Allianz Hauptversammlung
Sicherheitscheck und Schnittchenengpass
Ein bisschen hatte ich ja doch auf spektakuläre Störungen gehofft. Die Hauptversammlung der Allianz am 21. Mai 2008 lief jedoch sehr ruhig ab. Und obwohl ich so manche Kennzahl nicht verstand, war der Tag in der Münchner Olympiahalle alles andere als langweilig. Selbst ohne belegtes Brötchen.
Das kann heiter werden, hieß es von verschiedenen Seiten vor der Hauptversammlung der Allianz. Auf der einen Seite würde über eine Dividende abgestimmt, die 45 Prozent über der des letzten Jahres liegt. Auf der anderen Seite erwartete man aber auch entrüstete Kleinaktionäre und lautstarke Aktionärsvertreter. Die Berichterstattung der Presse hatte ihnen in den letzten Wochen Stoff geliefert - schließlich schrieb die Wirtschaftswoche noch am Montag von der möglichen Übernahme weiterer Banken und den rigiden Planvorgaben für Vertriebler. Ob etwas Wahres an diesen Berichten war? Und würden die guten Zahlen des Jahres 2007 die erhitzten Gemüter vielleicht doch etwas abkühlen?
"Bitte alle Metallgegenstände aus den Taschen entfernen..."
Vor der Münchner Olympiahalle war es noch ruhig, kalt und nass. Ein kleines Grüppchen e-fellows fand sich frierend und teilweise noch recht müde bei Ralf Hilscher und Dr. Claudia Küpper aus dem Personalmarketing der Allianz ein. Ralf Hilscher aber ließ sich die gute Laune nicht nehmen und schleuste uns durch den Security-Check - der zum Glück nicht so streng ausfiel wie am Münchner Flughafen. Was ich schon daran erkannte, dass ich meine Stiefel anbehalten durfte.
Das Back Office - allzeit bereit
In der Münchner Olympiahalle war es nicht unbedingt wärmer, aber wenigstens trocken. Ralf Hilscher gab uns eine kurze Einführung in die Unternehmensstruktur der Allianz und den Ablauf der Hauptversammlung. Wer wie ich ein nichtwirtschaftliches Studium absolviert hat, war überrascht über einige Regelungen. Beispielsweise, dass die HV, wie wir Profis die Hauptversammlung inzwischen nennen, ungültig ist, wenn sie länger als bis Mitternacht dauert. Und dass wirklich jede Frage der Aktionäre vom Vorstand beantwortet werden muss. Weil aber selbst die Herren Diekmann (CEO der Allianz SE) und Schulte-Noelle (Aufsichtsratsvorsitzender) nicht jedes Detail auswendig können, saßen hinten in der Halle und in der Hauptverwaltung rund 60 Mitarbeiter im so genannten Back Office. Mit den Händen über der Tastatur warteten sie nur darauf, Zahlen und Daten zu recherchieren und den Vorstand mit wichtigen Infos zu versorgen.
Büttenreden in der Hauptversammlung
Ob das Back Office an diesem Tag ins Schwitzen kam? Ich glaube es weniger: Trotz der hohen Erwartungen an verbale Schlammschlachten lief die Generaldebatte eher unspektakulär ab. Der erste Redner, Vertreter einer Kleinaktionärs- Schutzversammlung, gestaltete seine Fragen noch in Form einer Büttenrede. Die weiteren Fragesteller hielten sich mit Wortspielen zurück, und meist wurde auch die Vorgabe von zehn Minuten Redezeit eingehalten. Allerdings schätzt das Back Office kurze, präzise Fragen nicht unbedingt mehr als die blumigen Ausführungen: Schließlich lassen sie nur wenig Zeit zur Recherche. Auf einen Schwung Fragen folgte dann ein Schwung Antworten.
Leerer Saal und voller Bauch - bei den meisten
Ein freudig angenommenes Angebot war die Live-Übertragung der Hauptversammlung im Catering-Bereich. Dort fanden sich gegen Mittag die meisten der Aktionäre ein und folgten schnittchenkauend den Ausführungen von Diekmann, Achleitner (Finanzen), Faber (Asset Management) und Zedelius (Wachstumsmärkte Versicherungen) zu den beiden großen Themen des Tages: Wie wird weiter mit der Dresdner Bank vorgegangen? (Wie bisher geplant.) Ist die um rund 45 Prozent erhöhte Dividende nun gut oder schlecht für die Aktionäre? (Gut, sagt der Vorstand.) Soll der Vorstand wirklich entlastet werden angesichts seiner Aussagen zu den vorgenannten Themen? Dazu steht fest: Er wurde entlastet - mit 99,8 Prozent der gültigen Stimmen.
Fazit
"Das kann ja heiter werden", hatte auch ich mir gedacht - schließlich habe ich von Bilanzen und Versicherungen keine Ahnung. Bei einigen der PowerPoint-Charts ploppten dann auch große Fragezeichen über meinem Kopf auf. Gelangweilt habe ich mich dennoch nicht bei meiner ersten Hauptversammlung - auch wenn sie gemäßigter ablief als erwartet. Nur ein wenig geärgert habe ich mich: Ich konnte mich im Catering-Bereich nicht weit genug vorkämpfen, um noch ein Schnittchen für den Heimweg zu ergattern.
