Studieren in Spanien
Hochschullandschaft
Boom der Hochschulen
Die Schwierigkeiten der Universitäten diesseits und jenseits der Pyrenäen ähneln sich: Allein in den vergangenen 20 Jahren hat die Zahl der spanischen Studierenden fast verdoppelt. Insgesamt studieren an den 70 spanischen Universitäten rund 1,5 Millionen Studenten. Vor allem die 48 staatlichen Hochschulen sind angesichts dieses Booms organisatorisch und finanziell überfordert.
Autonome Gemeinschaften
Die staatlichen Universitäten unterstehen dem spanischen Erziehungsministerium. Zum Teil werden sie jedoch von den Regierungen der 17 Comunidades Autónomas (Autonome Gemeinschaften) verwaltet. Das sind politische Einheiten auf regionaler Ebene. Besonders die Autonomen Gemeinschaften in Regionen mit langer Tradition sprachlicher und kultureller Eigenständigkeit regeln Hochschulangelegenheiten weitgehend selbst. Dazu gehören etwa Katalonien und das Baskenland.
Das hat auch für deinen Studienaufenthalt Folgen: Vorlesungen in Barcelona finden zum Beispiel überwiegend in katalanischer Sprache statt. Daher sind Grundkenntnisse der Regionalsprache für das Studium im spanischen Nordosten ratsam.
Das spanische Erziehungsministerium legt jedoch nach wie vor einheitlich die landesweit gültigen Studienabschlüsse fest. Sie sind im "Catálogo de Títulos Oficiales" verzeichnet. Auch die Zulassungsvoraussetzungen für Studierende und die Einstellungsvoraussetzungen für Professoren regelt das Staatsministerium.
Finanzierung der Hochschulen
Die staatlichen Hochschulen werden überwiegend von den Regierungen der Comunidades Autónomas finanziert. Die Studiengebühren machen rund 20 Prozent der universitären Haushalte aus. Der Rest stammt aus Drittmitteln.
Struktur
Die spanische Universität (universidad) bietet Hochschul- und Fachhochschulausbildung unter einem Dach. Sie ist eine integrierte Hochschule, die ebenso den klassischen Fächern in den Fakultäten Raum gibt wie auch den Ingenieurwissenschaften in den Escuelas Politécnicas Superiores. In den Escuelas Universitarias oder Escuelas Universitarias Politécnicas können spanische Studierende einen berufsqualifizierenden Abschluss nach drei Jahren erwerben.
Die spanische Universitätserziehung ist kostenpflichtig. Die Studiengebühren sind im internationalen Vergleich jedoch niedrig: Mit mindestens 500 Euro pro Jahr musst du allerdings rechnen.
Geschichte
Im 19. Jahrhundert war von der einstigen Blüte der spanischen Universitäten des Mittelalters nicht mehr viel übrig. Die Diktatur Francos (1939-1975) schnitt die Hochschulen des Landes noch stärker von der Entwicklung in Westeuropa ab. Erst gegen Ende der Militärherrschaft zeigten sich erste Veränderungen.
1978 wurde eine demokratische Verfassung verabschiedet. Das Königreich Spanien trat der Europäischen Gemeinschaft bei. Die spanischen Universitäten glichen sich allmählich den Hochschulen anderer europäischer Länder an.
