Evaluation der Lehre
Hinter halbverschlossenen Türen
Die Evaluation der Lehre hat mittlerweile an beinahe jeder deutschen Hochschule Eingang gefunden. Das bestätigt auch unsere Umfrage, an der 327 e-fellows teilgenommen haben: Fast alle haben schon einmal ihren Prof evaluiert. Trotzdem bleibt ein Manko: Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten können öffentlich einsehen, wie ihr Dozent abgeschnitten hat.
Lediglich fünf Teilnehmer geben an, dass sie in ihrem Studium noch nie evaluieren durften. Was zunächst erfreulich klingen mag, wird dadurch gemindert, dass nicht einmal die Hälfte (43 Prozent) vorgeben, dass die Evaluation in allen Lehrveranstaltungen durchgeführt werde. Das mag einerseits daran liegen, dass immer noch viele Professoren die Kritik scheuen, andererseits lassen viele Fakultäten zum Beispiel nur Vorlesungen bewerten. 14,4 Prozent sagen, dass sie ihre Dozenten nur in den wenigsten Veranstaltungen bewerten dürfen, und bei knapp zwei Prozent der Teilnehmer gab es Lehrevaluation zwar in der Vergangenheit, heute jedoch nicht mehr.
Wer koordiniert die Evaluation?
Knapp zwei Drittel sagen, dass an ihrer Hochschule eine universitätsinterne Organisation die Evaluation durchführt. Nur sieben Teilnehmer meinten, dafür sei ein externes Unternehmen zuständig. Bei einem Zehntel der Befragten wird die Vergleichbarkeit der Ergebnisse dadurch eingeschränkt, dass jeder Dozent seine eigenen Fragebögen verwende. 15 Prozent sagen, es gebe eine Mischform aus dozenteneigenen Fragebögen und solchen, die eine zentrale Organisation zur Verfügung stelle.
Und? Bringt's was?
Unter denjenigen, die die Evaluationsergebnisse an ihrer Hochschule schon einmal gesehen haben, meinten immerhin 40 Prozent, dass der Dozent durch die Evaluation seine Unterrichtsweise verbessert habe. 37 Prozent finden, das sei eher die Ausnahme, während ein knappes Viertel nicht den Eindruck hat, dass durch die Evaluation sich irgendetwas an ihren Dozenten verbessert habe. Unabhängig davon halten neun von zehn e-fellows die Evaluation der Lehre für sehr oder ziemlich wichtig.
Dozenten so bezahlen, wie sie lehren?
Bei einer der umstrittensten Fragen zeigen sich die e-fellows kompromissbereit. Knapp zwei Drittel (61,5 Prozent) finden, dass Dozenten nach ihren Evaluationsergebnissen bezahlt werden sollten, aber nur, wenn der Einfluss auf die Bezahlung gering bleibt. Ein Viertel sträubt sich gegen jede Form von evaluationsabhängigem Lohn – ein Professor sei schließlich ohnehin nicht des Geldes wegen Professor geworden, argumentiert ein Teilnehmer hierzu beispielsweise in einem Freitextkommentar. Etwa 14 Prozent sind der Meinung, dass man Dozenten konsequent so bezahlen sollte, wie sie lehren, und plädieren für eine stark evaluationsabhängige Bezahlung.
Individuelle Erfahrungen
Interessant war bei dieser Umfrage die hohe Zahl an großteils sehr interessanten Freitextantworten zu eigenen Erfahrungen oder Kommentaren. Im Kasten unter diesem Artikel findest du einige exemplarische Antworten.
"Antworten wie von pubertierenden Teenies"
- eine Auswahl der Freitextkommentare
- Pro:
- Auch wenn es bei der anonymen Evaluation hin und wieder zu verbalen Entgleisungen kommt, ist der Effekt insgesamt extrem positiv. Viele Professoren greifen die Evaluationsergebnisse auf und diskutieren mit den Studierenden über ihre Vorlesungsmethoden.
- Ich finde die Evaluation als Möglichkeit, sich anonym äußern zu können, bestens geeignet. Wie oft schreibt man einem Prof schon eine Mail, dass er absolut langweilig ist und man sich von ihm nicht ernst genommen fühlt? Bei 300 Leuten in der Vorlesung löst man da lieber Sudokus. Da die Ergebnisse den Studenten zugänglich gemacht werden, kann jeder einzelne erkennen, ob sein Bild von einer ordentlichen Lehrveranstaltung auch von anderen geteilt wird.
-
90 Prozent unserer Professoren vertragen die Evaluation ganz gut. Die restlichen 10 Prozent reagieren extrem verärgert, wenn man sie schlechter als erwartet bewertet und drohen mit härteren Prüfungen und höheren Durchfallquoten.
Contra:
- Evaluierung einer Lehrveranstaltung ist teilweise Voraussetzung für den Erhalt der Endnote und wird daher zum Teil von Studenten nicht gewissenhaft erledigt, sondern als "notwendiges Übel" angesehen.
- Generell halte ich eine Evaluation für richtig. Allerdings habe ich schlechte Erfahrungen damit gemacht: Erstens wird sie über einen standardisierten Fragebogen durchgeführt, der in allen Vorlesungen sowie dessen Übungen und Tutorien die gleiche (oft sehr fachunspezifische) Struktur hat, was zu Lustlosigkeit, gar Gleichgültigkeit bei den Ausfüllenden führt. Zweites Manko, das ich festgestellt habe, ist ein Verhalten der Studenten in ihrer Kommentierweise, die eher auf pubertierende Teenies schließen lässt. Meist wird auf Nebensächlichkeiten herumgeritten. Drittens hat die Evaluation keinerlei Auswirkungen und wird anscheinend nur aus Akkreditierungsgründen durchgeführt. Diese Gründe führen dazu, dass die ganze Aktion nur als "Papierkram am Ende des Semesters" erscheint und nicht mit dem nötigem Ernst durchgeführt wird. Somit hat sie eindeutig ihr Ziel verfehlt!
-
Professoren, die einen lustigen Entertainer spielen, sympathisch sind oder auch einfach nur gut aussehen, bekommen viel leichter bessere Noten als die Größen ihres Faches, die auch von ihren Studenten ein höheres Niveau verlangen. Letztere bekommen schlechtere Noten, da die, die dann nicht mehr mitkommen, der Ansicht sind, daran seien nur der Prof und sein schlechter Vorlesungsstil schuld. Ich bin daher der Ansicht, dass eine objektive Bewertung der Qualität einer Lehrveranstaltung durch Studenten nicht möglich ist. Darum sollte der Eindruck, den die Lehrveranstaltung bei den Studenten hinterlässt, nur ein Teil der Bewertung sein und schon gar nicht über die Bezahlung des Professors entscheiden. Der Professor ist kein Alleinunterhalter, der von der Zustimmung seines Publikums leben muss!
Sonstige Meinungen und Kommentare
- An der TU München werden seit 1,5 Jahren die Ergebnisse der Evaluation vor Veröffentlichung von den Professuren zensiert.
- Die Evaluation von Professoren sollte mehr Einfluss auf die Bezahlung der Professoren haben und sollte bundesweit veröffentlicht werden, um damit einen gewissen Druck auf die Professoren auszuüben. Wenn die Ergebnisse veröffentlicht werden, haben die Professoren ein Interesse daran, gut abzuschneiden, und verbessern dadurch möglicherweise ihren Unterrichtsstil.
