Easterlin-Paradox bei Begabten
Erfolg macht glücklich. Oder?
Wer begabt oder besonders erfolgreich in Studium oder Beruf ist, der sollte doch eigentlich zufriedener mit seinem Leben sein. Die Umfrage zum Thema "Wie glücklich seid ihr mit eurem Leben zurzeit?" in der e-fellows.net community führte zu einem anderen Ergebnis.
Von 271 Umfrage-Teilnehmern gaben 223 e-fellows an, wie glücklich sie sind. Das Ergebnis: Nur 47,5 Prozent fühlen sich sowohl beruflich als auch privat glücklich. Das ist nicht besonders viel, wenn man eine deutschlandweite Umfrage betrachtet, in der sich fast 60 Prozent der Deutschen als glücklich bezeichnen (TNS-Emnid-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung 2007).
Das Easterlin-Paradox
Diese Werte passen gut zu einem Phänomen, das Ökonomen als das "Easterlin-Paradox" kennen: Menschen fühlen sich mit steigendem Lebensstandard nicht glücklicher. Und gerade Begabte wie die e-fellows.net-Stipendiaten, haben gute Aussichten auf ein hohes Gehalt und einen festen Arbeitsplatz.
Unglückliche Perfektionisten
Warum aber fühlen sich Begabte unglücklicher als andere? Ein e-fellow vermutete, dass Begabte sehr hohe Anforderungen an sich selbst stellen, gerade weil sie so begabt sind. Und wenn sie an ihnen scheitern, sind sie enttäuscht und unzufrieden. Kein Wunder, dass 15,2 Prozent der Teilnehmer sich sowohl im Beruf wie auch im Privatleben unglücklich fühlen und die restlichen 37,3 Prozent teilweise unglücklich sind.
Die Macht der Gewohnheit
Laut den Ökonomen, die das Easterlin-Paradox untersucht haben, verlangt der Mensch immer nach mehr. Seine Ziele und Ansprüche wachsen, wenn sich seine Chancen verbessern. Er gewöhnt sich viel zu schnell daran, dass es ihm besser geht. Wohlstand empfindet er als selbstverständlich und Stillstand als Rückschritt. Sehr treffend drückte das ein e-fellow aus: "Erfolg nutzt sich als Glücksbringer sehr schnell ab, sobald der Adrenalinspiegel leicht sinkt."
Keine Zeit fürs private Glück?
Aber braucht man zwingend Erfolg in Beruf oder Studium, um glücklich zu sein? Vielleicht liegt der unterdurchschnittliche Glückspegel bei den e-fellows ja gerade daran, dass sie vor lauter beruflichen und akademischen Erfolgen keine Zeit mehr fürs private Glück haben. So sind von den teilweise unzufriedenen e-fellows zwei Drittel zwar mit ihrem Studien- und Berufsleben zufrieden, nicht aber im Privaten.
Erfolgreich, jung sucht …
Ein e-fellow berichtete, dass seine bisherigen Beziehungen alle kaputt gegangen sind, weil er so viel Zeit für sein Studium verwendet hat. Jetzt hat er zwar einen super Abschluss, steht aber alleine da. Hand in Hand geht diese Erkenntnis mit den Schwierigkeiten bei der Partnersuche, die die e-fellows in einer anderen Umfrage beklagten.
Zu anspruchsvoll
Die Ursachen sind vielfältig, aber auch hier passt vielleicht die Aussage eines e-fellows: "Menschen mit einem einfachen Leben sind oft schon mit kleineren Dingen glücklich zu machen, auch wenn es sich um etwas Nichtmaterielles wie eine Beziehung handelt." Oft fordern gerade Begabte zu viel von sich und ihren Mitmenschen, um glücklich zu werden.
