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Die eine, die große, die einzige Frage

Perspektive Wirtschaftskanzlei 2012 (Quelle: e-fellows.net)

Quelle: e-fellows.net

'Latham & Watkins? Schon mal irgendwo gehört ...' Wirklich gut vorbereitet war e-fellows.net-Stipendiat Christian nicht. Gute Eindrücke konnte er trotzdem mitnehmen. Aber eigentlich hat er das Event 'Perspektive Wirtschaftskanzlei' besucht, um die potenziellen Arbeitgeber kennen zulernen, sich einen Eindruck von seinen zukünftigen Kollegen zu verschaffen - und natürlich, um diese eine Frage zu klären.

Titel der Veranstaltung:

Perspektive Wirtschaftskanzlei

Datum und Ort:

20. und 21. April 2012, Collegium Glashütten (Taunus)

Vertretene Kanzleien:

Allen & Overy, Baker & McKenzie, Clifford Chance, Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler Mueller, Heuking Kühn Lüer Wojtek, Latham & Watkins, Noerr, Shearman & Sterling

Große Namen – wer kennt sie nicht?

Ich stehe am Stehtisch mit Orangensaft und einem Eibrötchen in der Hand: "Und Sie sind von - welcher Kanzlei?" (Ich kann das Namensschild des Mannes nicht lesen.) "Latham & Watkins.", antwortet er. Ah ja, ok. Hm. "Kenn ich" wäre wohl glatt gelogen. Sagt mir nämlich gar nichts. Und das sieht man mir auch an. Peinlich? Vielleicht, denn ich hätte mich mit den vertretenen Großkanzleien besser vertraut machen können. In diesem Moment wünsche ich mir, ich hätte Standorte, Jahresumsätze, Fachgebiete, Einstiegsgehälter und die "Azur-Rankings" der letzten fünf Jahre auswendig gelernt. Dann hätte ich ein bisschen dicker auftragen können. Aber hätte ich auch einen besseren Eindruck hinterlassen?

Mein Wissen über Latham & Watkins ist keine Ausnahme: Gehört hab ich die großen Namen zwar alle schon einmal und von manchen habe ich sogar ein Bild im Kopf. Aber meine eigenen Erfahrungen sind doch sehr überschaubar. Genau das ist auch der Grund, warum ich hier bin: Persönliche Begegnungen hinterlassen einen besseren Eindruck als Broschüren oder Webseiten.

Mein Gegenüber von Latham & Watkins nimmt es mir auch nicht übel. Das finde ich sportlich und bin erst mal positiv überrascht. Ein bisschen mehr Verkrampftheit hätte ich schon erwartet. Er erzählt mir, in welchem Bereich er arbeitet: Restrukturierung. Das sagt mir zwar auch nicht viel, aber diesmal bin ich vorbereitet und kann es besser verbergen.

Wir haben eine eigene Lounge

Übrigens: Ich war nicht der Einzige, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hatte. Meine Sitznachbarin jedenfalls wusste in der Vorstellungsrunde der Kanzleien auch nicht genau, wie man "Heuking Kühn Lüer Wojtek" schreibt. Die Kanzleien werben schließlich um uns - oder?

Die Vorstellung der Vertreter machte auf jeden Fall den Eindruck. Final überzeugen konnte mich nach ein paar Minuten natürlich noch keiner: Weder die  Kanzlei mit der eigenen Lounge. Oder die, die versicherten, bei ihnen arbeiteten ausschließlich nette Leute. Noch die, die beteuerten, bei ihnen sei die "open door policy" kein bloßes Lippenbekenntnis.

Karriereentscheidungen werden so nicht getroffen. Zumindest nicht bei mir. Ich hoffte trotzdem, ich wäre von der Lounge nicht doch so beeindruckt, dass ich blindlings Verträge unterschreiben würde.

Kluge Fragen beim Abendessen

Es soll ja Leute geben, die nur wegen des Essens und der offenen Bar gekommen waren. Hat man mir erzählt. Ich wohne allerdings nicht in der Nähe von Frankfurt. Ich hätte also sicher leichter an kaltes Bier kommen können. Allerdings gab es beim Abendessen und an der Bar gute Antworten auf die ganz große Frage: Wie verträgt sich die Arbeit in einer Großkanzlei mit dem Privatleben?

Wir konnten uns einen Kanzleitisch aussuchen und die Vorspeise dafür nutzen, die Anwälte mit klugen Fragen zu beeindrucken. Je persönlicher die Gespräche wurden, desto interessanter war es und erhellender: Jeder der Anwälte hielt sein Berufsleben mit seinem Privatleben für kompatibel - irgendwie.

Lektüre auf dem Ergometer

Geht es nun, oder geht es nicht? Gibt es diesen Job nur ohne oder auch mit Privatleben? Drei Anwälte, vier Meinungen: Da ist zum Beispiel ein Partner, der seit Jahren Ironman-Triathlons bestreitet und dafür zehn Stunden aufwärts pro Woche trainiert. Grinsend verriet er, dass es für ihn selbstverständlich ist, sich in aktuelle Rechtsprechung auf dem Ergometer einzulesen. Ganz im Gegensatz dazu eröffnete mir ein anderer Anwalt, dass zeitaufwändige Hobbies sich wohl nur schwer mit dem Job vereinbaren ließen. Ein erfahrender Partner berichtete von ihm und seiner Frau, die auch Anwältin ist: Sie seien es eben gewohnt, auch am Wochenende zu arbeiten.

Häufig wird darauf hingewiesen, dass niemand gezwungen sei, die Nächte im Büro zu verbringen. Es geht darum, die Arbeit zu erledigen. Wer schnell ist, hat eben früher frei.

Ein Fuß in der Tür

Am Ende des Wochenendes steht fest: Man sollte die Arbeit in einer Großkanzlei einmal ausprobieren. Dafür scheint sich die Anwaltsstation im Referendariat besonders zu eignen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Veranstaltung "Perspektive Wirtschaftskanzlei" interessante Einblicke in das Leben einiger Anwälte ermöglicht hat. Und wir haben die Kontakte geknüpft, die uns den Einstieg womöglich erleichtern. Mit etwas Glück landet man dann in einer Abteilung mit "netten Leuten", "offenen Türen" und in Nähe der kanzleieigenen Lounge.

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