Der Buchtipp der Woche

Lesen macht Spaß – aber welche Bücher lohnen sich wirklich? Angesichts der unüberschaubaren Flut von Büchern keine leichte Frage. Deshalb geben ab jetzt Stipendiaten von e-fellows.net die Antwort: Jede Woche stellt ein e-fellow sein Lieblingsbuch vor.

Allein im Jahr 2003 erschienen fast 81.000 neue Bücher. Das ist mehr, als ein Mensch in seinem ganzen Leben auch nur annä- hernd lesen könnte. Daher haben bisher die Mitarbeiter von
e-fellows.net in der Rubrik "Vorlesen!" ihre Lieblingsbücher vorgestellt. Weil uns daraufhin viele e-fellows von ihren eigenen Lese-Vorlieben geschrieben haben, kann nun jede Woche ein Stipendiat den anderen e-fellows von seinem persönlichen Buchfavoriten erzählen. Viel Spaß beim Lesen!

e-fellow Hannes

Ich bin...
Hannes Schwinn (27)

und bin...
Doktorand in Rechtswissenschaft.

Was ich am liebsten lese...
Erzählungen, insbesondere amerikanischer Autoren wie Steinbeck, Hemingway, Henry Miller. Bücher, die literarisch und dennoch sehr lesbar sind, wie zum Beispiel die Romane Nabokovs.

Bücher, die ich nicht mal mit der Kneifzange anfassen würde, sind... amerikanische Justizthriller, in denen der Autor seinen Helden von vornherein so darstellt, dass dieser später in der Verfilmung von einem Hollywood-Schönling gespielt werden kann und die Filmrechte viel Geld einbringen.

Neben Lesen mag ich auch...
Klassische Musik, Freunde treffen und Fitnesssport.

Wann ich in Leselaune bin...
Abends vor dem Einschlafen. Im Sommer am Strand. Aber das ist leider jetzt erstmal wieder vorbei.

Was ihr diesen Herbst lesen solltet:

"So zärtlich war Suleyken" von Siegfried Lenz.

Weshalb?
Wie jeder weiß, ist Siegfried Lenz einer der großen deutschen Erzähler. Mein Lieblingserzählband von ihm sind seine Masurischen Geschichten, versammelt in dem Buch "So zärtlich war Suleyken". Lenz erzählt von dem (erfundenen) masurischen Dorf Suleyken und seinen Menschen Alltägliches und Außergewöhnliches. Er tut dies mit viel Humor, hintergründiger Ironie – und macht seiner alten Heimat, Masuren in Ostpreußen, damit zugleich eine Liebeserklärung. Dabei sind die Geschichten zum Glück frei von jeglichem Revanchismus gegenüber Polen oder übertriebener Nostalgie. Seine Sprache hat mich beim Lesen begeistert. Lenz pflegt in "Suleyken" einen mündlichen Erzählstil, mit Ausrufen, bewussten Wiederholungen – und teilweise haarsträubenden Übertreibungen. Seine Dorfbewohner Suleykens sind halsstarrig, manchmal rechthaberisch, gleichzeitig aber auch hintergründig verschmitzt und für den Leser einfach liebenswert.

Fazit zum Buchtipp der Woche
Ein Buch, das viel Spaß macht und sich auch gut zwischendurch lesen lässt. Und dem, der genauso begeistert ist wie ich, sei auch noch Lenz' Erzählband "Der Geist der Mirabelle" empfohlen. Hier hat Siegfried Lenz zwanzig Jahre später stilistisch an "Suleyken" angeknüpft.

 

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