e-fellows Blog

Geistes- und Sozialwissenschaftler versus Wirtschaft? Seit dem Jahr 2000 richtet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in seiner Initiative "Wissenschaft im Dialog" Wissenschaftsjahre aus. 2007 ist das Jahr der Geisteswissenschaften. Darum fragen wir provozierend: Wozu brauchen wir die Geisteswissenschaften überhaupt noch? Wie steht es um die Berufsaussichten für Geisteswissenschaftler? Wie verbindet man Geist und Wirtschaft?

e-fellow Frank (29) studierte Politikwissenschaft in Frankfurt/Main und betreibt das Business-Weblog "UnternehmensGeist.net" für Geistes- und Sozialwissenschaftler in der freien Wirtschaft.

e-fellow Frank (28)

27.10.2006

Schlüsselqualifikationen
Was sind Schlüsselqualifikationen? Über wie viele davon verfüge ich eigentlich? Kann ich sie durch Training ausbauen? Solche oder ähnliche Fragen quälen besonders Absolventen exotischer Studiengänge, die sich für eine Stelle qualifizieren wollen. Doch was sind überhaupt "Schlüsselqualifikationen"? Die Financial Times Deutschland hat in ihrer Serie "Business Wissen" den Begriff unter vier Oberkategorien gepackt:

  • Kognitive Kompetenzen umfassen das Denken in Zusammenhängen, die Fähigkeit zu logischem, abstraktem und konzeptuellem Denken, Transferfähigkeit oder Problemlösungsfähigkeit.
  • Kommunikative Kompetenzen sind die schriftliche und mündliche Ausdrucksfähigkeit, Beherrschung von Präsentationstechniken, Diskussionsfähigkeit, partnerorientierte Kommunikation.
  • Soziale Kompetenzen beinhalten Konflikt- und Kritikfähigkeit, Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Durchsetzungsvermögen, Führungsqualitäten oder Kundenorientierung.
  • Selbstkompetenz umfasst Selbständigkeit, Flexibilität, Kreativität, Initiative, geistige Offenheit und Mobilität, Ausdauer, Verantwortungsbereitschaft, Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Umgehen mit Unwägbarkeiten, demokratische Grundhaltung oder ethisches Urteilsvermögen.
  • Allgemeines Basiswissen umfasst eine fundierte Allgemeinbildung, EDV-Kenntnisse, Fremdsprachen, interkulturelles Wissen, wirtschaftliches und juristisches Grundwissen, Arbeitswelterfahrungen, Lern- und Arbeitstechniken.

Mein Eindruck: Bei dem Gros der Kompetenzen können die meisten "Exoten" einen Haken machen. Fazit: Um uns wirtschaftsnahe Geistes- und Sozialwissenschaftler ist es mit Blick auf die Liste ja gar nicht so schlecht bestellt. Oder doch? Was denkst du? Schreibe deine Ideen, Eindrücke oder Kritik an
weblog@e-fellows.net oder auf (UnternehmensGeist.net).

e-fellow Frank (28) unterhält das Weblog "UnternehmensGeist" für Geistes- und Sozialwissenschaftler in der freien Wirtschaft.

e-fellow Frank (28)

29.3.2006

Neulich in einer großen Frankfurter Buchhandlung stolperte ich über ein Buch, das mir im wahrsten Sinn des Wortes zu denken gab. Der Soziologie-Professor Holger Rust vertritt in seinem Buch "Die sanften Managementrebellen - Wie der Nachwuchs die Chefetagen aufmischen will" die These, es gäbe ein neues "essayistisches" Mentalitätsmilieu, das sich stark von den formalistischen und egoistischen Karrieremustern der derzeitigen Elite unterscheiden würde. Die neue Art der "Essayisten" zeichne sich vor allem durch ihr interdisziplinäres und kommunikatives Weltbild aus. Sie hätten dabei durchaus das Potenzial, in den nächsten Jahren zu einer Revolution im Management beizutragen.

