Vorlesen!

Wir können es seit der ersten Klasse. Oder noch früher. Und wir tun es täglich. Ganz nebenbei, in Eile, mit Muße, gerne, ungerne, zur Information oder zum Spaß. Vor allem aber in den Ferien: Lesen.

Die jüngste Studie der Stiftung Lesen zeigt: 31 Prozent der deutschen Bevölkerung interessieren sich für Literatur. Mit dem Interesse alleine ist es aber noch nicht getan. Das gute, spannende, amüsante, herzerweichende, informative - kurzum - das ultimative Buch muss her.

Die Vorleser der Woche
Das kann so schwer nicht sein, haben wir von e-fellows.net uns gesagt. Und für euch "vor-gelesen". In den folgenden Wochen stellen wir dir Mitarbeiter aus allen Teams und ihre persönlichen Lieblingsbücher vor. Und weil Vielfalt erfreut und jeder Mensch individuelle Vorlieben hat, ist unsere Liste bunt gemischt – so wie auch unser Team.

Vorleser der Woche

Thomas Graf

Ich bin Thomas Graf (33)

Und arbeite im Team Content & Projekte.

Was ich am liebsten lese...
Die aktuelle Weltliteraturserie aus dem Süddeutschen Verlag. Außerdem Paul Auster, Milan Kundera und Umberto Eco sowie Kultbücher wie "High Fidelity" oder "Der Würfler".

Bücher, die ich nicht mit der Kneifzange anfassen würde, sind....
...gibt es nicht. Allerdings gehen mir jegliche Karriere-, Tschakka- und Erfolgsratgeber mittlerweile fast noch mehr auf die Nerven als klassische "Ich spüre eine starke Energie in dir"-Esoterikführer.

Neben Lesen mag ich auch...
...Akkorde schlagen, Fußball spielen, Wandern, Reisen, auf gitarrenlastigen Konzerten "Baby we were born to run" mitgrölen und seit einiger Zeit sogar Salsa tanzen (Angus, bitte verzeih mir!).

Wann ich in Leselaune bin...
Sonntag Nachmittags, beim Döner Essen. Auf Parkbänken an der Isar. Auf Reisen, in einem Café in Havanna oder am Strand von Kerala. Ansonsten gerne auch im Zug oder einfach nur im Bett.

Was ihr diesen Sommer lesen solltet...
"Infanta" von Bodo Kirchhoff.

Warum?
Weil "Infanta" einen nach den ersten Seiten nicht mehr loslässt. Und nach der letzten Zeile in Glück und Trauer kathartisch zurücklässt.

Bodo Kirchhoff: Infanta
"Infanta" ist ein Buch über die Liebe. Und damit über Erfüllung und Schmerz, Sehnsucht und Hingabe. Kurt Lukas kommt als Mann ohne Eigenschaften auf die Philippinen. Auf den Laufstegen Roms hat er als Fotomodell gelernt, von seiner Äußerlichkeit zu leben. Wie eine Projektionsfläche erregt er die Neugierde seiner Umgebung, die in ihm mal einen CIA-Agenten, mal eine Journalisten vermutet. Auch der alte Padre McEllis kann sich dieser Wirkung nicht entziehen und nimmt ihn mit auf seine Mission, über die Berge in den kleinen Ort Infanta.

Damit ist der Ausgangspunkt gesetzt. Der Leser folgt Kurt Lukas auf die Mission, die sich wie ein Hort der Tugend, Geistigkeit und Unbeflecktheit von seiner Umgebung abzuheben scheint. Denn Infanta ist schmutzig. Armut und Krankheiten gehören zum Alltag der meisten seiner Bewohner. Aus der "Bude", einem Nachtlokal, dröhnen Nacht für Nacht alte Schlager und künden vom lasterhaften Tun der Gäste. Die Straßen gehören einem korrupten Polizeihauptmann, dessen Jeep-Sirene die verzerrte Fledermaus-Ouvertüre von Johann Strauß ausspuckt. Und ständig droht die Rückkehr des geflüchteten Ex-Diktators.

Anders auf der Mission. Fünf alte Padres empfangen den Gast aus Deutschland und betütteln und beargwöhnen ihn gleichermaßen. Father McEllis und Father Butterworth bringen nachts ihre Beobachtungen auf Papier - die anderen, Pacquin, Dalla Rosa und Horgan schreiben direkt in ihre Phantasie. Eine Phantasie, die die Padres nicht leben können. Denn Kurt Lukas und die Alten sind nicht allein auf der Mission. Seit ihrer Kindheit kommt täglich das einheimische Mädchen Mayla ins Haus und kümmert sich um Haus und Speise. Mayla und Lukas zusammenbringen und das beobachten, was man nur im Geiste leben kann - ein gefährlicher Reiz für die Alten, und Kurt Lukas geht in die Falle.

Fazit vom Vorleser der Woche

Infanta

"Infanta" ist ein sinnliches Buch - "Die Menschen hingen wie Trauben an den Lastwägen", schreibt Bodo Kirchhoff einmal über die Feldarbeiter auf dem Weg zur Arbeit. Wer "Infanta" liest, legt es nicht mehr weg. Die Liebe zwischen Kurt Lukas und Mayla, eingefädelt und beobachtet von fünf alten Padres, im Spannungsfeld der politischen Unruhen auf den Philippinen - zieht den Leser immer tiefer in die Handlung. Und zu sich selbst.