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Kampf der Naturgewalten

Neues Rathaus Leipzig [Quelle: Wikimedia Commons, Autor: Manecke]

Quelle: Wikimedia Commons, Manecke

Früher Morgen, eisige Kälte, eine reißende Flut. Drei Rafting-Boote donnern den Fluss hinunter. Plötzlich wirbeln Paddel durch die Luft und ein herrenloses Boot treibt einsam durchs Gewässer. Beim Bundestreffen 2010 in Leipzig kämpften Tinka und 20 weitere e-fellows heldenhaft gegen die Naturgewalten. Doch viel Zeit auszuruhen blieb den erschöpften e-fellows an diesem Tag nicht. Denn die Künstler und Existenzgründer Leipzigs hatte noch einiges zu bieten.

Frühstücksei und S-Bahn-Melodei

Es ist 9.30 Uhr. Ich hänge mit der Nase in einer Tasse Hostel-Kaffee und schimpfe murmelnd auf den Wahnsinnigen, der die Idee hatte, Samstagmorgen bei 16°C zum Raften zu fahren. Nicht nur, dass es mitten in der Nacht ist. Meine Knochen sind immer noch tiefgefroren von der Nacht davor. Ein paar Weicheier (Vernünftige) von uns liegen noch in ihren Betten und verweigern sich der Tortur. Ich überlege kurz, mich ihnen anzuschließen. Bringe es dann aber doch nicht übers Herz, die Frauenquote noch weiter zu senken. Eine halbe Stunde später ist die schlechte Laune vergessen und ich singe mit Sabine zum Entzücken aller fröhliche Lieder in der S-Bahn. Das kann ja nur ein guter Tag werden.

Keiner wird zurückgelassen

Meine Begeisterung steigt noch weiter, als ich in Neopren-Vollmontur den militärisch anmutenden Ausführungen des Rafting-Chefs lausche. Er erklärt, wie man sich am besten verhält, wenn man aus dem Boot fällt. Moment mal! Aus dem Boot fallen? "Ist das die Regel?" fragt eine verschüchterte Stimme aus der Ecke. "Ehm, nö", antwortet der Chef "man könnte sagen, eigentlich fällt nie einer raus." Kurz bin ich erleichtert. Dann erscheint mir die Aussage plötzlich sehr politisch.

Sprung ins 12°C kalte Wasser

Doch zum Grübeln bleibt keine Zeit. Ab ins Boot und rauf aufs Wasser. "So, dann alle mal rein da!" verkündet unser Gruppen-Leiter fröhlich. "Wie rein da? Ins Wasser?" Entsetzte Blicke. "Ja klar." Der erste platscht ins Wasser, ich folge beherzt – und zerreiße mit einem Jaulen die morgendliche Luft. Ja, es war kalt. Die Kälte ist aber mein geringstes Problem, als wir einige Minuten später unser Boot auf das Förderband manövrieren, das uns in unsere erste Wildwasser-Runde schickt. "Eigentlich fällt nie einer raus ..."

Der Kampf der Gewalten

"Vorwärts!" Die Gischt spritzt uns ins Gesicht, die Wassermassen brodeln. "Achtung!" Wie ein Mann reißen wir die Paddel in die Luft. "Zurück!" Wir stemmen uns gegen die Fluten. Es ist ein Kampf mit den Naturgewalten – doch wir gewinnen. Jubelnd fallen wir uns in die Arme, als wir seichteres Gewässer erreichen. Was für ein Spaß! Wir blicken uns um und erstarren. Neben uns treibt ein herrenloses Boot in den Fluten. Paddel trudeln durch die Strudel. Überall hilflose e-fellows im Wasser. Weiter oben steckt ein Boot auf einem Hindernis fest – die Mannschaft versucht gerade, es schaukelnd zu befreien. "Ist das Absicht?" frage ich meine Mit-Paddler. Ich denke nicht. Wie es scheint, sind wir das einzige Boot, das den Trip mit voller Besatzung überstanden hat. (Wenn ich auch einmal nur durch Sabines heldenhaften Einsatz an Deck gehalten wurde). Jaja, "eigentlich fällt nie einer raus."

Linsencurry auf Plüschsofas

Zweieinhalb Stunden später trotten wir völlig erschöpft durch den Staub Richtung Bus. Daniel scheucht uns unermüdlich, doch er erntet nur apathische Blicke. So schmeißt er sich in letzter Sekunde vor den abfahrenden Bus und sichert uns unsere Fahrt zur Kantine im Tapetenwerk. Dort gibt es in loftiger Backsteinatmosphäre leckeres Linsencurry – und Sofas, auf denen sich bald schnarchende e-fellows strecken. Nach einem kurzen Koffein-Einwurf heißt es aber schon weiterziehen, denn Kultur wartet nicht.

Kunst und Co-Working

Die beiden Galeristinnen Carolin Modes und Esther Niebel empfangen uns in ihrem Reich und weihen uns ein in die Welt der Künstler und Existenzgründer des Tapetenwerks. Besonders beeindrucken mich die riesigen Linolschnitte – die berüchtigte Schamhaar-Stickerei ist nicht so mein Fall ;). Wir besuchen den Leipziger Co-Working-Space und treffen Architektin und Tapetenwerk-Eigentümerin Jana Reichenbach-Behnisch. Danach besichtigen wir die alte Spinnerei und ihre Galerien. Ich erhoffe mir einen kurzen Blick ins Klavierhaus, doch das ist geschlossen. Dafür schaue ich kurz in der Fahrrad-Design-Werkstatt vorbei. Dort hängt ein Rad, mit dem schon einmal die Welt umrundet wurde.

Flammender Kuchen und Splitter-Cocktails

So beeindruckend diese Welt der Künste auch ist, ich bin müde und will sitzen. Deshalb freue ich mich, als es zum Flammkuchen-Abendessen ins "Volkshaus" geht. Gestärkt versuchen wir nach einer Weile, zur Pub-Tour zu starten - doch die Gruppe zerfällt. So schlürfe ich mit einer e-fellows-Splitterfraktion ein paar Cocktails und falle irgendwann in meinem Bett in Ohnmacht. Gerüchteweise haben andere noch länger durchgehalten und sind sogar Teilen des Pub-Plan gefolgt. Aber das sind wirklich nur Gerüchte ;-).

Muskelkater und Abschiedstränen

Am nächsten Morgen erwartet uns ein sehr leckerer Brunch, bevor es nach Hause geht. Ich bimmele mit zwei anderen Berliner e-fellows durch die Taiga zwischen Leipzig und der Hauptstadt und versuche mühsam, die Tränen zurück zu halten. Meine schmerzenden Knochen wissen: Schön war's. Bis zum nächsten Mal.

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