Ihren Ursprung hat diese Entwicklung in einem kleinen Kreis von Pariser Wirtschaftsstudenten. Sie wandten sich im Juni 2000 gegen die mathematisch und neoklassisch dominierten Wirtschaftswissenschaften und forderten die Einbeziehung neuerer ökonomischer Theorien. Seitdem sind mehr als fünf Jahre vergangen und die "neue Denke" hat ihre Anhänger unter anderem in Harvard (USA), Cambridge (UK) aber auch in Deutschland gefunden. Der deutsche Zweig des "Post-Autistic Economics Network" hat ein ansehnliches Eigenleben entwickelt, auch mit deutschlandweiten Treffen. Als Dachverband fungiert das internationale Netzwerk unter www.peacon.net. Wer Gefallen an dieser studentischen Wirtschaftsbewegung gefunden hat, kann sich mit dem Buch "A Guide to What's Wrong with Economics" versorgen.

Bleibt die Frage: Haben wir es hier mit einer Bewegung zu tun, die nach den 68'ern der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft ihren Stempel aufdrücken wird? Ich meine Ja. Da die "Essayisten" und "Post-Autisten" aber ein äußerst heterogenes und immer noch karrierebewusstes Milieu darstellen, wird sich der Wandel langsamer und unauffälliger vollziehen als es bei den 68'ern der Fall war. Habt ihr Lust über diese Entwicklung zu diskutieren? Auf eure Meinungen dazu würde ich mich freuen. Weiter geht es bei UnternehmensGeist.net.

Beiträge für das e-fellows Blog an weblog@firm.e-fellows.net

e-fellow Frank (28) unterhält das Weblog "UnternehmensGeist" für Geistes- und Sozialwissenschaftler in der freien Wirtschaft.

e-fellow Frank (28)

2.2.2006

Wir alle beobachten diese Entwicklung seit Jahren: Da wo die staatlichen Hochschulen aufgrund Personal- und Geldmangels ihre Serviceleistungen zurückfahren, nehmen private Anbieter ihren Platz ein. Die neueste Beratungsleistung, die gut gestellte oder langfristig denkende Studenten auf diese Weise nutzen können, ist das Karriere- oder auch Studiencoaching. Das Spektrum reicht von standardisierten Stärke-Schwäche-Analysen, zum Beispiel vom geva Institut bis hin zur Einzelstunde mit dem eigenen Coach. Zwar hatte ich von bereits von Coachs gelesen, die Eltern bei der Wahl des richtigen Internats oder Privatschule und Führungskräfte auf dem Weg ins Top-Management beraten; auf die Idee, dass es das auch für Studenten geben müsste, kam ich allerdings nicht. Welche Tagessätze und welches Stundenhonorar verlangt man überhaupt bei einem Menschen, der aller Erfahrung nach sein gesamtes Geld fürs Studium und das restliche Leben benötigt? Regelt das der zweite KfW-Kredit neben den Studiengebühren?

Nicht, dass der falsche Eindruck entsteht, ich würde es Studenten nicht gönnen, die eine derartige Beratung in Anspruch nehmen können. Einen Coach, besser noch Mentor, sein Eigen nennen zu dürfen, ist genauso wertvoll das Gespräch mit Freunden - es erleichtert das Leben ungemein. Ich frage mich nur, warum es mit unserem staatlichen Hochschulsystem soweit kommen muss, dass mit dem Stillstand an deutschen Universitäten noch Geld verdient wird.

Die Schuld daran trifft sicher nicht die Berater. Im Gegenteil, sie springen wenigstens in die Bresche, wo sonst niemand hilft. Aber ein Mindestmaß an Beratung von Hochschulseite sollte jeder Student erhalten können - möglichst über die einschlägigen veralteten Arbeitsamtbroschüren hinaus. Wer es sich dennoch leisten kann, auf bezahlte Hilfe zurückzugreifen, der sei darum beneidet!

Wie denkt ihr darüber? Auf UnternehmensGeist.net geht es weiter.

Hast du Erfahrungen mit Karriere-Coaching gemacht? Dann erzähle den e-fellows davon:
weblog@firm.e-fellows.net

e-fellow Frank (28) schreibt in seinem Weblog "UnternehmensGeist" über Geistes- und Sozialwissenschaftler (GSWler) in der freien Wirtschaft.

e-fellow Frank (28)

