Eröffnung der Lernfabrik von McKinsey und TUM
1 KWh Strom = 70 Tassen Kaffee
Energie sparen - klar, das will jeder, und alle wissen auch, wie wichtig das Thema ist. Für den Otto-Normalsparer reicht es vielleicht, zu Hause das Licht auszumachen und nur noch zu duschen anstatt zu baden. Bei großen Firmen und Konzernen sieht das ganz anders aus. Wie genau, zeigen McKinsey und die Technische Universität München (TUM) in ihrer neu eröffneten Lernfabrik für Energieproduktivität.
Fabrik? Ich sitze in der U-Bahn Richtung Münchener Norden, weil ich auf dem Garchinger Campus der TUM die neue Lernfabrik erkunden möchte. Noch kann ich mir nichts darunter vorstellen. Aber das soll sich bald ändern, denn in einem Konferenzraum bei den Maschinenbauern findet die Pressekonferenz der beiden Initiatoren statt.
Kaffeekochen bis zum Umfallen
Eine Handvoll Journalisten, Dr. Detlef Kayser von McKinsey und Professor Reinhart, Leiter des Instituts für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften (iwb) an der TUM, sitzen um einen Konferenztisch herum. "Das Wissen zu Energie und den Einsparpotenzialen ist rudimentär", beginnt Detlef Kayser seine Einführung. "Oder wissen Sie, wie viele Tassen Kaffee man mit einer Kilowattstunde Strom kochen kann?" Nicht? Eben. Genauso ginge es den Unternehmen auch. Sie wüssten zwar, dass sie etwas tun müssten, aber bloß was? "Man sollte das Thema im Management verankern", fordert Kayser. "Neben dem klassischen CEO müsste es auch einen 'Chief Energy Officer' geben."
30 Prozent Einsparpotenzial
Dr. Detlef Kayser, McKinsey-Partner und Leiter der Studie zur Lernfabrik, erklärt, wie viel Geld Unternehmen mit Energieproduktivität sparen könnten.
Die DNA der Firma
Und um das Thema Energieproduktivität "in die DNA des Unternehmens" zu integrieren, hat McKinsey zusammen mit dem iwb die Fabrik aufgebaut. Dort sollen Manager und Ingenieure nicht nur in der Theorie, sondern direkt in der Produktion an der Maschine erfahren, wie viel man tatsächlich sparen kann.
Der Kreislauf von Wissen und Geld
Ressourcen-Effizienz ist das Thema von iwb-Leiter Reinhart. Zusammen mit Mckinsey hat das Institut die Lernfabrik geplant und aufgebaut. Jetzt ist sie in dessen Versuchshalle untergebracht. Professor Reinhart sieht die Fabrik auch als Plattform für die Forschung. Er nennt es den "Kreislauf aus Wissen und Geld": Die Wirtschaft investiert in die Forschung, die kann dadurch mehr forschen und produziert neues Wissen. Das wiederum nutzt die Wirtschaft , kann Kosten sparen und Gewinne wieder investieren.
"Wir gehen am Prozess entlang"
Doch genug erklärt. Wir alle wollen die Fabrik jetzt mit eigenen Augen sehen. Also machen wir uns auf den Weg in die große Produktionshalle des Instituts. Über einem Teil prangt das LEP-Logo, darunter zischt es. "Das sind die Druckluftduschen", erklärt Professor Reinhart. "Die sehen wir uns immer als erstes an, wenn wir in eine Fabrik gehen", ergänzt Detlef Kayser. "Denn die verschwenden am meisten Energie." Aber damit wir uns den Lernauftrag der Fabrik auch gut vorstellen können, gehen wir alle zusammen zunächst am Prozess entlang.
Die Sendung mit der Maus für Erwachsene
Ich staune: Da stehen echt Maschinen, mit Sichtfenster, in denen sich heftig einige Räder drehen. Dort wird ein Zahnrad gefertigt, das erst in einem Ofen erhitzt und nach einem Ölbad mit einer Metallwelle verbunden wird. Einer der Mitarbeiter in der Fabrik zaubert eine Wärmebildkamera hervor. Und plötzlich wird deutlich, was McKinsey und die TU auch Managern klar machen möchten: Am Ein- und Ausgang des Ofens ist die Luft sehr heiß - Wärme, und damit Energie, wird verschwendet. Ich komme mir vor, wie bei der Sendung mit der Maus.
Gespräche an der Hydraulikstation
Nachdem der Rundgang beendet ist, stehen wir - das heißt, die Journalisten, die Mitarbeiter des Instituts und das McKinsey-Projektteam - noch in der Fabrik zusammen. An der Hydraulikmaschine. Eine gute Gelegenheit, mich an Professor Reinhart heranzupirschen: "Wie sieht es denn eigentlich für Studenten aus? Was und wie lernen die hier?" Wie an jedem Lehrstuhl arbeiten auch hier ein paar Hiwis. Zu erkennen sind sie an ihren Fabrikjacken. Die Arbeit ist schmutzig. Die Lernfabrik erweitert aber auch das Ausbildungsangebot der Studenten: In einem zehntägigen Praktikum können sie sich rund um das Thema Energieproduktivität nicht nur theoretisches, sondern vor allem praktisches Wissen aneignen.
Hebel und Knöpfe
Ich bin ganz überfahren von so viel Technik, würde aber gerne noch den ganzen Tag zwischen den Maschinen verbringen. Wer weiß, welche Hebel und Schalter man noch drücken kann? Mit einem Zahnrad-Modul als Abschiedsgeschenk mache ich mich auf den Weg zurück in die Stadt. Irgendjemand muss ja schließlich diesen Text schreiben.
Noch mehr Eindrücke von der Lernfabrik
Hier findest du ein Video und Fotos.
