Partner von:

Von Sibirien in die Großkanzlei

Brille, Jura, Waage [Quelle: freeimages.com, Autor: linusb4]

Quelle: freeimages.com, linusb4

e-fellow Carolin beschäftigte sich gerade in Sibirien mit russischem Recht, als sie sich für den Law Students' Day bewarb. Dass sie überhaupt eine Zusage bekam, war nur die erste von vielen Überraschungen. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass Großkanzlei-Anwälte neben der Arbeit noch Zeit für Marathonläufe haben?

Titel und Thema der Veranstaltung

e-fellows.net Law Students' Day

Zeit und Ort

21. Juni im angelo Hotel Westpark in München

Teilnehmerzahl und Unternehmensvertreter

Rund 35 Studenten von Universitäten aus ganz Deutschland (von Paris über Kiel bis Passau), zwei bis drei Anwälte der Kanzleien Hengeler Mueller, Clifford Chance, Latham & Watkins, Gleiss Lutz, Noerr und Freshfields Bruckhaus Deringer sowie HR Vertreter aller Kanzleien.

Ich habe während meines Auslandsjahrs in Sibirien vom Law Students' Day erfahren und mich – noch bevor ich mich wieder auf deutschem Boden befand – dafür beworben. Es interessierte mich, ob und wie ich meinen Schwerpunkt "Russisches Recht" in deutschen Kanzleien einbringen kann. Zu meiner großen Überraschung erhielt ich eine Teilnahmebestätigung. Kurz nach meiner Rückkehr Anfang Juni sollte die Veranstaltung in München stattfinden.

Ich in einer Großkanzlei?

Ich erhoffte mir lohnenswerte Ratschläge und Informationen darüber, wie es nach dem Ersten Staatsexamen weitergehen kann und was es neben dem Referendariat für Möglichkeiten der Karriereplanung gibt. Auch wollte ich wissen, was genau von potenziellen Bewerbern erwartet wird und welche Anforderungen bei der Arbeit in einer Großkanzlei auf mich zukommen würden. Zudem interessierte mich, wie man als Jurastudent einen ersten Blick in den Arbeitsalltag bekommen kann, zum Beispiel durch Frühjahrs- und Sommerpraktika (bei Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler Mueller und Clifford Chance) oder eine spezielle Referendar Academy (bei Clifford Chance).

Entspannte Gespräche beim e-fellows.net Law Students' Day 2013 [Quelle: Carolin R.]

Letztendlich erhoffte ich mir auch, mit anderen Jurastudenten und -studentinnen ins Gespräch zu kommen und die Großkanzleivertreter zu deren individueller Laufbahn befragen zu können.

Zum Einstieg hielt uns Dr. Florian Stork, LL.M. oec., einen Vortrag zum Thema "Bewerbungstipps für Juristen". Dabei untersuchte er Beispiellebensläufe auf positive und negative Aspekte. Wir erfuhren, dass neben einem ansprechenden Lebenslauf auch das korrekte Bewerbungsbild sehr wichtig ist. Der Bewerber sollte dabei weder zu freizeitmäßig noch zu steif aussehen und entsprechend des jeweiligen Firmen-Dresscodes gekleidet sein. Wichtigste Aussage aber war: Man sollte einfach ganz natürlich und sympathisch wirken.

Anwalt und Ironman

Gesprächsrunde beim e-fellows.net Law Students' Day 2013 [Quelle: Carolin R.]

Nach einer kurzen Vorstellung aller Kanzleivertreter der sechs Großkanzleien ging es gleich mit der ersten lockeren Gesprächsrunde los. Pro Kanzlei gab es einen Tisch, an dem man dann für 20 Minuten den Vertretern dort Fragen stellen und mit ihnen und anderen Teilnehmern diskutieren konnte. Nach Ablauf dieser Zeit wechselte man zum nächsten Tisch. Neben Fragen und Diskussionen wurden auch die Kanzleien kurz vorgestellt und die Laufbahnen der Kanzleivertreter erläutert. Dabei konnte ich einige interessante Dinge erfahren, zum Beispiel über die Arbeit bei Latham & Watkins. Dort ist Sport scheinbar sehr wichtig, trotz des vollen Arbeitstages. Fast alle dort nehmen sich die Zeit, während der Mittagspause oder nach Feierabend Ausdauertraining zu machen. Einige nehmen sogar an Marathonläufen teil oder trainieren für den Ironman-Triathlon. Das hat mich beeindruckt.

Irgendwie war die Zeit für jeden "Gesprächstisch" immer zu schnell vorbei, sodass für die Snackpausen noch genügend offene Fragen für vertiefende Gespräche übrig blieben.

Englisch ist enorm wichtig

Auf der Terrasse beim e-fellows.net Law Students' Day 2013 [Quelle: Carolin R.]

An jedem Tisch wurden verschiedene Themenbereiche aufgegriffen und diskutiert. Es wurde zum Beispiel besprochen, wie wichtig die universitäre Schwerpunktwahl ist und welchen Stellenwert  Sprachkenntnisse und eine Auslandsstation in der jeweiligen Kanzlei haben. Bei Hengeler Mueller beispielsweise ist das Absolvieren eines Jahres in einer Partnerkanzlei im englischsprachigen Raum verpflichtend. Möglich ist aber auch, sich einen vergleichbaren Auslandsaufenthalt im angloamerikanischen Raum anrechnen zu lassen. Bei der Kanzlei Noerr werden zudem Telefonkonferenzen oder spezielle Förderprogramme angeboten, um Englischkenntnisse  zu verbessern.

Großkanzlei-Anwältin ja, aber Mutter?

Auch Familienplanung und die Organisation von Beruf und Familie wurden besprochen. Besonders überrascht hat mich, dass eine Vereinbarung von Karriere und Kinder überhaupt möglich ist. Entgegen der verbreiteten Meinung, dass beides nicht unter einen Hut zu bringen ist, gibt es Möglichkeiten der Nutzung von Elternzeit, auch für beide Elternteile. Der Beruf ist also nicht per se mit Familie unvereinbar.

Buffet beim e-fellows.net Law Students' Day 2013 in München [Quelle: Carolin R.]

Nach einer einstündigen Pause mit netten Einzelgesprächen mit Kanzleivertretern am leckeren Buffet und auf der Terrasse gab es noch einen letzten Programmpunkt: Christine Dieterle referierte über das Arbeitsfeld eines Juristen im Staatsdienst. Ihr Vortrag war sehr anschaulich und die Zuhörer wurden sogar eingeladen, sich bei ihr zu melden, wenn sie einmal an einer Hausdurchsuchung teilnehmen möchten.

Fazit

Die Veranstaltung war sehr gut organisiert. Ich habe ein genaues und zum Teil ganz anderes Bild von der Arbeit in einer Großkanzlei bekommen, als ich erwartet hatte. Jede Kanzlei hat aber ihr individuelles Anforderungsprofil und ihre eigenen Wertmaßstäbe. Daher gilt es, selbst herauszufinden, in welcher Kanzlei man tätig werden möchte. Ich für meinen Teil denke, dass man diese am besten findet, wenn man sich durch ein Praktikum oder im Referendariat ein Bild davon macht. Durch die lockeren Gesprächsrunden konnte ich außerdem viel über die tägliche Arbeit eines Anwaltes erfahren.

Mein persönliches Resümee des Tages: vollbefriedigend! Gerne wieder!

nach oben

"Perspektiven für Juristen" gibt einen Überblick über Berufsbilder und bietet hilfreiche Tipps für die Studien- und Karriereplanung für angehende Juristen.

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren