von Lukas Oldenburg

Umfrage zur Familienplanung

Ohne Krippe keine Kinder?

Wie planen die e-fellows ihre Zukunft? Wie bringen sie Familie und Beruf unter einen Hut? Und würden sie dem Arbeitgeber einen Korb geben, wenn dieser nicht familienfreundlich genug ist? An unserer aktuellen Umfrage haben insgesamt 1.108 Stipendiaten und Member teilgenommen und geben sich durchaus selbstbewusst: Über ein Drittel würde einen Arbeitgeber ablehnen, der nicht genügend Luft lässt, um Beruf und Familie zu vereinbaren.

Vor allem Frauen beschäftigt das Thema
Betrachtet man zunächst, wie viele Frauen und Männer an der Umfrage teilgenommen haben, so sieht man bereits deutlich, wem der Schuh bei diesem Thema ganz besonders drückt: Fast zwei Drittel (65,2 Prozent) der Teilnehmenden waren weiblichen Geschlechts. Und das, obwohl die Verteilung unter den e-fellows.net-Stipendiaten eigentlich genau umgekehrt ist. Die Befragten sind durchschnittlich etwas über 25 Jahre alt.

Kinder- und Heiratswunsch folgen kurz aufeinander
Fragt man die e-fellows, in welchem Alter sie bestimmte Lebensabschnitte erreicht haben wollen, so liegen sie im Bevölkerungstrend. So wollen die allerwenigsten mit 23 noch bei Mama sitzen oder sind vor Erreichen dieses Alters bereits von zu Hause ausgezogen. Das Studium beenden sie oder wollen sie im Schnitt mit rund 26 Jahren abschließen, mit dem Partner ziehen sie mit 27 bis 28 Jahren zusammen. Bis dahin wollen sie auch finanziell unabhängig sein. Wer heiraten will – das geschieht bei den e-fellows im Schnitt mit etwa 30 –, möchte meist kurze Zeit später auch das erste Kind.

Berufliche Ziele und Partnerschaft sind vereinbar
Geht es um ihren Partner, so zeigen sich die e-fellows durchweg kompromissbereit. Am wenigsten würde es ihnen ausmachen, für den Lebensgefährten umzuziehen. So erzielt auf einer Skala von 0 (=ja, bestimmt) bis 3 (nein, auf keinen Fall) der Umzug für den Partner den Durchschnittswert 0,8. Auch Arbeit nur in der Region zu suchen, in welcher der Partner seinem Beruf nachgeht, können sich die meisten vorstellen (1,2). Am wenigsten Begeisterung kommt auf, wenn man danach fragt, ob die e-fellows für eine längere Fernbeziehung bereit wären oder auf eine Beförderung verzichten würden, wenn diese Beförderung mit einer Versetzung verbunden wäre. Vor allem Männer sträuben sich ein wenig stärker dagegen, für längere Zeit vom Partner entfernt zu leben (1,5). Frauen würden hingegen nur zögerlich eine Beförderung mit Versetzung ablehnen (1,5).

Die Zukunft der e-fellows: ein Kindersegen?
Bestünde Deutschland nur aus e-fellows, könnte man auf die Debatte um die Demografie getrost verzichten: Nur etwa drei Prozent der e-fellows wollen gar keine Kinder haben – bundesweit sind es laut Hertie-Stiftung rund 20 Prozent. Durchschnittlich wünschen sich die e-fellows sogar 2,3 Kinder. Auch hier liegen sie deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 1,7 Kindern.

Männer, die dem Trend trotzen
Bemerkenswert ist im Hinblick auf den Kinderwunsch auch, dass die Wünsche männlicher e-fellows ebenfalls nicht die Tendenzen in Deutschland widerspiegeln: Bundesweit möchten Männer weniger Kinder als Frauen. Die männlichen e-fellows hingegen liegen mit durchschnittlich 2,46 gewünschten Kindern sogar über ihren weiblichen Kolleginnen, die nur 2,27 Kinder haben wollen.

Du bleibst erst mal bei Mama...
Und wenn das Kind da ist, wer nimmt dann die Babypause? Hier hat Ursula von der Leyens Elterngeld der Debatte neuen Schwung gegeben. Bleibt bei den e-fellows alles beim Alten? Zumindest gehen die Vorstellungen bei Mann und Frau ein wenig auseinander: 36,5 Prozent der Herren, die Kinder wollen, erwarten, dass die Partnerin sich eine Auszeit nimmt. Bei den Damen würden nur etwas unter 3 Prozent dasselbe vom Partner erwarten. Und die künftigen Väter wären hierzu auch gar nicht bereit: Nur 2 von 381 würden die Babypause gänzlich alleine auf sich nehmen; aber auch bei den Müttern sind es nur ein Viertel. Dafür finden partnerschaftliche Modelle am meisten Anerkennung: Eine deutliche Mehrheit bei den Frauen und 45 Prozent der Männer können sich vorstellen, bei der Babypause abzuwechseln (siehe Abbildung).

Wer nimmt die Babypause?
(in Prozent, ohne diejenigen, die keine Kinder möchten)
 männlich.|weiblich.
mein/e Partner/in|36,5|2,8
ich|0,6|25,0
beide abwechselnd|45,0|59,5
kann ich nicht sagen|18,0|12,7


Kind und Karriere – der Optimismus überwiegt
Kinder großziehen und gleichzeitig Karriere machen – was viele für unmöglich halten, erscheint den meisten e-fellows für vereinbar: Nur 26 Prozent der weiblichen und gar nur 12 Prozent der männlichen e-fellows können sich eher schlecht oder überhaupt nicht vorstellen, Beruf und Kinder zu vereinbaren.

