von Nikolaus Raab

e-fellow gründet Kulturplattform

Koffer packen für die Kunst

Eigentlich wollte Oliver nur seine Liebe zur Kunst mit anderen teilen. Deshalb schrieb er gelegentlich Artikel über Kulturveranstaltungen in seiner Universitätsstadt Zürich. Doch seine Leserzahl wuchs rasant; und sie wollte mehr wissen. Heute besucht Oliver manchmal drei bis vier Veranstaltungen pro Tag in ganz Europa und wacht über seine eigene Medienfirma.

Die Rubrik "e-fellows als Gründer" ist umgezogen

Akutelle Gründer-Porträts findest du im e-fellows.net blog in der Kategorie "Gründer".

Gründer, Oliver Hoffmann, The Art of Culture, Kultur, Porträt 77x100 (Quelle: e-fellows.net)

e-fellows.net-Stipendiat Oliver Hoffmann (24) studiert BWL in München. 2006 gründete er die medienübergreifende Plattform "The Art of Culture" - ein Forum für Rezensionen anspruchsvoller Kultur- Events. Seine Firma LT Media Group vertreibt zudem Restaurant- und Reiseführer.


Freiheit bedeutet Verantwortung - Oliver Hoffman
sucht beides. Als Praktikant bei verschiedenen Zeitungen lernte er zwar viel über das Handwerk des Schreibens, aber zufrieden war er nicht. Ihm fehlte die selbstbestimmte Arbeit. Der Alltag der Tagespresse beschränkte ihn. Oliver wollte über seine große Leidenschaft schreiben - die Kunst, und zwar mit der Freiheit zur eigenen Meinung.

Seelenverwandte

In Isabella Hermann fand er eine Gleichgesinnte. Schon als Jugendliche hatte die Kunstbegeisterte die Ferien genutzt, um Europas Museen zu bereisen. Die Studentin der Volks-
wirtschaft, Politik- und Kommunikationswissenschaften besitzt ein Gespür für originelle Ideen und anspruchsvolle Inszenierungen. Mit Oliver teilt sie außerdem die Freude am Schreiben. Und so begann aus der Leidenschaft für Kultur eine lose Reihe von Artikeln und Rezensionen zu Konzerten, Galerien und Theaterinszenierungen ihrer Heimatstadt Zürich. Die Texte fanden bald eine treue Leserschaft. Der Grundstein für The Art of Culture war gelegt.

Der Sprung ins kalte Wasser

Als die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich Fördermittel für interessante studentische Projekte verteilte, wagten die beiden den Schritt zur Unternehmensgründung. Oliver weiß aus Erfahrung: "Deine Idee muss überzeugen. Du solltest sie möglichst früh in Worte fassen können. Außerdem brauchst du zwei oder drei verlässliche Kontakte als Stütze für den Anfang." Es war ein Sprung ins kalte Wasser, der durch finanzielle Unterstützung aus der Familie erleichtert wurde. Doch mit der neuen Freiheit als Gründer kam auch mehr Verantwortung.

Ein guter Plan

"Ein guter Business-Plan ist von Anfang an wichtig.", so Oliver. Isabella und er formten aus ihrer losen Serie von Artikeln ein Geschäftsmodell: "The Art of Culture" - eine Plattform für Kulturrezensionen, die mit verschiedenen Medien arbeitet. Bald fand Oliver Hoffmann feste Partner in der Kulturszene, über deren Veranstaltungen er gegen Honorar regelmäßig berichtete. Von jetzt an war Kunst nicht mehr nur Leidenschaft; von jetzt an war sie Pflichtprogramm.

Den Blickwinkel erweitern

Vor allem Oliver war nun viel unterwegs, um Veranstaltungen überall in der Schweiz zu besuchen. Seine Leser begannen zu fragen, ob er nicht auch über seine Reiseerfahrungen berichten könne. Schließlich lernte er Hotels und Restaurants im ganzen Land kennen. Es lag nah, den Lesern auch darüber Informationen zu geben. "The Art of Culture" expandierte. Heute bietet die Plattform zwei neue Bereiche an: "The Art of Traveling" und "The Art of Gourmet". Monatlich 30.000 Leser finden auf die Seiten. Gute Projekte wachsen mit ihren Aufgaben.

Neue Schwerpunkte setzen

Und mit den Aufgaben wuchsen die Hürden, die bewältigt werden mussten. Mit der Erweiterung des Angebots kam nicht nur der Umzug nach München. Oliver gründete die LT Media Group, um künftig das eigene Angebot professionell zu organisieren. "Der schwerste Schritt war für uns die Umstellung von einer einfachen Website zur Web-2.0-Plattform.", so Oliver. Inzwischen bietet seine Firma neben den drei Rezensions-Portalen auch Medienberatung für Autoren und kleine Verlage an. Und es geht weiter: Für die Zukunft sind Hotelführer geplant. Auch der Reisebereich soll ausgebaut werden.

Refugium der Freiheit

So viel Mühe wird belohnt. Heute reist Oliver, so oft er kann, zu Veranstaltungen in ganz Europa. Dabei kommt es vor, dass er bis zu drei oder vier Termine an einem Tag bewältigt. Kultur satt also für den BWL-Studenten. "Mir gefällt besonders, dass ich durch 'The Art of Culture' auf Events gelange, die mir früher nicht zugänglich waren.", erzählt Oliver. Dabei kommt es zu einprägsamen Erlebnissen wie einem Handschlag mit dem Ex-Kanzler. Oliver ist zufrieden. Er hat sich sein eigenes Refugium der Freiheit geschaffen: "Man sollte eine Firma nicht nur gründen, um Geld damit zu verdienen. Der Wille, etwas Eigenes zu schaffen, sollte die treibende Kraft sein.", rät der stolze Gründer.

Olivers Unternehmen

  • Unternehmensname: The Art of Culture
  • Branche: Online-/Printmedien
  • Produkt: Plattform für Rezensionen anspruchsvoller Kulturveranstaltungen, kulinarische und touristische Empfehlungen
  • Gegründet: 2006
  • Beschäftigte: sieben feste und 14 freie Mitarbeiter
  • Website: www.theartofculture.com

Oliver über sich und sein Unternehmen

Mein Unternehmen habe ich gegründet, weil...
ich meinen eigenen Weg verfolgen wollte, um die Kulturlandschaft interessant aufzubereiten und diese so anderen Menschen näher zu bringen.

Mein Unternehmen ist profitabel, weil...
wir in einem hochmotivierten, kleinen und dynamischen Team zusammenarbeiten, welches gerade nicht nur auf Profit aus ist.

Unternehmer sein liegt mir, denn...
man hat die potenzielle Freiheit, zu tun und zu lassen, was man möchte und kann sich so gerade auch kreativ entfalten und etwas nach seinen Wünschen formen – auch eine schöne Abwechslung zum Studium.

Startkapital erhielten wir...
aus der Familie

Wenn ich nicht mein Unternehmen leite, dann...
reise ich und sammle so Ideen für unsere konkrete journalistische Arbeit.

In fünf Jahren...
werden viele Hybridmedien wie The Art of Culture die Medienlandschaft bereichern.

Mein Tipp für andere Unternehmensgründer: Man sollte selbst hinter einem Projekt und dem Team stehen können, ohne nur an Profit und die Verwirklichung von Zielgrößen denken zu müssen – die Begeisterung für die gemeinsame Sache muss an erster Stelle stehen.


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