3.1.2006

Seit einiger Zeit bin ich dazu übergegangen, auf UnternehmensGeist.net kontroversere Themen anzuschneiden. So ist es manchmal wirklich erstaunlich, wie kreativ und fleißig sonst gemächliche Studenten werden können. Zu wahrer Höchstform laufen sie auf, wenn es darum geht, Gefahren für sich und die Allgemeinheit abzuwehren. Sie kämpfen leidenschaftlich gegen die Atomkraft, gegen die Gentechnik, gegen den Irak-Krieg und auch gegen den Studentenfeind Nr. 1 - die Studiengebühren! Ihr Anliegen wird mit einem Eifer und einer Energie vorangetragen, als befinde man sich mitten im Kulturkampf. Das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren versammelt unter ihrem Namen nahezu 100 gleich gesinnte Organisationen. Der Sympathisant (Marke: dagegen) kann darüber hinaus Broschüren, Plakate und Postkarten über eine Bestellmaske ordern, um sich werbewirksam im Meinungskampf durchzusetzen!

Hier sind meine Fragen: Warum bildet sich keine studentische Initiative für Studiengebühren? Müssen wir Probleme, Herausforderungen und ähnliches immerfort negativ definieren, statt sie positiv anzugehen, frei nach dem Motto: Hauptsache dagegen? Nicht, dass ich ein ultra-liberaler Vertreter hoher, unsozialer Studiengebühren wäre. Aber ein offen zutage tretender Geldmangel gepaart mit dem Anspruch auf akademische Spitzenforschung und -lehre wirft Fragen auf, die es zu beantworten gilt. Und das geht nicht mit einem "Ich-will-von-allem-am-meisten-und-das-umsonst!".

Gerade bei den Geistes- und Sozialwissenschaften hat sich hier eine gewisse Apathie breit gemacht. Angesichts des Unvermeidbaren will man es zumindest nicht verpasst haben, DAGEGEN gewesen zu sein. Sollen doch die Professoren um ihre von leeren öffentlichen Kassen bedrohten Institute und Fachbereiche kämpfen, wir sind im Namen einer gerechten Sache unterwegs! Das klingt eher nach Spaßgesellschaft als nach verantwortungsbewusster "Generation Reform".

Wie ist denn eure Meinung als e-fellows dazu?

e-fellow Frank (28) schreibt in seinem Weblog "UnternehmensGeist" über Geistes- und Sozialwissenschaftler (GSWler) in der freien Wirtschaft.

e-fellow Frank (28)

7.11.2005

Es erleichtert die Arbeit am eigenen Weblog ungemein, wenn man weiß, woher die Leser kommen und wie oft sie welche Artikel nachfragen. Dabei fiel mir auf, dass ein beträchtlicher Teil der Aufrufe auf e-fellows.net zurück zu führen war. Danke deshalb allen e-fellows, die den Weg auf meine Homepage gewagt haben. Falls ihr glaubt, etwas verpasst zu haben, könnt ihr euch auf UnternehmensGeist.net für den monatlichen Newsletter eintragen. Für Neuankömmlinge wird er auch nachgeliefert. Wer etwas fitter im Umgang mit dem Web 2.0 ist, kann mit einem RSS-Feeder bei mir auf dem neuesten Stand bleiben.

Die Bandbreite der Themen ist mit der Zeit doch sehr gewachsen und umspannt alle Bereiche der Wirtschaft, wo die Kommentatoren und ich Anknüpfungspunkte für Geistes- und Sozialwissenschaftler (GSWler) sehen. Ihr würdet überrascht sein, wie viele sich da auftun. Da es kein anderes mir bekanntes Diskussionsforum zu dem Thema gibt, gehen die neuen Themen nie aus.

Aber auch relativ altbackene Themen wie das Verhältnis zwischen Unternehmenskommunikation und Geisteswissenschaftlern bringen in den Kommentaren noch viel Neues zu Tage. Grenzen sind dem Knowledge-Weblog eigentlich nur durch die begrenzte Zeit gesetzt, die ich für das regelmäßige Schreiben aufbringen kann.

