von Regina Greck

Balthasar, Gründer von Geoflags.de

Die Welt von oben

Schon hundert Mal hast du deiner Freundin erklärt, wo sie deinen Geheimparkplatz findet. Der ist schließlich immer frei. Trotzdem klingelt jedes Mal dein Telefon, wenn sie dich besuchen kommt. Damit soll laut Geoflags-Gründer Balthasar Reusse jetzt Schluss sein. Auf Geoflags.de kann sie immer nachschauen, wo sie hin muss - genauso wie bei eurem neuen Fitnessstudio, einem Café oder Museum.

Die Rubrik "e-fellows als Gründer" ist umgezogen

Akutelle Gründer-Porträts findest du im e-fellows.net blog in der Kategorie "Gründer".

Balthasar, Gründer von Geoflags.de, Quelle: e-fellows.net

e-fellows.net Member Balthasar Reusse (25) hat an der Uni Hamburg BWL studiert. Schon im Studium arbeitete er als studentischer Unternehmensberater. Zusammen mit seinen beiden Mitgründern Stephan Schirmer und Benjamin Wunderlich gründete er Ende 2007 das Portal Geoflags.de.


Auf Geoflags.de bewegt man sich virtuell durch eine Stadt seiner Wahl. Dabei kann man überall ein "Geoflag", also eine Markierung anbringen - egal ob an Rathaus, Hotel, WG-Party oder Parkbank. "In Zukunft werden über jedem Objekt, jeder Person und jedem Ereignis in unserer Umwelt digitale Markierungen schweben", beschreibt Gründer Balthasar Reusse seine Idee. Die Geoflags enthalten alle wichtigen Informationen zu dem Gegenstand, den sie markieren. "So kann man sich bei uns vollkommen virtuell über eine Stadt informieren."

Mehr als nur ein Branchenbuch

Die Idee hatte der BWLer schon vor fast zwei Jahren, als er eine Seminararbeit für die Uni schrieb. "Ich habe bemerkt, dass die Leute sich immer mehr für das interessieren, was direkt um sie herum passiert. Das verankern sie auch gern geographisch auf Karten", erklärt er. "Außerdem ist der Community-Trend ja immer mehr im Kommen." Geoflags.de vereint das alles. Es ist nicht nur ein Branchenbuch. Bei den Gelben Seiten sucht man schließlich vergebens nach guten Parkplätzen. Aber auch kein reines Bewertungsportal. Dort wären vielleicht gute Noten für den Geheimparkplatz drin, der aber schnell weg.

Die Geo-Community
Damit das bei Geoflags nicht passiert, sollen natürlich nur deine Freunde den versteckten Parkplatz sehen. Das klappt, wenn sie sich bei dem Portal als Nutzer anmelden. "Bei den eigenen Geoflags darf man selbst bestimmen, wer sie sieht, damit keine ungebetenen Gäste auf der nächsten WG-Party auftauchen", erklärt Gründer Reusse.

Persönliche Landkarten

Die Party-Markierung und auch den Parkplatz kann man zu seinem Lieblingsflag erklären. "So wissen die Freunde, die man auf Geoflags hat, wo man gerne ist und was man gerne hat", erklärt Balthasar Reusse.

Hier ist Geoflags mit der Tagesschau

Aber nicht nur die User füttern die Flaggen-Community mit Informationen. Auch die Kooperationspartner der Website liefern Daten. Dank Wikipedia weht schon ein dichtes Flaggenmeer von über einer dreiviertel Million Markierungen auf der ganzen Welt. "Auch von tagesschau.de kommen Infos", sagt Balthasar Reusse. Die Nachrichten von dort werden auch als Geoflags angezeigt. Gibt es Neuigkeiten aus dem Bundestag, taucht auf der Karte von Berlin dort eine neue Markierung auf. Dieses Geoflag verschwindet aber wieder, wenn es nicht mehr aktuell ist - genauso wie alle Markierungen zu Nachrichten und Veranstaltungen.

Lukrative Partner

Durch solche Kooperationen fließt auch Geld in die Kassen von Geoflags. Der Ticketservice "eventim" beflaggt die Welt des Online-Portals mit seinen Veranstaltungen. Kauft sich jemand eine Karte über Geoflags, bekommt das junge Unternehmen eine Provision. Geoflags bekommt auch eine Beteiligung, wenn man einen Tisch in einem Restaurant über das Portal bestellt oder ein Hotelzimmer bucht.

Flagge zeigen mit dem iFlag

Man erfährt bei Geoflags aber nicht nur, wo man was in einer Stadt findet und was gerade passiert, sondern auch, wo sich die eigenen Freunde aufhalten. Mit dem iFlag kann man selbst Flagge zeigen und sichtbar machen, wo man sich gerade befindet, wenn man das möchte. Im Moment muss man seine Fahne noch selbst auf der Website hissen. "Bald wird es Geoflags aber auch für das Handy geben", weiß Balthasar. Dann wird das Ganze über GPS funktionieren. "Wenn man durch die Straßen einer Stadt geht, hat man dann alles, was man darüber wissen muss, in der Hosentasche."

Balthasars Unternehmen

  • Unternehmensname: Geoflags.de
  • Branche: Neue Medien/IT
  • Produkt: Online-Portal und Community Geoflags.de
  • Gegründet: 2007
  • Beschäftigte: drei
  • Website: www.geoflags.de

Balthasar über sich und sein Unternehmen

Mein Unternehmen habe ich gegründet, weil...
... ich eine Vision hatte, eine Lücke in einem wachsenden Markt entdeckt und ein ideales Team gefunden habe.

Mein Unternehmen ist profitabel, weil...
... wir den ganzen Tag daran arbeiten und der Markt des mobilen Internets mit seinen location-based Services in den kommenden Jahren sehr stark wachsen wird.

Unternehmer sein liegt mir, denn...
... es macht mir riesigen Spaß, aus Visionen Wirklichkeit werden zu lassen und gemeinsam mit einem großartigen Team die Welt zu verändern.

Startkapital erhielt ich...
... aus erfolgreichen Projekten, die meine Mitgründer, Mitgesellschafter und ich zuvor betrieben hatten. Eine nächste Finanzierungsrunde steht bevor.

Wenn ich nicht mein Unternehmen leite, dann...
... tun es glücklicherweise meine Kollegen. Die Freizeit teile ich mit Freundin, Hund und gutem Essen.

In fünf Jahren...
... wird der Mensch bei einem Stadtbummel auf sein Handy schauen und mehr sehen, als er einer heutigen Einkaufsstraße mit bloßem Auge abgewinnen kann. Er sieht seine Umgebung von oben, gespickt mit vielen Geoflags. Diese markieren in Echtzeit lokal verortete Nachrichten, Aufenthaltsorte von Personen, Meinungen über das chinesische Restaurant, vor dem er gerade steht. Die Möglichkeiten der Markierung und Kommentierung von Dingen in unserer realen Welt werden unbegrenzt und selbstverständlich verwendet werden.

Mein Tipp für andere Unternehmensgründer:
Redet von Anfang an mit möglichst vielen über eure Geschäftsidee. Keiner wird sie klauen. Denn ihr braucht Feedback. Wenn jemand etwas Ähnliches macht, kooperiert mit ihm. Beantwortet euch immer wieder die Frage, was euer Produkt gegenüber dem Wettbewerb schneller, besser und günstiger macht. Gibt es keinen Wettbewerb, gibt es (noch) keinen Markt für euer Produkt. Und dann legt los, es macht Spaß.


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