Preisverleihung zum Soft-Skill-Wettbewerb
Weiche Qualifikationen - hart zu lernen?
Wie kommen die Soft Skills ins Studium? Diese Frage hatte das Meyer-Camberg-Institut in Zusammenarbeit mit e-fellows.net beim Soft-Skill-Wettbewerb gestellt. Bis Ende 2007 hatten Studenten Zeit, zu antworten. Am 30. April prämierte das Institut die fünf besten Konzepte mit Preisen im Wert von insgesamt 15.000 Euro. Auch e-fellows waren unter den Gewinnern.
Vor einem heftigen Gewitterregen retteten sich die letzten Teilnehmer noch gerade rechtzeitig ins Foyer des Konferenzzentrums der Hanns-Seidel-Stiftung in München. Unter den Grüppchen an den Stehtischen stachen vier Gala-Uniformen ins Auge. Die gehörten den viertplatzierten Preisträgern von der Universität der Bundeswehr München. In zweien steckten junge Frauen. Eine noch jüngere Frau - die erst 13-jährige Mariella Haubs - eröffnete die Preisverleihung mit ihrem bezaubernden Geigenspiel.
Warum dieser Wettbewerb?
"Wir hoffen, dass die 94 Einreichungen und insbesondere die Vorschläge der fünf Preisträger unseren Hochschulen einen Impuls geben, der Ausbildung der Persönlichkeit mehr Gewicht zu verleihen", erklärte Karin Heine, Präsidentin des Meyer-Camberg-Instituts, das Ziel des Soft-Skill-Wettbewerbs. Michael Frenkel, Rektor der WHU - Otto Beisheim School of Management und Schirmherr des Wettbewerbs, stellte klar: "Der Begriff 'Soft Skills' führt in die Irre, weil diese eigentlich sehr 'hart' sind - zu erlernen nämlich." Gleichwohl lohnt sich die Mühe: Eine Studie der Münchner Personalmarketing GmbH vom März 2008 ergab, dass für zwei Drittel der Unternehmen Soft Skills bei Berufseinsteigern ebenso wichtig sind wie Fachwissen.
Gleich zwei Erstplatzierte
Der Sprecher der Juroren, Joachim Nickut, Leiter des Personalwesens von Bosch Blaichach, stellte die Sieger-Projekte kurz vor. Die Entscheidung war der Jury so schwer gefallen, dass sie gleich zwei erste Plätze vergab: an Johanna Schubert, die in München Psychologie und Interkulturelle Kompetenz studiert, sowie an eine Gruppe von e-fellows, die in Münster Wirtschafts- und Poltikwissenschaften studieren. Der dritte Platz ging an Wolfgang G. Scherl, der in Nottingham über Soft-Skill-Trainings promoviert, der vierte an die drei Leutnants und Pädagogikstudenten von der Universität der Bundeswehr München. Den fünften Rang erzielten zwei Studenten der Bucerius Law School in Hamburg. Anschließend präsentierten alle Preisträger ihre Konzepte.
Die Gewinner
- 1. Platz: Johanna Schubert, LMU München, 4.500 Euro
- 1. Platz: Guido Hardieck, Alexander Styles, Arne Tutschapsky und Hauke Vierke, WWU Münster, 4.500 Euro
- 3. Platz: Wolfgang G. Scherl, University of Nottingham, 3.000 Euro
- 4. Platz: Christian Kunde, Stefanie Pfannstiel und Carolin Werth, Universität der Bundeswehr München, 2.000 Euro
- 5. Platz: Tobias Hartz und Franziska von Hutten, Bucerius Law School Hamburg, 1.000 Euro
Positive Erfahrungen der Preisträger ...
Dass die meisten Preisträger während ihrer Ausbildung Erfahrung mit Soft Skills gemacht haben, überraschte nicht wirklich - daher ihr Interesse an dem Thema. Auffällig ist jedoch, dass bei drei Gruppen diese Erfahrungen durchaus positiv ausfielen: So fühlten sich die jungen Leutnants durch ihre Offiziersausbildung bestens auf Führungsaufgaben vorbereitet und überlegten nun, wie man diese Fähigkeiten auch an zivilen Universitäten vermitteln könnte. Johanna Schubert eignete sich in ihrem Studium nicht nur interkulturelle Kompetenz an, sondern sogar Kenntnisse, die einer Trainer-Ausbildung gleich kommen. Die beiden Fünftplatzierten waren sehr zufrieden mit den Soft-Skills-Seminaren, welche die Bucerius Law School anbietet. Lediglich die e-fellows aus Münster waren mit der Qualität der Kurse an ihrer Universität nicht ganz einverstanden - und überlegten, wie man sie besser machen kann.
... die Ausnahme, nicht die Regel
Aber kann man diese positiven Erfahrungen auf alle deutschen Universitäten übertragen? Wohl eher nicht: Karin Heine zitierte eine Studie des Gallup-Instituts, wonach der deutschen Wirtschaft jährlich ein Schaden von etwa 250 Milliarden Euro entstehe, weil die deutschen Führungskräfte nicht ausreichend auf ihre eigentlichen Führungsaufgaben vorbereitet seien. Dafür machte Karin Heine vor allem die Universitäten verantwortlich, die bislang zu wenig Wert auf Aus- und Weiterbildung der Persönlichkeit legten.