Das Fatale an einem Weblog, das man zum Laufen gebracht hat, ist der immer größer werdende Zeitaufwand, den es zu investieren gilt. Das ist generell nichts Schlechtes – eher Erfreuliches – aber in der Examenszeit ist doch die Versuchung, mal eben schnell auf einen Kommentar zu antworten oder einen neuen Beitrag zu schreiben, sehr groß. Mitstreiter, kreative Köpfe, Vermarkter, Schreiber rennen bei mir daher stets eine offene Tür ein. Ganz wichtig: Das Angebot richtet sich nicht exklusiv an Geisteswissenschaftler. Es sind alle Fachrichtungen herzlich willkommen!

www.UnternehmensGeist.net

e-fellow Frank (28) schreibt in seinem Weblog "UnternehmensGeist" über Geistes- und Sozialwissenschaftler (GSWler) in der freien Wirtschaft.

e-fellow Frank (28)

17.10.2005

In der so genannten "Blogosphäre" ist man sich bei aller Euphorie über eine Sache einig: Die Techniken und Begriffe des Bloggens sind den meisten Internet-Benutzern noch völlig fremd. RSS, Trackback oder Permalink sagen nur einer kleinen eingeschworenen Gemeinde etwas. Um das zu ändern habe ich auf meinem Knowledge-Weblog einen Newsletter-Service eingerichtet. Ich möchte einen monatlichen Überblick über neue Beiträge und Projekte liefern und so die Hemmungen für Neueinsteiger der Blogger-Szene abbauen. Der Artikel heißt "UnternehmensGeist als Newsletter".

Um das Angebot von UnternehmensGeist.net besser auf die Nutzer abzustimmen, kann ich seit letztem Monat eine Zugriffsstatistik nutzen. Es ist schon interessant zu sehen, welche Beiträge mehr und welche weniger aufgerufen werden. Spitzenreiter ist im Moment der Beitrag "Wertloser MBA?" Das mag sicherlich auch an dem provozierenden Titel liegen. Ob nun die von mir anvisierte Zielgruppe vorbeischaut, kann ich damit zwar immer noch nicht sehen, aber immerhin weiß ich Genaueres über die Besucherzahlen. Jeder weiterer Schritt wird damit auf eine solidere Basis gestellt und hilft, das Projekt UnternehmensGeist.net langsam aber stetig auszubauen.

Rückfragen an frankwalzel@gmx.de.

e-fellow Frank (28) schreibt in seinem Weblog "UnternehmensGeist" über Geistes- und Sozialwissenschaftler (GSWler) in der freien Wirtschaft.

e-fellow Frank (28)

5.10.2005

Einer der wichtigsten Gründe, sich mit Weblogs verstärkt auseinander zu setzen, ist die einfache Art, aktuelle Informationen mit geringem Aufwand und auf sein Interessengebiet zugeschnitten zu erhalten. Während bei klassischen Webseiten wurfpostartige Newsletter Interessierte auf dem neuesten Stand halten, ist dies dem User von Weblogs selbst überlassen von welcher Information er Gebrauch macht.

Die Zauberformel des "Web 2.0" lautet RSS ("Really Simple Syndication"). Hierbei handelt es sich um eine Software, die ähnlich einem E-Mail-Programm die neuesten Beiträge auf den Rechner lädt. Das lästige Durchklicken interessanter Seiten auf der Suche nach Neuigkeiten entfällt. Wie man an die kostenlose Software kommt und wie man die Programme "füttert" (daher heißen sie auch oft Feeds) habe ich in dem Artikel Newsletter? RSS! auf UnternehmensGeist.net beschrieben.

Die Installation und Bedienung sind wirklich sehr einfach. Nebenbei ist RSS auch ein prima Einstieg in die Welt der Blogger. Und das Gute daran ist, ihr müsst nicht gleich ein eigenes, zeitaufwändiges Weblog auf die Beine stellen. Alles fängt klein an, etwa mit Kommentaren oder kurzen Beiträgen, und kann – muss aber nicht – in einem persönlichen Weblog enden. Ihr werdet auf jeden Fall überrascht sein, welchen interessanten Informationsmix ihr euch damit zusammenstellen könnt! Fragen beantworte ich gerne unter frankwalzel@gmx.de.

e-fellow Frank (28) schreibt in seinem Weblog "UnternehmensGeist" über Geistes- und Sozialwissenschaftler (GSWler) in der freien Wirtschaft.

e-fellow Frank (28)

23.9.2005

"Von nichts kommt nichts", dachte ich mir und ging bei meinem Knowledge-Weblog (K-Log) den nächsten Schritt. Da Menschen sich nun mal möglichst wenig merken wollen, habe ich die URL meines Knowledge-Weblogs auf www.unternehmensgeist.net zurechtgestutzt. Die Idee dahinter liegt auf der Hand: Der viel beschäftigte Geistes- und Sozialwissenschaftler, aber nicht nur der, liebt es kurz und knackig. Zusätze, Zweideutigkeiten und Boden- oder Schrägstriche lassen den Lernwillen genauso schnell sinken wie das Wort Donaudampfschifffahrts- gesellschaftskapitän. Solltet ihr als neugierige e-fellows am Projekt UnternehmensGeist interessiert sein, so wie Eva Maria mit ihrem Beitrag, habt ihr nun einen noch schnelleren Zugriff auf die Seite.

