Der Buchtipp der Woche

Lesen macht Spaß – aber welche Bücher lohnen sich wirklich? Angesichts der unüberschaubaren Flut von Büchern keine leichte Frage. Deshalb geben ab jetzt Stipendiaten von e-fellows.net die Antwort.

Bisher haben die Mitarbeiter von e-fellows.net in der Rubrik "Vorlesen!" ihre Lieblingsbücher vorgestellt. Weil uns daraufhin viele e-fellows von ihren eigenen Lese-Vorlieben geschrieben haben, kann nun jede Woche ein Stipendiat den anderen
e-fellows von seinem persönlichen Buchfavoriten erzählen.
Viel Spaß beim Lesen!

e-felow Stephanie vor ihrem Bücherregal

Ich bin...
Stephanie Häußler (20)

und studiere...
Physik.

Was ich am liebsten lese...
Fast alles, was in deutscher, englischer oder französischer Sprache verfasst und mir somit verständlich ist. Das fängt bei Sachbüchern an und geht über Thriller und Fantasy- romane bis hin zu klassischer Literatur.

Bücher, die ich nicht mal mit der Kneifzange anfassen würde, sind...
Mein Politiklehrer in der Schule hat einmal gemeint, wir sollten zunächst einmal alles unvoreingenommen lesen und dann hinterher und für die Zukunft entscheiden, was für uns richtig und wichtig ist. Daran versuche ich mich, so gut es geht, zu halten. Um Biographien von Schauspielern, Sängern oder Fußballspielern sowie Bücher mit einschlä- gigen Covern mache ich dann aber trotz aller guten Vorsätze einen weiten Bogen.

Neben Lesen mag ich auch...
Meine Freizeit verbringe ich am liebsten auf dem Pferde- rücken, wo ja auch bekanntlich das Glück dieser Erde liegt. Ansonsten male und zeichne ich sehr gerne und verbringe den einen oder anderen Abend im Kino.

Wann ich in Leselaune bin...
So gut wie immer. Ganz besonders aber an verregneten Nachmittagen in den Ferien. Dann vergrabe ich mich gerne mit einem guten Buch und einer Tasse Kaffee zwischen den Kissen auf meinem Sofa.

Was ihr diesen Winter lesen solltet:

"Ein Held unserer Zeit" von Michail J. Lermontow.

Weshalb?
Der Roman "Ein Held unserer Zeit" ist ein Porträt des Offiziers und Lebemannes Grigori Petschorin, wenn nicht gar einer ganzen Epoche mit ihrer Gefühlskälte, Liebes- und Lebensunfähigkeit. In fünf inhaltlich zusammenhängenden Erzählungen wird das Leben des Helden aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet: nämlich dem eines Freundes, eines Außenstehenden sowie aus innerer Sicht.
Petschorin nimmt das Leben so leicht wie den Tod, er spielt mit der Welt und dem Leben und ist sich dessen vollkommen bewusst. Situationen und Mitmenschen berechnet er eiskalt mit psychoanalytischem Feingespür, ebenso wie sein eigenes Verhalten. So betrachtet er auch seine eigenen Handlungen und Denkweise stets kritisch. Dabei scheut Lermontows Held auch nicht davor zurück, sich selbst als böse zu bezeichnen. Dennoch ist es nicht die Anziehungskraft des Bösen, die den Leser fasziniert, sondern die Verzweiflung Petschorins am Leben, seine Unfähigkeit zu lieben.
Sein Charakter ist durch und durch widersprüchlich. Das gipfelt darin, dass Petschorin leidet, weil er nicht leiden will. Mit seiner Unfähigkeit, wahre Gefühle zum Ausdruck zu bringen, steht er sich selbst im Weg. Dessen ist er sich bewusst, jedoch unfähig, etwas daran zu ändern. Einen Ausweg aus dieser Zwangslage sucht der Held im Spiel. In einem wohlkalkulierten Spiel, bei dem er seine Mitmenschen zu bloßen Marionetten degradiert und mit ihnen rücksichtslos nach seinem Belieben verfährt.
In unserer heutigen vernunftorientierten Gesellschaft ist Petschorins Haltung vielleicht leichter nachvollziehbar denn je - gerade für junge Menschen. So war Lermontow selbst nicht älter als 25 Jahre, als 1840 sein erster und einziger Roman erschien. Nur zwei Jahre später starb er in einem Duell, das er gar nicht hätte ausfechten müssen.

Fazit vom Vorleser der Woche
Das Buch hat mich sehr bewegt und der Charakter des Helden fasziniert. Vielleicht, weil ich mich in gewisser Hinsicht in Petschorin wieder gefunden habe und mir vorstellen kann, dass es anderen Lesern ähnlich geht. Unbedingt lesen - denn Petschorin ist auch "ein Held unserer Zeit".