Ein Jahr Pause und nicht mehr
So viel zu den allgemeinen Wünschen und Vorstellungen. Fragt man nun konkret nach, zu welchen beruflichen Kompromissen e-fellows bereit wären, um Kinder zu bekommen, so ergibt sich folgendes Bild: Frauen sind deutlich kompromissbereiter. Sie könnten sich in stärkerem Maße vorstellen, ein Jahr auf den Beruf zu verzichten oder in Teilzeit zu arbeiten. Nur der Verzicht auf die Beförderung fiele Männern ein wenig leichter. Mehr als ein Jahr wollen aber die allerwenigsten auf die Karriere verzichten.

Nach Geld vom Staat schreien nur wenige
Kindergeld oder Elterngeld statt Kinderkrippen: Mehr als in den meisten anderen Ländern gewährt der deutsche Staat seinen Bürgern die Leistungen in Form von Bargeld. Hört man auf die e-fellows, scheint das aber der falsche Weg zu sein: Nur 38 Prozent halten Elterngeld oder sonstige finanzielle staatliche Unterstützungen für entscheidend.

Kommen Krippen, kommen auch die Kinderlein
Stehen hingegen Kinderkrippen zur Verfügung, ist der Kinderwunsch leichter zu verwirklichen. Das sehen drei Viertel Prozent der weiblichen und 62 der männlichen e-fellows so. Bei der Frage, unter welchen Bedingungen sie bereit wären, Kinder zu bekommen, liegt an zweiter Stelle die Sicherheit, auch nach einer längeren Pause wieder im Unternehmen einsteigen zu können. Das geben zwei Drittel der Frauen und knapp über die Hälfte der Männer an. Unmittelbar darauf folgt die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit, die fast zwei Drittel der Frauen als Möglichkeit sehen, Kinder und Beruf zu vereinbaren. Männern scheinen generell weniger Rahmenbedingungen auszureichen – vielleicht auch, weil sie ja ohnehin stärker davon ausgehen, dass die Partnerin sich um die Kleinen kümmern wird.

Finanzielle Sicherheit und der richtige Partner
Bei der Frage nach den Rahmenbedingungen für Kinder konnten die e-fellows aber auch offene Antworten eintragen (siehe Abbildung). Am häufigsten genannt wurden hier finanzielle Sicherheit, ein unterstützender Partner, flexible Arbeitszeiten, sichere Arbeitsverträge und allgemein der Wunsch nach mehr gesellschaftlicher Akzeptanz von arbeitenden Müttern.

Was müsste gewährleistet sein, damit du Kinder bekommen könntest? Eine Auswahl der offenen Antworten

  • Anerkennung meines Status als Mutter und ZUGLEICH leistungsstarke Mitarbeiterin
  • bedingungsloses Grundeinkommen
  • Arbeitsverträge nicht nur für ein Jahr
  • Die Sicherheit, dass meine Karriere in keiner Form darunter leiden wird und ich meinen Job für höchstens ein paar Monate aufgeben muss.
  • Eine Gesellschaft, die es wirklich wert wäre, neue Kinder geschenkt zu bekommen.
  • eine stabile Partnerschaft
  • Gleitzeit ohne Kernarbeitszeit
  • Kinderentscheidung ist eine Lebensentscheidung und nicht von solchen Faktoren abhängig. Wenn man es möchte, findet sich immer ein Weg.
  • Kinder zu haben sollte als Vorteil für die Entwicklung von Soft-Skills wahrgenommen werden
  • Keine ständigen Dienstreisen! Auch ein berufstätiger Vater kann sehr gut für seine Kinder sorgen, wenn er nicht dauernd von seiner Firma zu Dienstreisen genötigt wird!


Keine Krippe, keine Zusage?
75 Prozent der weiblichen e-fellows wollen also nur Kinder, wenn ihnen auch jemand eine Kinderkrippe stellt. Aber spielt es umgekehrt auch bei der Entscheidung für oder gegen einen Arbeitsplatz eine Rolle, ob der Arbeitgeber Möglichkeiten anbietet, mit denen sich Kind und Karriere vereinbaren lassen? Hier zeigen sich die e-fellows selbstbewusst: Immerhin 38 Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer würden einen Arbeitgeber ablehnen, der ihnen keine Möglichkeiten böte, Beruf und Buggy gleichermaßen zu führen. Für weitere 53 Prozent ist ein familienfreundlicher Arbeitgeber zwar wichtig, aber kein K.O.-Kriterium. Nur 9 Prozent der Frauen und 19 Prozent der Männer halten dies für weniger oder gar nicht wichtig.

Wie familienfreundlich muss der Arbeitgeber sein?
("Spielt es bei der Wahl deines Arbeitgebers eine Rolle, ob dieser Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Kind und Karriere (Teilzeit, Kinderkrippe etc.) anbietet?")
 männlich.|weiblich.
Ja, bestimmt|27,8|38,5
Ja, ist aber kein K.O.-Kriterium|53,5|52,1
Eher weniger|15,1|8,1
Nein, ist egal/unwichtig|3,6|1,4

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