In der letzten Woche schickte ich die neue URL als Tipp an Jobbörsen weiter. Feedbacks stehen noch aus, aber schon jetzt bin ich auf die Reaktionen gespannt. Unsere Generation weiß noch nicht so gut, worum es sich bei Weblogs handelt. Deshalb würde es mich nicht allzu sehr verwundern, wenn Arbeitgeber mein Weblog als kleines nettes Gimmick belächeln. Aber wenn man erst wartet, bis Weblogs zum alltäglichen Medium geworden sind, geht der Vorsprung, mit den Ersten am Start gewesen zu sein, flöten.

Deshalb scheint es für Geistes- und Sozialwissenschaftler viel sicherer, eine klassische Homepage zusammenzubasteln. Was würde der Arbeitgeber aber Neues erfahren, was er nicht schon in den Bewerbungsunterlagen auf teurem Papier auch sehen könnte? Ich würde mich freuen, eure Meinungen im Anschluss an den Artikel Blog vs. private Homepage zu hören.

Ihr wollt euch nicht mit Kommentieren zufrieden geben? Dann werdet aktiv und schreibt mir eine E-Mail an frankwalzel@gmx.de.

e-fellow Frank (28) schreibt in seinem Weblog "UnternehmensGeist" über Geistes- und Sozialwissenschaftler (GSWler) in der freien Wirtschaft.

e-fellow Frank (28)

20.9.2005

Seit diesem Frühjahr mache ich mir über meine berufliche Zukunft keine Gedanken mehr. Das hört sich im ersten Moment wie ein schlechter, überheblicher Scherz an, ist es aber nicht, wenn ich euch erkläre, wie ich diesen Satz verstehe.

Im April traf ich mich mit einer Headhunterin für Führungskräfte in einem Frankfurter Café, um sie eine knappe Stunde lang nach den Chancen für Geistes- und Sozialwissenschaftler in der Wirtschaft zu fragen. Leider traf sie sich nicht mit mir in der Absicht, mir einen Job zu verschaffen, sondern um sich meine Leidensgeschichte anzuhören und Verbesserungsvorschläge zu liefern. Das Gefühl, das sie mir dabei vermittelte, gab mir dann in der Tat das nötige Selbstbewusstsein, den Quereinstieg in Angriff zu nehmen.

Die konkreten Ratschläge, die sie mir gab, bestätigten meine Vermutung. GSWler haben gute Chancen, ihren fachfremden Malus abzustreifen und mit BWLern gleichzuziehen. Das Zauberwort von ihr lautete: Executive-MBA. Danach würde sich niemand mehr ernsthaft für das "weiche" Erststudium interessieren. Um den Berufseinstieg vorzubereiten, empfahl sie mir, wie erwartet, Intensivkurse in BWL und die Mitarbeit in branchenspezifischen Projektgruppen. Des Weiteren meinte sie, dass angelsächsische Unternehmen in Deutschland bevorzugt GSWler einstellen würden, da sie das so von ihrer "Home Base" gewohnt seien. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass Großbritannien, in den USA und anderen anglofonen Ländern auch fachfremde Absolventen wie selbstverständlich in die Wirtschaft wechseln. Eine Einstellungspraxis, die in Deutschland wahrscheinlich noch ein wenig auf sich warten lassen wird. Mir sind aber derartige Arten der Rekrutierung von angelsächsischen Unternehmen in Deutschland nicht bekannt. Wer sich zu dem Thema äußern will, ist herzlich dazu eingeladen, den Artikel "Angelsächsische Unternehmen als Geheimtipp?" bei UnternehmensGeist zu kommentieren oder auch neue eigene Beiträge anzulegen. Ich freue mich auf eure Ideen.


