Sprachportal bab.la
Babbeln im Web 2.0
Wie man zum Gründer eines Unternehmens wird? Indem man auf Partys den richtigen Leuten von seiner Idee erzählt. So jedenfalls erblickte das Sprachportal bab.la das Licht der Welt.
Das Gründerteam: Patrick Ueker, Alumnus Thomas Schroeter (Mitte) und Andreas Schroeter
Abschlüsse: BWL und (geplant) Informatik
e-fellows.net-Alumnus Thomas und sein Bruder Andreas hatten schon lange einen Traum: Ein Wörterbuch im Internet aufbauen, an dem die User selbst mitarbeiten und das durch Features rund ums Sprachenlernen ergänzt wird. Auf einer Party traf Andreas zufällig seinen Bekannten Michael Brehm wieder. In Feier-Laune erzählte er ihm von der Geschäftsidee. "Gibt's schon!" meinte der zukünftige Business Angel. Trotzdem nahm er sich vor, das mal genauer zu recherchieren. Gab's in dieser Form aber noch nicht, vor allem nicht für viele verschiedene Sprachen. Und so waltete kurz darauf der Business Angel seines Amtes.
Babbeln auf schwedisch und spanisch
Im Mai 2007 gründeten Thomas, Andreas und ihr Freund Patrick bab.la. Auf dem Mitmach-Sprachportal kann man seine Sprachkenntnisse im Quiz testen, sich jeden Tag eine neue Vokabel zuschicken lassen und eigene Übersetzungsvorschläge einreichen. Der Seite merkt man an, dass sie von Leuten gemacht wurde, die Freude an Worten und ihren kleinen Absonderlichkeiten haben. Thomas erzählt, dass sich die Geschwister schon immer viel mit Sprachen beschäftigten. Ihre Mutter ist gebürtige Schwedin, außerdem studierten beide Brüder international - unter anderem in Frankreich und Kanada. Bedarf an Online-Wörterbüchern gab es also immer. Den Wunsch, etwas Besseres auf die Beine zu stellen als das, was es schon gab, auch. Aber erst nach der Zusage des Kapitalgebers realisierten die drei Gründer ihre Pläne.
Alles nur blabla?
bab.la ist kein hessisches Babbel-Portal - Thomas erklärt, woher der Name kommt. Wichtig war der Anfangsbuchstabe: "Wir wollten gerne relativ weit oben im Alphabet und damit auch bei Auflistungen stehen. Und vor allem vor den ganzen Websites, die irgendwie 'dict' oder 'dictionary' heißen." An die Hessen dachten sie mit dem Namen nicht, eher an die Spanier: Zu dem Namen inspirierte sie der vielzitierte Turmbau zu Babel und das spanische Wort für sprechen - "hablar". Erst später fiel den Brüdern auf, dass sie damit auch zu ihren Wurzeln zurückkehrten. Denn "babla" bedeutet auf schwedisch "schwatzen". Und mit "blabla" hat das Ganze natürlich nichts zu tun!
Drei Freunde müsst ihr sein
Das Gründerteam teilt sich die Arbeit: Alumnus Thomas ist für die Produktseite zuständig, sein Bruder Andreas kümmert sich ums Marketing und ihr Freund Patrick um die IT. Thomas war nach dem Studium zunächst als Unternehmensberater tätig und schrieb dann an seiner Dissertation. "Während der Promotion habe ich es sehr genossen, mein eigener Herr zu sein." Als Unternehmensgründer hat er dieses gute Gefühl jetzt dauerhaft, auch wenn es manchmal noch ungewohnt ist: "Ich tue mich noch schwer damit, Aufgaben abzugeben." Die Beratertätigkeit sieht Thomas als gute Vorbereitung: "Direkt aus dem Studium heraus wäre eine Unternehmensgründung zwar auch möglich gewesen. Aber das stelle ich mir schwieriger vor, so ohne Erfahrung."
Und was bringt die Zukunft?
Momentan verdient das Portal vor allem mit Werbung Geld. Das soll aber auf Dauer nicht die einzige Einnahmequelle bleiben. Deshalb wollen die Gründer verstärkt auf White-Label-Lösungen setzen: Andere Websites können die Inhalte von bab.la bei sich einbinden. So eine Kooperation ist unter anderem mit einer großen deutschen Nachrichtenseite geplant. Außerdem möchten sie in Zukunft Premiumprodukte für zahlende Mitglieder anbieten. Denn Thomas weiß schon genau, wo er mit bab.la hin will: "Unsere Vision ist es, das größte Wörterbuch der Welt aufzubauen und zu einer Art 'Wikipedia für Sprachen' zu werden."
Thomas' Unternehmen
- Unternehmensname: bab.la
- Gegründet: Mai 2007
- Branche: Internet
- Beschäftigte: drei Gründer, zehn Mitarbeiter
- Produkt: Sprachportal
- Website: http://bab.la
Thomas über sich und sein Unternehmen
Mein Unternehmen habe ich gegründet, weil...
... ich endlich mit meiner Dissertation fertig werden musste. Im Ernst: Die Idee hatten wir Gründer schon lange, nur der Zeitpunkt war immer falsch. Das war im Mai 2007 anders. Da galt es: jetzt oder nie. So einfach war das.
Mein Unternehmen ist profitabel, weil...
... wir einerseits ein skalierbares Produkt aufbauen und andererseits unterschiedliche Umsatzquellen etabliert haben.
Unternehmer sein liegt mir, denn...
... endlich kann ich selbst bestimmen, welche Kaffeemaschine ins Büro kommt. Abgesehen davon schätze ich die Freiheit, selbstbestimmt zu arbeiten, die Zusammenarbeit mit und Führung von Mitarbeitern und die Erfahrungen, die ich täglich sammle. Berater würden das wohl "Lernkurve" nennen. Toll sind die Freude, dass Dinge genau so werden, wie ich mir das vorstelle, und natürlich der Stolz, das vielgerühmte "eigene Baby" wachsen zu sehen.
Startkapital erhielt ich durch...
... Business Angels: Michael Brehm, Lukasz Gadowski, Oliver Jung, Peter Schüpbach und andere.
Wenn ich nicht mein Unternehmen leite, dann...
... trainiere ich für meinen nächsten Triathlon (irgendwann in 2008+x), genieße Berlin oder trinke ein Bierchen mit meinen Freunden.
In fünf Jahren...
... ist der 1. FC Köln endlich wieder deutscher Meister! Außerdem ist bab.la das größte Wörterbuch der Welt.
Mein Tipp für andere Unternehmensgründer:
Machen! Und zwar Vollgas!
