Studienplatz: Bewerbungsverfahren
Grundvoraussetzungen für die Einschreibung an einer französischen Hochschule sind eine entsprechende Studienberechtigung (baccalauréat/Abitur), ausreichende Sprachkenntnisse und die strikte Einhaltung aller Fristen. Da sind die Franzosen sehr penibel. Allgemein gültige Regelungen existieren nicht. In Frankreich gibt es keine ZVS. Die Hochschulen entscheiden selbst über die Vergabe von Studienplätzen. Daher solltest du die Termine direkt an der jeweiligen Hochschule erfragen.
Idealer Zeitpunkt
Für ein Auslandsjahr sind die Studienjahre der Licence und der Maîtrise die beste Zeit. Hier gibt es kaum Probleme bei der Anerkennung von Studienleistungen. Die Anforderungen in Klausuren und Hausarbeiten lassen sich mit dem deutschen Hauptstudium vergleichen. Viele Austauschprogramme richten sich an Studierende mit abgeschlossenem Grundstudium. Sie sollen einige Zeit in Frankreich verbringen, bevor sie in Deutschland ihr Studium abschließen.
Grundstudium
Deine Bitte um Voreinschreibung (demande d'admission préalable) richtest du direkt an die Hochschulen, an denen du studieren möchtest. Die Bewerbungsprodezur beginnt allerdings schon in Deutschland. Sie untergliedert sich in mehrere Abschnitte, für die genaue Fristen einzuhalten sind:
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Von Nicht-EU-Bürgern muss bis 15. Januar ein Formular bei der Wunschhochschule oder einem französischen Konsulat beantragt werden. Die Adressen der diplomatischen Vertretungen Frankreichs in Deutschland erfährst du auf der Site der Französischen Botschaft in Berlin (siehe Tippkasten). EU-Studenten können
sich seit 2001 direkt bei den französischen Universitäten bewerben. - Das Formular schickst du bis zum 1. Februar ausgefüllt zurück. Danach legst du einen Sprachtest in der Regel beim lokalen Institut Français ab.
- Dessen Resultat reichst du zusammen mit der eigentlichen Bewerbung bis 15. März bei der Wunschuni ein.
- Diese entscheidet bis zum 31. Mai über die Bewerbung und leitet sie bei einer Ablehnung an deine zweite Wunschhochschule weiter.
- Spätestens am 31. Juli hälst du die ersehnte Zusage oder auch die Ablehnung in der Hand.
Hauptstudium
Willst du an einer französischen Universität in das Hauptstudium einsteigen, solltest du das Vordiplom oder die Zwischenprüfung abgelegt haben. In der Regel lässt dich die Uni dann zur Licence zu. Für die Zulassung zur Maîtrise solltest du zwei Hauptseminare in dem entsprechenden Fach besucht haben. Die Anerkennung deiner Studienleistungen liegt bei den einzelnen Hochschulen. Vor der Bewerbung brauchst du von der französischen Hochschule deiner Wahl das Formular zur Anerkennung bisheriger Studienleistungen (dossier de demande d'équivalence/dossier de demande de reconnaissance des acquis). Ausgefüllt schickst du es zusammen mit den Scheinen, deren Übersetzung und einem Motivationsschreiben an die Hochschule zurück.
Postgraduiertenstudium
- DEA: Für das Diplôme d'Etudes Approfondies (DEA) bewirbst du dich direkt bei der Universität deiner Wahl. Ebenfalls bei den Unis können Deutsche einen Antrag auf Befreiung vom DEA stellen. Voraussetzung: Du musst nachweisen, dass du schon wissenschaftlich gearbeitet hast.
- DESS: Diplômes d'Etudes Supérieures Spécialisées bieten sowohl Unis als auch 'grandes écoles' an. Bei diesen Institutionen kannst du dich direkt bewerben. Sie wählen dich aufgrund der Bewerbungsunterlagen und/oder in einem Gespräch aus. Beachte: Diese Studiengänge sind praxisorientiert. Hebe also in deiner Bewerbung Praktika oder Berufserfahrungen hervor.
- Mastère spécialisé: Zugang erhälst du nach 5 Studienjahren. Du musst also schon Haupt- und Aufbaustudium an der Uni oder das Studium an einer 'école supérieure' absolviert haben.