Wenn ihr euch an dem Knowledge-Weblog beteiligen wollt, schreibt mir doch einfach eine E-Mail an frankwalzel@gmx.de.

e-fellow Eva Maria (20) studiert Politikwissenschaft und empfiehlt ein Nebenfach an der Uni Münster.

e-fellow Eva Maria (20)

15.9.2005

Gerade in Zeiten der steigenden Arbeitslosigkeit unter Geistes- und Sozialwissenschaftlern (GSW) finde ich dieses Weblog ein gutes Forum, um sich über mögliche Berufschancen in der Wirtschaft Gedanken zu machen und aufzuklären. Ein großes Lob, Frank!

Neben den von dir erwähnten Praxisinitiativen an Hochschulen für GSW, die sich in der Wirtschaft Qualifikationen erwerben wollen, gibt es
mittlerweile an der Universität Münster ein Nebenfach für Magisterstudenten: Wirtschaftspolitik. In diesem Fach wird im Grundstudium Basiswissen in VWL und BWL vermittelt. Im Hauptstudium wird das wirtschaftswissenschaftliche Wissen um die politische Seite in dem Wort Wirtschaftspolitik ausgebaut. Ich denke, solche Angebote sollte es an mehreren Universitäten geben, obwohl man damit natürlich nicht die gleiche Qualifikation wie ein BWLer oder VWLer erwerben kann.

Zudem kann ich bestätigen, dass in der Unternehmenskommunikation zum Teil auch gezielt Geistes- und Sozialwissenschaftler gesucht werden. Allerdings müssen sie nach meiner Erfahrung zudem journalistische Erfahrungen mitbringen. Das muss allerdings nicht repräsentativ für alle Unternehmen gelten.

Insgesamt stimme ich dir zu, dass GSWler sich mehr mit dem Arbeiten in der freien Wirtschaft auseinandersetzen sollten und für sich entscheiden müssen, ob dieser Berufsweg nicht eine attraktive Alternative zu den übrigen Möglichkeiten darstellt.

e-fellow Frank (28) schreibt in seinem Weblog "UnternehmensGeist" über Geistes- und Sozialwissenschaftler in der freien Wirtschaft.

e-fellow Frank (28)

15.9.2005

Man möchte doch meinen, dass sich (virtuelle) Netzwerke im Internet vergleichsweise leicht knüpfen lassen. Was e-fellows.net erfolgreich vormacht, müsste sich eigentlich auch auf Geistes- und Sozialwissenschaftler übertragen lassen. Fakt ist aber, dass hinter jeder Webseite Menschen stehen, die andere überzeugen müssen. Meine Erfahrung der letzten Tage zeigte mir, dass viele Studenten und Universitätsangestellte mit einer Praxisinitiative in die Öffentlichkeit treten, ihre Aktivität aber meist auf ihren Hochschulort beschränken wollen.

Bemühungen um ein nationales Netzwerk für Geistes- und Sozialwissenschaftler stecken deshalb immer noch in den Kinderschuhen. Warum das so ist, kann ich mir nicht erklären. In einer Praxisinitiative vor Ort wartet für jeden einzelnen Teilnehmer viel Arbeit den meist dazu gegründeten Verein am laufen zu halten. In einem virtuellen Netzwerk geschieht 90 Prozent der Organisation vom heimischen Rechner aus. Mir ist durchaus bewusst, dass lokale Initiativen Interessenten viel persönlicher erreichen können. Für einen Wissens- und Erfahrungsaustausch aber sind die Möglichkeiten des Internets wesentlich einfacher und effizienter. Hat sich dann ein gewisser Stamm an Unterstützern gefunden, lässt sich in der "realen Welt" immer noch ein Verein ins Leben rufen. Vielleicht finden sich hier bei e-fellows.net netzerfahrene Studenten und Young Professionals, die zu dem Projekt UnternehmensGeist Ideen und Anregungen beisteuern wollen. Wenn ihr euch an dem Knowledge-Weblog beteiligen wollt, schreibt mir doch einfach eine E-Mail an frankwalzel@gmx.de.

e-fellow Frank (28) schreibt in seinem Weblog "UnternehmensGeist" über Geistes- und Sozialwissenschaftler in der freien Wirtschaft.

e-fellow Frank (28)

13.9.2005

Auf den Hitlisten vieler Karriere-Ratgeber für Geistes- und Sozialwissenschaftler (GSW) steht ein Berufsfeld ganz weit oben: die Großgruppe der "Corporate Communication", zu deutsch Unternehmenskommunikation. Sie setzt sich zusammen aus Public Relations/Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Die Eignung für diese Position im Unternehmen scheint schon in der Bezeichnung GEISTES- und SOZIALwissenschaftler selbst zu liegen: GSWlern wird nachgesagt, Gesellschaft, Öffentlichkeit und Kunden geistreich bearbeiten zu können.

