Stadtratssitzung Würzburg
Von Fahrrädern und Fraktionen
e-fellow Markus Böger (23) studiert Biologie in Würzburg. Mit seiner City Group tauschte er Hörsaal gegen Rathaus und berichtet von leidenschaftlichen Diskussionen über Fahrradständer.
Titel und Thema der Veranstaltung
Besuch der Stadtratssitzung in Würzburg am 12. November 2009
Zeit, Ort und Dauer der Veranstaltung
14 Uhr, Rathaus Würzburg, einstündige Einführung durch zwei Stadträte, dann Besuch der Sitzung.
Teilnehmerzahl
Sechs e-fellows und die beiden Stadträte Aron Schuster und Emanuele La Rosa.
Vom Stammtisch in den Stadtrat
Das Wintersemester startete und es war wieder einmal Zeit für den ersten Stammtisch der Würzburger e-fellows. Wie so oft kamen neben alten Hasen auch ein paar neue Gesichter und mit ihnen neue Ideen in die Gruppe. Für dieses Semester kam der Vorschlag, sich eine Stadtratssitzung anzuschauen. Die Idee entstand übrigens nicht ohne jeden Hintergedanken, ist doch unser City Group Leiter Tobias Müller ein Frontmann einer bekannten Hochschulgruppe.
Tausche Hörsaal gegen Ratssaal
So kam es am 12. November, dass immerhin sechs e-fellows den Hörsaal gegen den Würzburger Ratssaal eintauschten. Gegen 14 Uhr trafen wir uns mit zwei Abgeordneten des Würzburger Stadtrats: Aron Schuster, mit 25 Jahren eines des jüngsten Mitglieder, und Emanuele La Rosa (beide CSU). Das Treffen wurde von unserem Leiter, Tobias Müller, organisiert. Die beiden nahmen sich geduldig Zeit und erklärten uns ausführlich den Ablauf einer Stadtratssitzung. Eine Stadtratssitzung beginnt immer geheim. Die Tagesordnung muss zunächst von den Ratsmitgliedern angenommen werden. Danach wird die Sitzung öffentlich. Dann werden die Tagesordnungspunkte abgearbeitet, die manchmal ohne Kommentar abgehakt und manchmal sehr kontrovers diskutiert werden.
Ungezwungen abstimmen
Doch wie verhält es sich mit dem Fraktionszwang bei Abstimmungen, wollten wir wissen. Die beiden Stadträte berichteten, dass der Fraktionszwang eine untergeordnete Rolle spiele - im Gegensatz zur Politik auf höherer Ebene. Das liegt schon allein daran, dass es im Würzburger Rat neben den etablierten Parteien acht weitere Gruppierungen gibt, zum Beispiel das Bürgerforum Würzburg. Bei den Abstimmungen bilden sich dann oft neue Mehrheiten. Zum Schluss ließen uns die beiden doch noch einen Blick in die geheime Tagesordnung werfen, um uns die ein oder andere Hintergrundinformation zu den Themen zu geben. Wir waren gespannt und folgten nach einer kleinen Kaffeepause Herrn Schuster und Herrn La Rosa zum Ratssaal.
Hereinspaziert
Nun mussten wir draußen warten, denn es wurde zunächst über die Tagesordnung geheim abgestimmt. Fünf Minuten später wurden die Türen zum Ratssaal geöffnet und wir konnten mit einigen anderen Interessierten auf der Besuchertribüne Platz nehmen. Vor uns saßen in drei Tischgruppen, die nicht nach Parteien geordnet waren, die Stadträte. Ihnen gegenüber hatte der Oberbürgermeister Georg Rosenthal zusammen mit seinen Stellvertretern seinen Platz. Zusätzlich waren die Leiter der Fachreferate anwesend. Die Sitzung wurde vom Oberbürgermeister geleitet.
Von Ästen und Fahrradständern
Die Sitzung begann lebhaft mit einigen Anliegen der Ratsmitglieder abseits der Tagesordnung. Da brachte zum Beispiel ein Mitglied das Anliegen einer älteren Dame aus seinem Wahlkreis vor, die Stadtbetriebe mögen doch die Bäume vor ihrem Fenster schneiden. Ein anderer beklagte sich über die angebliche Verunstaltung des Stadtbilds durch neue Fahrradständer in der Altstadt. "Die sind so klobig!" Der Leiter des Baureferats erwiderte, dass es sich um Fahrradständer der neuesten Generation handele, die laut einer Studie ein Höchstmaß an Sicherheitsanforderungen erfüllen. Deshalb werde da nichts mehr geändert!
Sieben Stunden sitzen
Als die eigentliche Sitzung begann, war bereits eine Stunde um. Leider habe ich die Diskussionen um die Tagesordnungspunkte nicht mehr verfolgen können, da ich die Sitzung vorzeitig verlassen musste. Andernfalls hätte ich mich auf weitere sechs Stunden einstellen können – so lange tagte der Stadtrat einmal, hatte uns Herr Schuster vorher erzählt.
Fazit
Der Besuch einer Stadtratssitzung ist sicherlich nicht mit dem Besuch einer Karrieremesse zu vergleichen, wo man hinterher mit einem Jobangebot herauskommt. Wenn man aber eine heterogene Gruppe ist, und das ist unsere City Group ohne Zweifel, erlebt man einen abwechslungsreichen und interessanten Nachmittag. Ich hatte nicht mit einem so hohen Unterhaltungswert gerechnet!