- Promotion: Für einen Promotionsplatz bewirbst du dich direkt an der Hochschule oder Forschungseinrichtung deiner Wahl. Persönliche Kontakte und fachliche Gemeinsamkeiten mit einem dort Lehrenden sind hilfreich. Auch die Empfehlung eines deutschen Professors leichtert dir die Bewerbung.
Gut informieren über Zugang zu neuen Studiengängen
Wenn du in Deutschland in einem traditionellen Magister- oder Diplomstudiengang studierst und in Frankreich in einem der neuen "licence en 3 ans"- oder Master-Studiengänge (entsprechend dem Bachelor-Master-Modell) studieren möchtest, solltest du dich vorher besonders gut bei deiner Wunschhochschule erkundigen, was sie von deinen deutschen Leistungen anerkennt. In der Regel dürfte die deutsche Zwischenprüfung als vollendetes zweites Jahr der licence (licence 2) anerkannt werden und Magister oder Diplom als bestandenes erstes Jahr eines Masters (master 1). Wenn du bereits in Deutschland auf Bachelor studierst, bietet sich auch ein kompletter Master in Frankreich an. Auch hier solltest du bei deiner Wunschhochschule die Frage nach der Anerkennung deines Abschlusses frühzeitig klären.
Grandes Ecoles
Nach einem strengen Verfahren wählen die Grandes Ecoles ihre Studienbewerber aus. Der Auswahlprozedur amerikanischer Elitehochschulen kommt es sehr ähnlich. Anspruchsvolle Prüfungen erwarten dich. Du reichst ein umfangreiches Dossier ein und/oder durchläufst einen Eingangstest: den berühmten "concours d'entrée". Viele französische Bewerber bereiten sich in zweijährigen "classes préparatoires" auf den "concours" vor. Meist in Gymnasien untergebracht, nehmen diese Vorbereitungsklassen nur Abiturienten auf, deren Schulleistungen sie für den harten Drill qualifizieren. Weitere Informationen zum Aufnahmeverfahren bei den Grandes Ecole gibt es bei www.frankreich-forum.de/ausbildung/grande_ecole.
Concours d'entrée - kein Zuckerschlecken
Für deutsche Abiturienten ist der Zugang zu den "classes préparatoires" wegen der hohen Sprachanforderungen schwierig und zeitaufwändig. Den Einstieg in eine Grande Ecole über den "concours" ermöglicht aber auch ein abgeschlossenes Grundstudium oder ein Zwischenabschluss. Am einfachsten kommst du in eine Grande Ecole über ein Austauschprogramm der eigenen Heimathochschule oder ein Stipendium. Der DAAD bietet zum Beispiel Stipendien für die französische Verwaltungshochschule ENA (Ecole Nationale d'Administration) an. Bewerben können sich Juristen, Wirtschaftswissenschaftler oder Politologen mit abgeschlossenem Hochschulstudium.
Austauschprogramme und integrierte Studiengänge
Ein Schlupfloch bieten deutsche Hochschulen mit guten Austauschprogrammen. Noch besser entscheidest du dich schon zu Beginn des Studiums für einen integrierten Studiengang. Konkret heißt das: Es werden zwei Abschlüsse gemacht, der deutsche und der französische. Die Studiendauer verlängert sich nur unwesentlich. Entsprechend hoch sind die Lernanforderungen. Es ist also keinesfalls der bequeme Weg. Die Studiengebühren entfallen oder sind deutlich günstiger.
Alternativer Zugang
Eine besondere Zulassungsmöglichkeit bietet sich für Interessenten an den wirtchaftswissenschaftlichen écoles supérieures HEC Paris, ESCP-EAP Paris, EM Lyon und CERAM Sophia-Antipolis Nizza. Die vier Hochschulen betreiben zusammen mit der Handelskammer Paris ein Zulassungszentrum (Service des Admissions Internationales) für ausländische Bewerber ihrer Masterstudiengänge. Voraussetzung für dieses Verfahren sind zwei bis drei Jahre Studium an einer ausländischen Hochschule. Die Bewerbung besteht aus einem Dossier, GMAT (bzw TAGE-MAGE) und einem 30-minütigen Interview im einem der 50 Testzentren weltweit. Alle Bewerbungsteile können sowohl auf französisch als auch auf englisch eingereicht und abgelegt werden. Die Einschreibung erfolgt über die Webseiten der jeweiligen Schule. Weitere Informationen zur Zulassung gibt es unter www.sai.ccip.fr.