Obwohl an dieser Aussage nicht viel auszusetzen ist, wird in diesem Zusammenhang zu selten von betriebs- wirtschaftlichem Denken und Wissen gesprochen, das der GSW-Bewerber mitbringen muss. Anders als in PR- oder Marketing-Agenturen legen Firmen bei Aspiranten großen Wert auf das kaufmännische Wissen über Unternehmens- abläufe und ihre Steuerung. Während Schwächen als angehende Fachkraft noch kompensiert werden können, bleibt die weitere Karriere als "Young Professional" im Konzern meist auf die Kommunikationsabteilung beschränkt. Deshalb ist es wichtig, sich schon früh mit der Sicht und der Denkweise eines Unternehmens vertraut zu machen. Der Beitrag "Geistreich die Öffentlichkeit bearbeiten" in meinem Weblog UnternehmensGeist versucht, diese Debatte aufzugreifen. Ich bin sehr auf eure Meinungen und Ideen gespannt.

UnternehmensGeist.

e-fellow Frank (28) schreibt in seinem Weblog "UnternehmensGeist" über Geistes- und Sozialwissenschaftler in der freien Wirtschaft.

e-fellow Frank (28)

12.9.2005

Es ist ja nicht so, dass es zum Thema keine Informationen zu finden gäbe. Wer datenbank- und e-journal-erprobt ist und dazu noch die nötige Zeit von einem halben Tag mitbringt, kann es mit einer Internet-Recherche auf eine passable Trefferliste bringen. Ob diese Sammlung an Info-Häppchen input-verwöhnte Geistes- und Sozialwissenschaftler (GSW) zufrieden stellt, steht auf einem anderen Blatt. Nichtsdestotrotz entschloss ich mich, die letzten Tage eines Praktikums dazu zu nutzen, um eine halbwegs zufrieden stellende "Webliographie" auf meinem Knowledge-Weblog UnternehmensGeist. zusammenzutragen und in einem Artikel online zu stellen. Jeder ist selbstverständlich herzlich dazu eingeladen, diese Liste zu erweitern und Verbesserungsvorschläge und Kritik anzubringen.

Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Journalisten aber auch Wissenschaftler sich über den Missstand Gedanken gemacht und daraus konkrete Initiativen oder Projekte entwickelt haben. Bei allen fehlen allerdings die Vernetzung und der Ideenaustausch. So denkt, liest und schreibt jeder alleine vor sich hin, ganz wie zu Zeiten der deutschen Kleinstaaterei. Doch so langsam scheint sich ein Markt(-platz) für das Thema herauszubilden. Bereits Mitte der 90er Jahre beschäftigten sich zwei Dissertationen mit dem Verhältnis von GSW und der Wirtschaft. Ihre Ergebnisse stimmen auch den größten Zweifler um und geben der Thematik, man glaubt es kaum, einen wissenschaftlichen Unterbau. Da die Bücher im Handel schwer zu bekommen sind, habe ich eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen auf UnternehmensGeist ins Netz gestellt. Wie bei allen von mir vorgestellten Artikeln gilt auch hier: Ich freue mich über jeden Kommentator, Mit-Autor von Beiträgen ganz ohne Anmeldung und Mit-Organisator (Anmeldung bei mir)! Also ran an die Tastatur und rein ins Netz!

UnternehmensGeist.

e-fellow Frank (28) schreibt in seinem Weblog "UnternehmensGeist" über Geistes- und Sozialwissenschaftler in der freien Wirtschaft.

UnternehmensGeist

9.9.2005

Wenn das Schwierigste erst mal gemeistert ist, kommt der Rest von ganz alleine. Nur nimmt leider das Schwierigste, also der eigentliche Entschluss, als Geistes- und Sozialwissenschaftler (GSW) in die Wirtschaft zu gehen, auch die meiste Zeit in Anspruch. Davor tönt es dem neugierigen GSW von Kommilitonen aus dem eigenen Fach und anderer akademischer Großgruppen entgegen, man müsse sich auf diesem Karriereweg mit chronischer Unterqualifizierung herumplagen – also Finger weg!

