Nicht quatschen, einfach machen

Logo Realisr (Quelle: e-fellows.net)

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Du hast ja sooo viele tolle Ideen: Man müsste mal ein Uni-Sommerfest veranstalten, eine Schule in Mali aufbauen, eine Drachenboot-Regatta veranstalten. Nur mit der Umsetzung hapert es. Doch diese Zeiten sind jetzt vorbei - dank Ulrich und realisr.com.


Tolle Leute mit tollen Ideen - e-fellows.net Alumnus Ulrich war das ganze Studium lang von ihnen umgeben. "Man müsste mal XY gründen" - an der HHL und am INSEAD ein Satz, den man oft zu hören bekommt. Logische Schlussfolgerung: "Man müsste mal etwas gründen, was den Leuten hilft, zu gründen!" Aus dieser mehr scherzhaften Eingebung wurde die Grundidee zu realisr.com.

Leute mit Ideen finden Mitstreiter

Erst wollten sich Ulrich und seine beiden Mitgründer nur nach Feierabend ihrer Idee widmen, doch schnell merkten sie: Das Projekt ist zu zeitaufwendig, um es halbherzig zu betreiben. Über Weihnachten nahmen sie sich Bedenkzeit und Ende des Jahres lagen drei Kündigungen in den Briefkästen ihrer Arbeitgeber - und das, obwohl die Gründer damit auf ein dickes Gehalt verzichteten. Ab März 2007 tüftelten die drei Gründer Vollzeit in ihrem Kellerbüro in der Schleißheimer Straße in München.

Startup des Jahres 2007

Im Oktober 2007 ging das Portal online. "Das war richtig klasse", erinnert sich Ulrich "als man zum ersten Mal sah: Da entwickeln wirklich Leute Projekte und setzen die um." Schon einen Monat später zählt die Seite deutsche-startups.de realisr.com zu den interessantesten Neugründungen des Jahres; Yahoo! nominiert realisr.com sogar zum Startup des Jahres 2007 und RTL2 zeigte in den 20 Uhr Nachrichten einen Beitrag über realisr.com als innovatives Unternehmen.

Von der NGO bis zum Kurzfilmprojekt

Seither nutzen die unterschiedlichsten Leute die Community-Funktionen von realisr.com, um Mitstreiter für ihre Ideen zu gewinnen und auf ihr Projekt aufmerksam zu machen: Non-Profit-Organisationen werben für Tierschutzkampagnen, Mütter sammeln Spenden für die Schulbibliothek, Tüftler suchen Vertriebler für ihre Erfindungen und abnehmwillige Mitläufer für die wöchentliche Runde durch den Park. Um das Projekt zu bewerben, kann man durch ein Promotion-Tool individuell gestaltbare Widgets und Banner erstellen sowie Flyer, Postkarten und Plakate ausdrucken.

Die eigene Seite auf Web 2.0 trimmen

Doch wie verdient man Geld mit diesem Modell? Für gezielte Werbebanner-Schaltung ist die Community zu klein. Schnell wurde Ulrich klar: Die Seite lässt sich intuitiv bedienen und punktet mit guter Nutzbarkeit. Er begann also, Webseiten-Betreibern, die ihren Web 1.0 Auftritt unkompliziert um Web 2.0 Funktionen erweitern wollen, Technik und Support für den Aufbau von individuellen Corporate Communitys anzubieten. Diese bestehen aus den Bausteinen, aus denen auch realisr.com aufgebaut ist.

Ein lukratives Geschäftsmodell

Die Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" war die erste, die ihren Webauftritt mit Hilfe von realisr.com auf Web 2.0 trimmte. Das Geschäftsmodell ist so lukrativ, dass realisr.com im zweiten Jahr seit Gründung schon ohne Finanzspritzen auskommt. "Es ist schön zu sehen, dass wir nicht mehr als Kellerkinder hinter unseren Laptops wahrgenommen werden, sondern seriöse Unternehmen wie die Arvato-Gruppe (Bertelsmann) mit uns kooperieren."

An HHL und Insead Unternehmertum gelernt

"Das Studium an der HHL und am INSEAD haben mir für die Gründung von realisr.com viel genützt. Man erarbeitet sich dort eine betriebswirtschaftlichen Toolbox", so Ulrich. Neben den vielen Fallstudien im Studium imponierte ihm auch der Elan seiner Mitstudenten: "Ähnlich wie amerikanische Business Schools waren beiden Hochschulen unternehmerisch geprägt. Die Leute wollten etwas bewegen. Die internationalen Dozenten und der permanente Austausch mit Top-Entscheidern aus der Unternehmenspraxis inspirierten mich dort sehr."

Gefühlsschwankungen gehören dazu

In der ersten Zeit nach der Gründung saß Ulrich oft um ein Uhr nachts noch am Schreibtisch, "aber wenn dann einmal Feierabend war, war ich oft besser drauf als viele andere." Wann immer ein wichtiges Projekt gelang, "gab es eine Riesenparty. Die Amplituden waren extrem stark." Euphorie, so Ulrichs Erfahrung, ist wichtig, denn Rückschläge gibt es genug - und wer die nicht verkraftet, gibt schnell frustriert auf.

Begeistern, statt Druck ausüben

Das Reizvolle am Unternehmersein für Ulrich: "Man hat keine formale Macht, man muss die Leute also so begeistern, dass sie es freiwillig machen. Dabei lernt man viel. Ich kann jedem nur empfehlen, zu gründen. Natürlich muss man sich auch genau überlegen, was man macht, wenn es nicht klappt. Alles andere wäre sehr naiv. Aber wer zu lange überlegt, der macht es nicht!"

Ulrich über sich und sein Unternehmen

Mein Unternehmen habe ich gegründet, weil...
... weil ich etwas gestalten und aufbauen wollte.

Mein Unternehmen ist profitabel, weil...
... weil wir als Anbieter von Web 2.0 Community-Lösungen und Kampagnen-Portalen ein wettbewerbsfähiges Produkt haben, das parallel zu unserem eigenen Vertrieb auch von prominenten Vertriebspartnern (z.B. Arvato Gruppe) in den Markt gebracht wird.

Unternehmer sein liegt mir, denn...
... es ist unglaublich spannend und man hat eine wahnsinnig steile Lernkurve, wenn man im eigenen Unternehmen so vielfältige Themen wie Strategie, Venture Capital, Presse, Operations und Vertrieb bearbeitet und dabei stets die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen verantworten muss.

Startkapital erhielt ich...
... über mehrere Business Angels.

Wenn ich nicht mein Unternehmen leite, dann...
... mache ich viel Sport, treffe meine Freunde höre Musik oder lese ein gutes Buch.

In fünf Jahren...
... werde ich hoffentlich über meine heutigen Sorgen und Probleme schmunzeln!

Mein Tipp für andere Unternehmensgründer:
Die Unternehmensgründung und insbesondere die Abwägung der Chancen und Risiken muss gut durchdacht werden. Aber irgendwann muss man es eben einfach auch machen!

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