Vorlesen!

Wir können es seit der ersten Klasse. Oder noch früher. Und wir tun es täglich. Ganz nebenbei, in Eile, mit Muße, gerne, ungerne, zur Information oder zum Spaß. Vor allem aber in den Ferien: Lesen.

Die jüngste Studie der Stiftung Lesen zeigt: 31 Prozent der deutschen Bevölkerung interessieren sich für Literatur. Mit dem Interesse alleine ist es aber noch nicht getan. Das gute, spannende, amüsante, herzerweichende, informative - kurzum - das ultimative Buch muss her.

Die Vorleser der Woche
Das kann so schwer nicht sein, haben wir von e-fellows.net uns gesagt. Und für euch "vor-gelesen". Im Sommer 2004 stellen wir dir Mitarbeiter aus allen Teams und ihre persönlichen Lieblingsbücher vor. Und weil Vielfalt erfreut und jeder Mensch individuelle Vorlieben hat, ist unsere Liste bunt gemischt – so wie auch unser Team.

Vorleser der Woche

über uns 1c Margret77x100

Ich bin Margret Steinle (38)

und arbeite im Team Marketing & Stipendiatenbetreuung.

Was ich am liebsten lese...
Fast alles, was mir zwischen die Finger kommt –
gute Romane (zuletzt Fontanes "Stechlin" und Jonathan Franzen), Geschichtsbücher und Biografien (zum Beispiel "Frau Thomas Mann"), "brand eins" und ohne meine Tageszeitung komme ich morgens gar nicht in die Gänge.

Bücher, die ich nicht mit der Kneifzange anfassen würde, sind....
Bücher, bei denen ich jeden Satz zehnmal lese, um ihn zu verstehen (Habermas lässt grüßen) sind genauso wenig brauchbar für mich wie platte Zeitgeistbücher, die außer einem reißerischen Titel nur Platitüden liefern. Von so genannten "Promi"-Biografien ganz zu schweigen.

Neben Lesen mag ich auch... Reden.

Wann ich in Leselaune bin...
Auf meinem Deck Chair am Balkon mit einem Campari Orange an der Seite.

Was ihr diesen Sommer lesen solltet...
"Stolz und Vorurteil" von Jane Austen aus dem Jahr 1813.

Warum?

"It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune, must be in want of a wife."
Der Satz stammt nicht von Jenny Elvers, sondern ist einer der berühmtesten ersten Sätze der englischen Literatur. Von wegen vermuffter Klassiker oder - noch schlimmer – Kostümschmonzette. "Stolz und Vorurteil" ist eines der wenigen Bücher, denen man die 200 Jahre überhaupt nicht anmerkt. Ein Meilenstein der englischen Literatur, was Sprache und Sujet betrifft. Auch wenn die gesellschaftlichen Konventionen heute natürlich andere sind, bleibt das Kernthema aktuell: Beziehungen, Liebe und alles, was das menschliche Zusammenleben ausmacht. Die Geschichte handelt von einer Familie mit fünf Töchtern, die ihren Platz im Leben in England um 1800 finden müssen. Das heißt: eine gute Partie machen. Dabei spielen gesellschaftliche Schranken, nervige Verwandte, Klein- und Großstadtklatsch und wie der Titel natürlich sagt – zuviel Stolz und zu viele Vorurteile - eine wichtige Rolle. Mit feinsinniger Beobachtungsgabe nimmt Jane Austen menschliche Schwächen und Torheiten aufs Korn, bietet Ironie und süffisante Kommentare zuhauf. Dazu kommen perfekt geschriebene Szenen und geschliffene Dialoge, die einen lebhaft an die Gelegenheiten erinnert, bei denen man bei peinlichen Verwandtenkommentaren am liebsten in Grund und Boden versunken wäre. Und weil fast alle Männer bei Jane Austen die Augen rollen, hier gleich die geschlechterspezifische Empfehlung:

Nur für Mädchen:
Wer "Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück" gelesen oder gesehen hat - Stolz und Vorurteil ist das (zum Teil wortwörtliche) Vorbild und noch dazu zehnmal besser.

Nur für Jungs:
Endlich mal verstehen, warum man bei Liebeserklärungen das sagen soll, was Frauen hören wollen und nicht das, was man(n) denkt.

Fazit vom Vorleser der Woche:
"Stolz und Vorurteil" ist genau das richtige für eine amüsante, leichte – aber nicht leichtgewichtige – Sommerlektüre. Und bietet natürlich, wie jede gute Sommergeschichte, ein Happy End, das nicht kitschig, sondern angenehm nüchtern ist.

 

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