Der Buchtipp der Woche
Lesen macht Spaß – aber welche Bücher lohnen sich wirklich? Angesichts der unüberschaubaren Flut von Büchern keine leichte Frage. Deshalb geben ab jetzt Stipendiaten von e-fellows.net die Antwort: Jede Woche stellt einer von ihnen sein Lieblingsbuch vor.
Allein im Jahr 2003 erschienen fast 81.000 neue Bücher. Das ist mehr, als ein Mensch in seinem ganzen Leben auch nur annä- hernd lesen könnte. Daher haben bisher die Mitarbeiter von
e-fellows.net in der Rubrik "Vorlesen!" ihre Lieblingsbücher vorgestellt. Weil uns daraufhin viele e-fellows von ihren eigenen Lese-Vorlieben geschrieben haben, kann nun jede Woche ein Stipendiat den anderen e-fellows von seinem persönlichen Buchfavoriten erzählen. Viel Spaß beim Lesen!
Ich bin...
Laura Noll (24)
und studiere...
Klassische Philologie und Theologie in Heidelberg.
Was ich am liebsten lese...
Die Tageszeitung - weil sie mir beim Frühstück Gesellschaft leistet. Außerdem schaue ich gerne in Magazine und Zeit- schriften aller Art hinein - auch in die, die man angeblich nur im Wartezimmer liest.
Bei einem Buch kommt es mir weniger auf die Gattung an als darauf, wie es geschrieben ist: Ich mag Kurzgeschichten und Gedichte genauso wie Romane oder auch Thriller, wenn sie gut erzählt sind. Zu den richtig guten Erzählern gehören für mich auch antike Schriftsteller wie Homer oder Ovid.
Bücher, die ich nicht mal mit der Kneifzange anfassen würde, sind...
solche, die versuchen, besonders poetisch zu sein und an ihren eigenen Ansprüchen scheitern. Was meiner Meinung nach ziemlich häufig der Fall ist. Da empfinde ich beim Lesen zuviel Peinlichkeit.
Neben Lesen mag ich auch...
Sport wie Radfahren oder Gymnastik sowie Kochen (und Essen). Außerdem bin ich gerne mit meinen Hunden draußen in der Natur.
Wann ich in Leselaune bin...
Eigentlich fast immer. Ich kann wirklich beinahe überall lesen und die Welt um mich herum völlig ausblenden. Meistens habe ich außer Geldbeutel und Lipgloss auch etwas zu lesen in der Handtasche dabei. Am schönsten ist es aber, gemütlich daheim auf dem Sofa zu lesen, mit einer schönen Tasse Tee und der schnurrenden Katze auf dem Schoß.
Was ihr diesen Herbst lesen solltet:
"Die Wand" von Marlen Haushofer. Für ihren 1963 erschie- nenen Roman erhielt die Autorin aus Österreich den Arthur-Schnitzler-Preis.
Weshalb?
"Die Wand" ist ein Buch, das man kaum wieder beiseite legen kann, wenn man es einmal zur Hand genommen hat. Es ist die Erzählung einer Frau, die während ihres Wochenendaufenthalts im abgelegenen Jagdhaus feststellen muss, dass der gesamte Wald plötzlich von einer unsichtbaren Wand umgeben wird. Die Welt dahinter ist ausgelöscht. Ohne Hoffnung auf Rettung bleibt der namenlosen Protagonistin nichts weiter übrig, als um ihr Überleben und das ihrer Haustiere zu kämpfen.
Dabei schildert Haushofer die Geschehnisse aus dem Blickwinkel der Frau im Stil einer Chronik zwischen Resignation und Überlebenswillen: Sie erzählt in kurzen Sätzen, ohne Schmuck oder Pathos. Doch gerade der distanzierte, kühle Stil erweckt den Eindruck großer Authentizität. Faszinierend ist die scheinbar unendliche Geduld der Protagonistin, die sich weder mit der Ursache ihrer Gefangenschaft noch mit dem Gedanken an Flucht auseinander setzt, sondern sich in ihr Schicksal ergibt.
Fazit zum Buchtipp der Woche
Ein großartiges, melancholisches Buch über Einsamkeit und Verantwortung, das zu dunklen Novemberabenden ganz besonders passt.
