von Catalina Schröder

Babysitter, Nachhilfe & Co: betreut.de

Babys und Dackel unter einem Dach

Steffen hat schon Schüler dazu gebracht, Blut zu analysieren und Wasser zu filtern. Ganz im Sinne der Wissenschaft. Momentan steht allerdings die Vermittlung von Nachhilfelehrern, Seniorenbetreuern, Baby- und Tiersittern ganz oben auf seiner Prioritätenliste.

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Im Kopf des Diplom-Kaufmanns schwirrt jedoch mindestens noch ein Dutzend - teils kurioser - Gründungsideen. Die sind top secret, und Zeit bleibt dafür im Moment sowieso keine: "Ich investiere jede freie Minute in die Besser Betreut GmbH und die Ausweitung des Angebots von Betreut.de auf andere Länder. Dafür brauche ich all meine Energie. Irgendwann gründe ich aber bestimmt noch ein anderes Unternehmen."

Experiment "experiNat"

Angefangen hat alles während des Studiums mit Projektgesellschaften: In einer davon konzipierte Steffen den Wettbewerb "experiNat", der von einem Energieversorger ausgeschrieben wurde. Schüler der Klassen sieben bis zwölf filterten im Rahmen des Wettbewerbs Wasser, analysierten Blut oder setzten sich damit auseinander, wie Strom erzeugt wird. Zusammen mit einer Kommilitonin organisierte Steffen Marketing und Finanzierung. Das Konzept war so erfolgreich, dass der Wettbewerb mittlerweile jedes Jahr durchgeführt wird.

e-fellow Steffen, der Gründer von betreut.de [Quelle: e-fellows.net]

Der Gründer: e-fellows.net-Alumnus Steffen Zoller (30) hat erst an der Universität Leipzig und danach an der Handelshochschule Leipzig BWL studiert. Nach einer Reihe von Projektgesellschaften gründete er im September 2007 das erste "richtige" Unternehmen. Seine Idee soll anderen helfen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen – und manchmal profitieren von ihr sogar Dackel oder Hauskaninchen.

Zwei Jahre als Angestellter reichen

Nach seinem Abschluss an der Handelshochschule Leipzig arbeitete der heutige Gründer für knapp zwei Jahre bei einer Online-Marketing- und Beratungsfirma: "Dort habe ich für verschiedene Kunden Internetportale aufgebaut, die oft mit dem Thema Familie zu tun hatten." Steffen weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, unterschiedliche Arbeitszeiten, die Eltern, eventuell eigene Kinder und einen Hund unter einen Hut zu bekommen. Was lag da näher, als eine Firma zu gründen, die für all das eine Lösung bietet?

Die Gründung: nicht ohne Risiko
Inzwischen gibt es bei Betreut.de mehr als 250.000 aktive Profile von Betreuern und Nachhilfelehrern aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Großbritannien und der Schweiz. Mehr als 75 Mitarbeiter beschäftigt Steffen heute. Seine Firma wächst also inzwischen enorm. Riskant war die Gründung trotzdem: "Natürlich kann immer etwas schiefgehen. Schließlich habe ich einen guten Job aufgegeben und hatte von einem Tag auf den anderen ein wesentlich niedrigeres Einkommen. Ganz wichtig sind ein gutes Team und die Unterstützung von Familie und Freunden. Das wiegt vieles auf. Eine gewisse Portion Risikobereitschaft gehört für jeden Unternehmensgründer einfach dazu."

Man nehme: das Gründungsrezept
Doch Lust und Leidenschaft fürs Risiko sind nicht alles, was ein Unternehmensgründer braucht. "Verständnis für den Kunden ist noch viel wichtiger", findet der Geschäftsführer. "Außerdem sollte man Marktentwicklungen beobachten und erkennen, was die Welt braucht und was nicht." Ein BWL-Studium hält er nicht unbedingt für nötig, denn die betriebswirtschaftlichen Grundlagen könne man sich auch anders aneignen: "Mathematiker, Juristen oder Leute aus ganz anderen Studiengängen können genauso gute Gründer sein. Einen Versuch ist es immer wert."

Mission familienfreundliche Firmen
Für Unternehmen bietet die Besser Betreut GmbH ein spezielles Konzept. Sie können einen Zugang beantragen und ihren Mitarbeitern so die Buchung von Babysittern oder Seniorenbetreuern ermöglichen. "Damit wollen wir den Firmen helfen, familienfreundlicher zu werden", erklärt Steffen. Sein eigenes Unternehmen legt großen Wert auf Familienfreundlichkeit. "Wir haben Teilzeitmodelle für Mütter mit jüngeren Kindern und sehr flexible Arbeitszeiten. Jeder kann kommen und gehen, wann er will. Die einzige Bedingung ist, dass dadurch keine Meetings platzen. Es ist auch kein Problem, mal von zu Hause aus zu arbeiten, wenn das Kind krank ist."

Gründen heißt frei sein

Die Freiheit, sein eigener Herr zu sein, genießt der e-fellows.net-Alumnus zurzeit besonders: "Ich kann mir schon vorstellen, wieder als Angestellter zu arbeiten, aber das würde ganz stark vom Unternehmen und dessen Größe abhängen. Momentan gibt es aber nichts Besseres, als meine Ideen in meinem eigenen Unternehmen umzusetzen."

Steffens Unternehmen

Steffen über sich und sein Unternehmen

Mein Unternehmen habe ich gegründet, weil...
... ich endlich Familie und Beruf unter einen Hut bringen wollte.

Mein Unternehmen ist profitabel, weil...
... es mir jeden Tag mehr bringt – und Familien auch.

Unternehmer sein liegt mir, denn...
... ich kann mehr bewegen und gestalten, jeden Tag, jede Minute.

Startkapital erhielt ich durch...
... Freunde und Bekannte.

In fünf Jahren...
... gibt es bessere Nachhilfe, liebevollere Babysitter und noch familienfreundlichere Unternehmen.

Mein Tipp für andere Unternehmensgründer:
Ein gutes Team und ehrliche Freunde, denen Du vertrauen kannst, sind mindestens genauso wichtig wie das Glück im richtigen Moment, gepaart mit harter Arbeit.


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