Schulen
Naturwissenschaften als Marke
Initiativen und Stiftungen aus der Wirtschaft helfen Schulen, ein klares Profil zu entwickeln und sich zu vernetzen. Innovative Projekte locken Kooperationspartner von Forschungseinrichtungen und Unternehmen an.
Lernen und forschen: Für die Oberstufenschüler des Friedrich-Koenig-Gymnasiums in Würzburg gehört das zusammen. Sie untersuchen im Lernlabor den Tast- und Geschmackssinn der Venusfliegenfalle. "Die Ergebnisse werden konkret in ein Forschungsprojekt der Würzburger Universität einfließen", erzählt Biologielehrer Christian Lorey. Naturwissenschaften und Technik bilden das Profil der Schule, die viele fächerübergreifende Projekte anbietet. Mit Erfolg: Viele Schüler studieren später ein naturwissenschaftliches Fach.
Unterstützung bekommt das Vorbildgymnasium durch einen Verein mit dem etwas komplizierten Namen "Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen" - kurz Verein Mint-Ec. Der wurde vor zehn Jahren auf Initiative der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände gegründet und ist heute eine der langlebigsten Bildungsinitiativen im Mint-Bereich, der für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik steht.
Plattformen für Lehrer und Schüler
Die Mint-Bewegung an den Schulen hat durch die Diskussion über den Fachkräftemangel bei Ingenieuren und Naturwissenschaftlern an Fahrt gewonnen. Die Wirtschaft engagiert sich seit langem dafür, mehr Schüler für naturwissenschaftliche Studien und Ausbildungsgänge zu gewinnen: Mit "Mint. Zukunft schaffen" gibt es seit 2008 eine von Unternehmen und Verbänden geförderte Plattform im Netz. Ein neues Webportal zu Mint-Programmen ist gerade in Baden-Württemberg auf den Weg gebracht worden. In Nordrhein-Westfalen zählt eine Web-Site der dortigen Unternehmerverbände Projekte von der Früherziehung bis zum Gymnasium auf.
Bundesweite Initiativen, die sich speziell an Schulen wenden, sind jedoch rar und stoßen auf reges Interesse. "Wir hatten 2009 und 2010 deutlich mehr Bewerbungen", sagt Benjamin Burde, Geschäftsführer des Vereins Mint-Ec, der unter anderem von der Siemens Stiftung, dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall, der Deutschen Telekom AG und dem Hasso-Plattner-Institut gefördert wird. Die Initiative betreut bundesweit 132 Schulen mit naturwissenschaftlichem Profil; 17 neue Mitgliedsschulen wurden im Jubiläumsjahr aufgenommen.
Auch öffentliche Anerkennung lockt die Schulen. Das Friedrich-Koenig-Gymnasium wurde für seinen innovativen Unterricht im Dezember mit dem ersten Preis des Siemens Stiftung Award ausgezeichnet. Der wird alle zwei Jahre vergeben. "Ein langfristiges Engagement ist uns wichtig", sagt Barbara Filtzinger, zuständig für den Bereich Bildung bei der Siemens Stiftung. Es gehe bei dem Preis darum, die Schulen als Ganzes zu unterstützen und nicht nur einzelne Projekte zu fördern. Auch mit Projekttagen zu Themen wie "Klimawandel und Schule" und bei bundesweiten Infotagen engagiert sich die Stiftung.
Das große Interesse am Verein spiegelt aber auch die Wettbewerbssituation der Schulen wider: Sie müssen ihr Profil stärken, um attraktiv für Schüler zu bleiben und junge Lehrer als Nachwuchskräfte anzuziehen, sagt Burde. Alle drei Jahre unterziehen sich die Mitgliedsschulen deshalb einer erneuten Zertifizierung. Neben dem Mint-Profil werden die Teilnahme an naturwissenschaftlichen Wettbewerben und die Kooperation mit Hochschulen und Unternehmen bewertet.
Unternehmen werden Partner
Für die Schulen ist das naturwissenschaftliche Profil ein Markenzeichen, das hilft, Kontakte nach außen weiter auszubauen. Kooperationen laufen dabei auf unterschiedliche Weise: So hat das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Wismar als Mint-Ec-Schule gemeinsam mit der Telekom Stiftung im Oktober die erste Junior Ingenieur Akademie in Mecklenburg eingerichtet. Das Friedrich-Koenig-Gymnasium in Würzburg hat mit Hilfe des Druckmaschinenherstellers Koenig und Bauer eine Sternwarte gebaut.
Noch aber sind die Mint-Ec-Schulen mit ihren guten Kontakten zur Wirtschaft Leuchttürme im grauen Schulalltag. 300 Mitgliedsschulen sollen es einmal werden, plant Burde. Das ist ein ambitioniertes Ziel. Denn viele Schulen scheitern an der Einrichtung eines naturwissenschaftlichen Profils, weil es Konflikte im Lehrerkollegium gibt, welche Fächer im Vordergrund stehen sollten. Außerdem fehlen stabile Rahmenbedingungen - für Geschäftsführer Burde ein klares politisches Versäumnis. Die Politik sei nicht in der Lage, für Nachwuchslehrkräfte und eine solide Ausstattung an den Schulen zu sorgen.
Hier will der Verein Standards setzen: Um die Weiterentwicklung der Schulen zu sichern, gibt es Fortbildungen für Lehrer, Veranstaltungen mit Unternehmen sowie ideelle und materielle Unterstützung. Der Austausch im Verein Mint-Ec sorgt dafür, dass Schulen wie dem Friedrich-Koenig-Gymnasium die Ideen nicht ausgehen. Angeregt durch den Verein haben die Würzburger Schüler ein Projekt mit einem Kindergarten gestartet, um auch kleinere Kinder schon für physikalische Experimente zu begeistern.
Vernetzung
Mint-Bewegung
Seit Jahren versuchen Initiativen, die von Unternehmen und Verbänden unterstützt werden, eine Vernetzung naturwissenschaftlicher und technischer Projekte zu erreichen. Zu den größten Initiativen gehören das Portal www.mintzukunftschaffen.de und die Web-Site des Bildungsministeriums www.komm-mach-mint.de.
Mint-Ec-Verein
Eine Projektkarte auf der Web-Site verzeichnet die Mitgliedsschulen des "Vereins mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen": www.mint-ec.de
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