Soft-Skill-Trainings - aber wie finden?
Wie kann man die Vermittlung von Soft Skills an den Universitäten verbessern? Johanna Schubert stach mit ihrem Konzept dadurch heraus, dass sie nicht bei den Soft-Skill-Kursen selbst ansetzte, sondern bei der Frage, wie ein Student zu einem solchen Training kommt. Bei ihrer Tätigkeit als Trainerin in einer Studenteninitiative fiel ihr auf, dass einerseits Studenten händeringend Kurse suchten, andererseits Seminare - vor allem bei kleineren und unbekannteren Organisationen - wegen zu geringer Teilnehmerzahl abgesagt wurden. Ihr Gegenmittel: das "Center für Karriere und Chance" - eine feste Institution, die das vorhandene Angebot an Soft-Skill-Kursen koordiniert, ergänzt und bewirbt und in die Infrastruktur der Universität eingebettet ist.
Soft Skills im Lehrbetrieb
Die Gruppe aus Münster setzte ebenso wie die aus Hamburg zum Teil auf Seminare. Die Münsteraner planten zusätzlich ein Mentorenprogramm, Projektarbeit, Symposien inklusive Debattierwettbewerb sowie ein Kompetenzzentrum. Für die Hamburger wiederum ist ein Soft-Skill-Rahmenlehrgang nur der dritte Schritt - nach der Festlegung eines universitären Wertekanons und Ad-hoc-Maßnahmen wie dem Impulsreferat. Dabei fassen Studenten am Anfang einer Vorlesung den Inhalt der letzten Stunde zusammen und üben nebenbei Präsentations- und Kritikfähigkeit. So erlernen Studierende und Dozenten Soft Skills nicht nur theoretisch: Die Hochschullehre fordert sie auch im Uni-Alltag und motiviert die Studenten so, sich Schlüsselqualifikationen anzueignen.
Seminare - freiwillig oder verpflichtend?
Sowohl Wolfgang Scherl als auch die Preisträger von der Bundeswehr konzentrierten sich ganz darauf, ein Seminarprogramm vorzustellen, das Soft Skills vermittelt. Dabei unterschieden sie sich vor allem durch ihre Position in der Frage: Sollten die Seminare freiwillig oder verpflichtend sein? Wolfgang Scherl verwies darauf, dass bei seinen Trainings trotz Freiwilligkeit und Terminen an heißen Sommerwochenenden bislang kein einziger Student abgesprungen sei. Die studierenden Offiziere gingen hingegen davon aus, dass es mit der Motivation der zivilen Studenten nicht so gut bestellt sei, dass man auf Scheinpflicht verzichten könne.
Soft Skills durch ehrenamtliches Engagement
Ein Weg, sich Soft Skills anzueignen, wird oft übersehen - das ehrenamtliche Engagement. Gleich zwei der Preisträger-Gruppen erinnerten an diese Möglichkeit: Die Studenten der Bucerius Law School hatten das Konzept des "Service Learning" in den USA kennen gelernt. Dort ist es weit verbreitet, dass beispielsweise Architekturstudenten einen Spielplatz planen. Das stärkt auch die Beziehungen zwischen Universität und Gesellschaft. Johanna Schuberts "Center für Karriere und Chancen" vermittelt neben Soft-Skill- und Bewerbungstrainings ganz bewusst auch Kontakte zu gemeinnützigen Organisationen. "Am meisten am Herzen liegt mir das ehrenamtliche Engagement", sagt die Preisträgerin, "weil ich denke, dass man da alles verbinden kann, was man kann, was man gelernt hat. Und das alles zum Wohle anderer Menschen. Es ist eine Win-Win-Situation, sich ehrenamtlich zu engagieren."
Der Veranstalter zieht ein Fazit
Robert Gareißen vom Meyer-Camberg-Institut zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen des Wettbewerbs: Die Absicht des Instituts, die Studierenden zu motivieren, sich mit der Vermittlung von Soft Skills auseinanderzusetzen, sei mit Blick auf die zahlenmäßige Beteiligung voll gelungen. Auch die Qualität der Vorschläge überzeugte ihn: "Die Vorschläge - nicht nur die prämierten - sind überwiegend Beleg für ein ausgeprägtes Gespür dafür, was umsetzbar ist, ohne den Sinn für Visionen zur tatkräftigen und zukunftsorientierten Entwickung an den Hochschulen außer Acht zu lassen." Außerdem würden die Einreichungen unterstreichen, dass den Studierenden allgemein bewusst sei, wie dringend Soft Skills in der Uni-Lehre verankert werden müssen. Das Institut werde sich auch weiterhin bemühen, der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen an deutschen Hochschulen entsprechenden Nachdruck zu verleihen.