Auch die Universitätsleitung sorgt hier nicht für Abhilfe. Der Versuch, wirtschaftswissenschaftliches Wissen neben dem eigenen Studium zu erwerben, ist steinig. Denn Vorlesungen, Seminare und Klausuren bei BWL und VWL-Lehrstühlen müssen auf unnötig hohem Niveau abgeleistet werden. Lässt sich der engagierte GSW davon nicht abschrecken, muss er eine deutliche Mehrbelastung in Kauf nehmen.

Ein den Bedürfnissen der GSW angepasstes Angebot wäre die Lösung. Allerdings sind Weiterbildungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen an den eigenen Instituten aufgrund leerer Kassen bekanntermaßen nicht finanzierbar. Ein Lichtblick der letzten Jahre sind die vielen hochschuleigenen und studentischen Praxisinitiativen, die sich in den meisten deutschen Hochschulstädten etabliert haben. Zu Preisen, die weit unter denen der privaten Weiterbildung liegen, bieten sie vom Training zur Verbesserung der "Soft Skills" bis hin zum BWL-Intensivkurs ein buntes Spektrum an. An einigen Hochschulen besteht sogar die Möglichkeit, an Qualifizierungsprogrammen teilzunehmen, die wirtschaftswissenschaftliche Theorieteile mit Praxisabschnitten in kooperierenden Unternehmen kombinieren. Es tut sich also was an unseren gescholtenen deutschen Universitäten. Eine Übersicht der verschiedenen Initiativen findet sich auf meinem Knowledge-Weblog UnternehmensGeist.

e-fellow Frank (29) studiert Politik und Mittlere und Neuere Geschichte in Frankfurt am Main und gründete ein Weblog über die Berufschancen von Geistes- und Sozialwissenschaftlern in der freien Wirtschaft.

e-fellow Frank (28)

5.9.2005

Am Anfang glaubte ich, einfach nicht gründlich genug recherchiert zu haben. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es zu einem derart wichtigen Thema keine zentrale Plattform oder Informationsstelle gibt, die Studenten vor diesem entscheidenden und mutigen Schritt berät. Wie konnte es sein, dass all die Tausenden Absolventen von "Orchideenfächern" still und leise auf dem Arbeitsmarkt verschwunden waren, als ob sich Deutschland in der Vollbeschäftigung sonnen würde?

Die Rede ist von Geistes- und Sozialwissenschaftlern, die es offenbar nicht geschafft haben, in Museen, Nichtregierungsorganisationen oder PR-Agenturen unterzukommen und stattdessen den Schritt in die freie Wirtschaft gewagt haben. Traurigerweise findet sich aber, bis auf ein paar kleine Info-Häppchen, wenig dazu im Internet. Auch die Literatur kommt über ein halbes Dutzend einführender Werke nicht hinaus. Ich sah diesen Missstand als Anlass, das Knowledge-Weblog UnternehmensGeist www.unternehmensgeist.twoday.net ins Leben zu rufen und so eine Plattform zu schaffen, auf der sich Geistes- und Sozialwissenschaftler austauschen und aktuelle Informationen zum Thema diskutieren können.

Mir ist durchaus bewusst, dass es an den meisten Universitäten zahlreiche Praxisinitiativen sowohl von Hochschul- als auch von Studentenseite gibt. Ein übergreifendes Netzwerk oder Forum habe ich aber bisher vergebens gesucht. Das ist mir unbegreiflich, bedenkt man, wie entscheidend der Übergang vom Studenten zum "Young Professional" ist. Der Schritt in die Welt der Unternehmen sollte deshalb für Geistes- und Sozialwissenschaftler mehr als eine bloße Notlösung sein. Bei richtiger und frühzeitiger Vorbereitung verfügen wir sogar über Qualifikationen, die man bei BWLern vergeblich sucht. Minderwertigkeitsgefühle und falsche Scheu vor der "harten" Wirtschaft sind hier fehl am Platz. Mein Credo lautet: Lernwillige und neugierige Geistes- und Sozialwissenschaftler mit einer gehörigen Portion UnternehmensGeist können so manchen Job bekommen, den sie sich so nie erträumt hätten.

Fortsetzung folgt.

 

 

 

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