Studieren in Brasilien

Hochschullandschaft

Brasilianer sind freundlich, hilfsbereit und meist recht unbürokratisch. Deshalb sollte man keine Scheu haben, sich in gebrochenem Portugiesisch oder gar auf Englisch an die Unis zu wenden. Interessierte können sich an der jeweiligen Universität über die Besonderheiten des gewählten Studienortes informieren. An allen Hochschulen gibt es ein "departamento das relações internacionais" oder eine allgemeine Abteilung, die sich um internationale Beziehungen kümmert.
 

Der richtige Studienort
 Attraktive Städte sind das kulturell faszinierende São Paulo und das landschaftlich kaum zu überbietende Rio de Janeiro. In diesen Städten befinden sich auch die landesweit berühmtesten Universitäten mit den am besten ausgestatteten Bibliotheken. Dem letzten Punkt kommt besonderes Gewicht zu. Denn die Bibliotheken sind in Brasilien leider oft miserabel bestückt. Neue Bücher aus dem laufenden oder vorigen Jahr sind fast nicht erhältlich.
 

Wichtig: Der Ruf und die Kosten
 Was die Wahl der geeigneten Universität betrifft, spielen zwei Faktoren die entscheidende Rolle: Renommee und Kosten. Die brasilianische Hochschullandschaft kann grob in die kostenlosen öffentlichen und die teilweise recht teuren Privatuniversitäten unterteilt werden. Um Studiengebühren zu sparen, versuchen Brasilianer an öffentliche Universitäten zu gelangen. Deshalb ist hier der Konkurrenzkampf um einen Studienplatz besonders groß und der Eingangstest (vestibular) gilt als besonders schwierig. Die besten Studenten sammeln sich also an den öffentlichen Universitäten, die landesweit auch den besseren Ruf haben.
 

Öffentliche Hochschulen
 Als Gaststudent, der sich für einige Kurse (matérias isoladas) einschreiben möchte, musst du den 'vestibular' nicht bestehen. Öffentliche Universitäten stellen daher eine attraktive Option dar. Besonders bekannt sind die öffentlichen Hochschulen in folgenden Städten:

 

Vorsicht bei privaten Unis in Brasilien
 Es gibt einige interessante private Universitäten. Man sollte allerdings genau darauf achten, ob es sich um eine anerkannte Institution handelt. Denn besonders in Rechts- und Wirtschaftswissenschaften gibt es eine Vielzahl privater Hochschulen, bei denen all die Studenten reicher Eltern landen, die den 'vestibular' einer renommierten öffentlichen Universität nicht bestanden haben. Entsprechend niedrig ist dann auch das Niveau der Kurse.
 

Zeigt her eure Bewertungen!
 Jährlich bewertet das brasilianische Bildungsministerium (Ministério da Educação) öffentliche und private Fakultäten. Die Bewertung basiert auf einem Test, dem sich die Studenten der verschiedenen Fakultäten jährlich unterziehen müssen, dem so genannten "provão". Die Studenten werden im Vergleich zu den anderen Studenten des Fachbereichs mit den Noten A (weit überdurchschnittlich) bis E (weit unterdurchschnittlich) eingestuft. Je besser die Studenten abschneiden, desto besser dürfte die Qualität der Ausbildung an der Hochschule sein. Allerdings erhält die Bewertung keine Informationen über Ausstattung und Infrastruktur der Universität, wie Bibliotheken oder Labore. Wegen der teilweise miserablen Bibliotheksausstattung sollte man deshalb zusätzlich unbedingt mittels des jeweiligen Online-Katalogs prüfen, ob aktuelle Bücher in den Fachbereichen vorhanden sind.
 Die aktuellen Ergebnisse des "provão" hat das brasilianische Bildungsministerium auf einer Internetseite zusammengestellt. Unterschieden wird dabei nach Universität und nach den einzelnen Fachbereichen: www. educacaosuperior.inep.gov.br
 Besonders gute Bewertungen bekommen unter den privaten Unis die Katholische 'Pontifícia Universidade Católica' (PUC), die es in fast jeder größeren Stadt gibt. Die PUC in Rio, São Paulo, Belo Horizonte, aber auch in anderen Städten ist sehr zu empfehlen.
 

Professor als Nebenjob
 Die Gehälter für Professoren an öffentlichen Unis sind mit maximal etwa 2.000 Euro pro Monat sehr gering. Professoren unterrichten deshalb meist nur wegen des Renommees an öffentlichen Hochschulen. Parallel arbeiten sie an den viel besser bezahlenden Privatuniversitäten oder in der Wirtschaft. Als Konsequenz dieser Entwicklung kann es an öffentlichen Unis passieren, dass sich der Professor für die Studenten überhaupt keine Zeit nimmt oder gar nicht zur Vorlesung kommt.

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