Lukas Oldenburg

e-fellows.net-Stipendiaten treffen Michael Glos

Berliner Schnauze und bayerische Weißwurst

Die Berliner Currywurst und das Berliner Wirtschaftsministerium - beide haben Michael Glos nie so recht geschmeckt. An der Berliner Schnauze scheint er jedoch Gefallen gefunden zu haben: Beim Besuch der rund 40 e-fellows.net-Stipendiaten nahm der Abgeordnete kein Blatt vor den Mund.

Der große Besuch beim Wirtschaftsministerium und seinem früheren Chef beginnt für mich chaotisch. Meinen Personalausweis hat die spanische Post vor über einem Monat verschluckt. Zum Glück hab ich noch meinen Reisepass, denke ich, als ich morgens um sieben in die S-Bahn zum Münchner Flughafen steige. In der Bahn stelle ich fest: Der Pass ist vor drei Tagen abgelaufen. 

Pass abgelaufen - in München kein Problem

Eigentlich will ich sofort umdrehen. Doch ich rufe unseren Geschäftsführer Michael an, der mich heute mit Marketing- und Key-Account-Leiterin Claudia begleiten wird. Er beruhigt mich. Das werde schon klappen am Flughafen – und falls ich nicht durch die Sicherheitskontrollen im Wirtschaftsministerium komme, kann ich dort ja einfach draußen warten und einen Kaffee trinken. Und tatsächlich: Das Münchner Flughafenpersonal hat nichts an meinem Pass auszusetzen. 

Der e-fellow, der alles möglich machte

Als wir am verabredeten Seiteneingang des Ministeriums ankommen, wartet dort schon ein Dutzend der rund 40 Stipendiaten. Wir begrüßen uns und verteilen Namensschildchen. Besonders freue ich mich über e-fellow Andreas, der ganz unerwartet seine Kamera dabei hat und den ganzen Tag über tolle Fotos schießen wird (siehe Galerie oben). Auch Stipendiat Tobias trifft ein. Das engagierte CSU-Mitglied hat mit seinen Drähten zu Glos diesen Tag überhaupt erst ermöglicht. Später wird uns Glos erzählen, dass er nicht nur Tobias' Mutter kennt, sondern dass dessen Großvater Werner Zeyer sogar Glos' Abgeordnetenkollege und Ministerpräsident des Saarlands war. 

"Berlin, die Krone der Schöpfung"

Auch im Wirtschaftsministerium interessiert die Sicherheitskontrollen mein Ausweis zum Glück doch nicht. Unser Referent ist ein echter Berliner. Als solcher, so versichert er uns gleich zu Beginn, hält er sich für die Krone der Schöpfung. Das klingt zunächst etwas angestrengt lustig, doch ist der erste Gram schnell verflogen: Nach einem kurzen Film übers Ministerium - Zitat des Referenten: "zum Schlafen" - verdient der kleine Mann mit der Brille unsere volle Aufmerksamkeit. Da die e-fellows immer mehr Fragen stellen, löst er sich schließlich ganz von seinen Folien.

Mit Aschenbechern auf Mitarbeiter

Er erklärt uns unverblümt an unterhaltsamen Beispielen, wie wichtig ein guter Draht des Ministers zu den Mitarbeitern im Ministerium ist. Wenn der Minister die Unterlagen nicht lese, die er von seinen Mitarbeitern bekommt, ständig Namen verwechsle oder, wie Wolfgang Clement, mit Aschenbechern nach ihnen werfe, dann leide auch die Qualität der Arbeit. Dann gebe man sich mit den Unterlagen für die nächste Rede eben nicht mehr so viel Mühe. Der neue Mann, Theodor zu Guttenberg, mache da bislang eine hervorragende Figur. Doch je länger die Politiker dabei seien, desto verbrauchter würden sie wirken. Daher müsse man bei Guttenberg vorsichtig sein mit dem Urteil, der sei ja erst ein paar Monate im Amt.

Und plötzlich steht er hinter mir

Nach dem Vortrag fahren wir mit der U-Bahn zur Bayerischen Vertretung, wo wir Michael Glos treffen sollen. Dort führt uns zunächst ein Mitarbeiter durch den Bau. Seine Anekdoten klingen so, als sei die Bayerische Vertretung eine Art Partyzentrum. Plötzlich steht Glos direkt hinter mir. Erst seit wenigen Jahren überwiegen die grauen Haare, er trägt ein hellblaues Hemd, eine kursiv gestreifte Krawatte, grinst herzlich und gut gelaunt. Für einen früheren Minister wirkt er schon fast übertrieben bescheiden. Ich begrüße ihn leise und hole Tobias. Dann unterbricht der Mann der Bayerischen Vertretung seine Führung, und wir gehen in den "Saal Schwaben". Dort stehen schon die Brezn und Getränke auf dem Tisch, eine Dame tischt Weißwürste und Weißbier auf. 

