doch auch strafbar").

Darüber hinaus bleiben natürlich die Eindrücke aus Budapest, das ebenfalls von der Globalisierung eingeholt wird. Ein ungarischer Freund von mir brachte es grinsend auf den Punkt: "Nachdem mich ein Bettler auf Englisch ansprach, hatte ich wirklich das Gefühl, dass es mit Ungarn langsam aufwärts geht". Abgesehen davon sticht natürlich die einmalige Kulisse ins Auge, die wirklich unvergesslich ist. Nachts auf der Margarethenbrücke zu stehen, entlang des rechten Donauufers das erleuchtete Schloss samt Matthiaskirche und Fischerbastei, die angestrahlte Szechenyi-Brücke und zur Linken das ebenfalls angeleuchtete Parlamentsgebäude, das ist schon ein unvergesslicher Anblick.

Ägypten

e-fellow Raseena (21) studiert
BWL an der RWTH Aachen und machte ein Praktikum bei Alstom Power Egypt in Kairo

18.8.2005

Zurzeit mache ich ein Praktikum bei einer deutschen Firma und führe hier eine Marktstudie über den Energiesektor im gesamten arabischen Raum durch. Da ich dabei auf meine lokalen Kontaktpersonen in den jeweiligen Ländern von Marokko bis Oman sehr angewiesen bin, bekomme ich umso mehr mit, wie die Arbeitspraxis dort ist. Durch ein Praktikum, dass ich zuvor in Kairo gemacht habe, hatte ich zum Glück bereits vorher einen sehr guten Einblick bekommen, und gelernt und versucht, mit diesen Gebräuchen richtig umzugehen. Was manchmal gar nicht so einfach ist, und vor allem Geduld erfordert, arabisch "Sabr".

Ein Problem waren vor allem veraltete Daten. Das älteste, was ich hatte, war von 1989. Und das bei Energiestatistiken! Die meisten Infos müssen irgendwie zusammengepflückt werden. Dabei muss man beachten, dass Dinge hier meist nur mit den immens wichtigen Beziehungen funktionieren. Diese aufzubauen ist wiederum eine kleine Herausforderung, weil Fingerspitzengefühl für die Kultur gefragt ist. Smalltalk im richtigen Ausmaß anwenden und bestimme Themen ja nicht ansprechen. Im Endeffekt läuft es darauf hinaus, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Gesundes Misstrauen ist allerdings auch zu empfehlen, um nicht allzu viel auf scheinbar nett gemeinte Gesten und Verhaltensweisen zu geben.

Außerdem sollte man tunlichst kulturelle Fehlgriffe vermeiden. Wir hatten zum Beispiel in Kairo für die Projektbearbeitung eine konzerninterne Kollegin aus der Schweiz da. Bei ihrem Abschied hat sie allen Kairoer Kollegen ein Küsschen auf die Wange gegeben. Mein ägyptischer Kollege hat mich daraufhin später zur Seite genommen und richtig verärgert gemeint: "Ist so was normal in Deutschland? Eine fremde Frau gibt einem fremden Mann kein Küsschen auf die Wange. Es gehört sich nicht. Ich weiß nicht was ich meiner Frau erzählen soll. Ich glaube, ich kann es ihr gar nicht erzählen. Aber andererseits habe ich dann ein schlechtes Gewissen. Ich möchte ihr nichts verheimlichen. Aber ich kann ihr so etwas nicht erzählen. Was soll ich bloß tun?". Irgendwie habe ich es dann geschafft, ihn zu beruhigen und ihm klar zu machen, dass hinter dieser Geste gar keine Bedeutung steckt und er das einfach vergessen solle oder es zumindest versuchen.

Fazit: Beziehungs- und Kontaktpflege mit sehr gutem Fingerspitzengefühl ist gefragt und will gelernt sein.

e-fellow Sabine (26) studiert Geografie in Bonn und verbrachte zwei Monate in Südkorea

e-fellow Sabine

2.8.2005

Sich in Südkorea durchzuschlagen sollte kein Problem sein. Da sprechen doch alle Englisch. Falsch! Sobald ich das Flughafengebäude verließ, um zwei Monate lang Land und Leute kennen zu lernen, sprach (fast) niemand mehr eine Sprache, derer ich mächtig war. Ohne ein Wort koreanisch zu können, gelangte ich verwunderlicherweise zu meinem ersten Ziel: einer kleinen Insel. Dort wurde ich quasi-adoptiert von dem netten koreanischen Ehepaar, das meine Unterkunft leitete und mich zur frühherbstlichen Jahreszeit als einzigen Gast beherbergte. Diesem Umstand verdanke ich eine vertraute Beziehung zur koreanischen Küche, den dortigen Essgewohnheiten sowie der Art, wie man im und am Meer an die jeweiligen Zutaten kommt.

Hier hatte ich nun genug Zeit, die Schriftzeichen sowie die wichtigsten Vokabeln zu lernen, denn Kommunikation mit Händen und Füßen ist in einem solch fernen Land, in dem selbst die Gestik eine vollkommen andere ist, einfach nicht erfolgsversprechend. Zurück auf dem Festland war ich nun unter anderem in der Lage, Bushaltestellennamen zu entziffern, zu grüßen, mich zu bedanken und nach Preisen zu fragen, was meinen restlichen Aufenthalt immens erleichterte.

Andere Sitten, das waren in Korea vor allem die unglaubliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, die derart riesig und herzlich ist, dass man ihr zunächst misstrauisch gegenüber steht. Mitten auf der Straße, in der Bank oder in der U-Bahn gab es kleine Geschenke für mich: mal einen Minispiegel für das Handy, ein in Korea alles könnendes Kleinod für Jung und Alt, mal eine Packung Kleenex oder sogar eine gekochte Süßkartoffel. Geschenke spielen auch im Geschäftsleben eine große Rolle. Etwas Kleines sollte man – wie auch jede Menge Visitenkarten – stets dabei haben. Ständig hat jemand Angst, man könne frieren oder jemand zeigt einem dem Weg, indem er einen den ganzen Tag lang begleitet. Man ist wirklich bestens behütet. Wer nun seine Handflächen nicht zeigt, nie mit einem Finger auf etwas deutet, die Essstäbchen nicht kopfüber in den Reis steckt und kräftig beim Essen schmatzt, ist gerne gesehen auf diesem schönen, noch ziemlich unentdeckten Fleckchen Erde.

Claudio (27) studiert Internationale BWL an der Munich Business School und schreibt gerade an seiner Diplomarbeit in Shanghai.

Claudio (27)

Doing business the Chinese way

This is just crazy. I was trying to find Chinese industry figures for my thesis paper for three months now. Impossible to get to statistical yearbooks, as the cheapest edition would have cost about USD 1.500. Definitely too much for a poor student.

While I was conducting some interviews with industry professionals, I had a chat with a Professor of one of Asia's well-known Business Schools. After having had to invite him, his girlfriend and a former colleague of his for dinner, he kindly offered me to borrow his personal statistic yearbook. Here we go, I drove to the university campus, to get the book and now I am confident to be able to fill my thesis paper with up-to-date figures. Although to be honest, gathering and using statistical figures in China is nothing more than a lottery.

22.7.2005

 

 

 

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