Glos' Sohn, ein e-fellows.net-Mentor

Derweil begrüßt Glos die Stipendiaten als "Crème de la Crème" des deutschen Nachwuchses und erwähnt ganz nebenbei, dass sein Sohn soeben jüngster Partner der e-fellows.net-Partnerkanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer geworden sei. Am nächsten Tag werde ich feststellen, dass Dr. Alexander Glos sogar Mentor für e-fellows.net-Stipendiaten ist. 

Weißwürste zu sündiger Stunde

Seit 1976 ist Michael Glos Bundestagsmitglied, fast zehn Jahre sitzt er nach dem Umzug von Bonn nach Berlin nun in der Hauptstadt. In die Currywurst verliebt hat sich der heimatverbundene CSU-Abgeordnete trotzdem noch nicht. Da macht es auch nichts aus, dass dieWeißwurst heute erst um 14 Uhr auf den Teller kommt. "Wenn man in Berlin schon mal Weißwürste kriegt, isst man die auch noch mitten in der Nacht", so Glos. 

Nur die Frage nach der Wurst bleibt ohne Antwort

Wo die Würste denn herkämen, lautet nach einem kurzen Eingangs-Statement von Glos die erste Frage eines Stipendiaten. Es bleibt die einzige Frage, auf die der Ex-Minister keine Antwort weiß. Die Kellnerin solle das bitte kurz recherchieren; die Antwort bleibt sie uns jedoch schuldig.

Bad Bank, Konjunkturpakete und Energie-Lobby

Die e-fellows fragen nach der Bad Bank, dem Ende der Wirtschaftskrise und den Konjunkturprogrammen. Die, so Glos, seien sinnvoll gewesen, jetzt sollte aber erst mal Schluss sein. Auf eine Frage nach den Lobbys im Ministerium erinnert er sich an einen seiner Vorgänger, der eng mit der Energie-Lobby verbandelt gewesen sein soll. So eng, dass manche Konzerne nicht nur bereits Briefumschläge mit dem Ministeriumssiegel drucken konnten, sondern sogar den Unterschriftenautomat für die Signatur von Beamten besessen hätten. 

Wenn Dackel wie Bernhardiner beißen wollen

Wie er so weit nach oben gekommen sei? "Ich weiß es auch nicht", sagt Glos. "Ich habe alle Aufgaben, die sich mir gestellt haben, so gut wie möglich gemacht." In diesem Zusammenhang möchte er uns eines mit auf den Weg geben: "Wenn Sie ein Dackel sind und wie ein Bernhardiner beißen wollen, dann fangen Sie nicht erst mit dem Bernhardinerbiss an, wenn Sie schon ein Bernhardiner sind." Will heißen: Wer hoch hinaus will, soll nicht sagen: 'Gebt mir die höhere Position, dann strenge ich mich richtig an.' Man müsse sich schon vorher ins Zeug legen und versuchen, jede Arbeit so gut wie möglich zu erledigen, nur dann könne man Ansprüche auf die "Bernhardiner-Posten" erheben.

Ein Handtuch gegen Bakterien zum Abschied

Eine Dreiviertelstunde kann so schnell vorbeigehen. Nicht alle Stipendiaten können ihre Frage loswerden, auch ich meine nicht. Trotzdem hat es sich gelohnt, vor allem, weil Glos kein Blatt vor den Mund genommen hat. Tobias und unser Geschäftsführer Michael danken ihm und verabschieden den Unterfranken mit einem Wein aus der Heimat und einem bakterienresistenten Wanderhandtuch - Glos ist begeisterter Allwetterwanderer. 

Und weiter zum nächsten Termin

Leider bleibt auch mir nicht mehr viel Zeit für den Abschied von den Stipendiaten; Claudia und Michael zerren mich zum Bildungsministerium, wo schon der nächste Termin auf uns wartet. Und das Personal am Flughafen Schönefeld begrabscht mich zwar von oben bis unten, mein Reisepass hingegen interessiert sie gar nicht. Was bleibt, ist eine tolle Erinnerung - und Zweifel am deutschen Sicherheitspersonal.

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