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Ein Gang durch die Göttinger Unterwelt

Tunnel Höhle (Quelle: freeimages.com, helenars)

Quelle: freeimages.com, helenars

Verborgene Tunnelsysteme, jahrhundertealte Latrinen und unterirdische Aphoristiker: Die City Group Göttigen steckte den Trostpreis der 1.000-Euro-Aktion in eine Führung durch die 'Göttinger Unterwelt'. Wieso sich dieser Gang auch für eingefleischte Göttinger lohnte und wo sich die Teilnehmer nach der Erkundungstour zur Stärkung einfanden, erzählen euch drei e-fellows.

Als City Group Göttingen konnten wir uns mit unserer Kanufahrt-Idee zwar nicht den ersten Platz bei der 1.000-Euro-Aktion erkämpfen, wurden für unser Bemühen jedoch mit einem Trostpreis in Höhe von 150 Euro ausgezeichnet. Wir überlegten eifrig, was man denn machen könnte und eine Idee stach aus der Fülle der Vorschläge hervor: Eine Führung durch die "Göttinger Unterwelt".

Göttingen von unten

Als wir das erste Mal in der Gruppe über die Führung sprachen, dachten alle an Skelettfunde und gut ausgebaute Keller, nicht aber an ein unterirdisches Tunnelsystem, das unterhalb der Göttinger Innenstadt verläuft und über das man sogar die Stadt ungesehen verlassen könnte. Man muss dazu sagen, dass sich unter uns auch einige gebürtige Göttinger befanden, denen dies ebenfalls neu war. Die Idee war also gefunden: eine gemeinsame Stadtführung durch eben dieses Tunnelsystem mit einem gemeinsamen Abendessen im Traditionsrestaurant "Nudelhaus" in der Göttinger Innenstadt.

Fluchtweg für Ratsherren

Stadtführung City Group Göttingen

Man traf sich am Samstagnachmittag, dem 29.06 am Göttinger Wahrzeichen, dem Gänseliesel, gegenüber des Alten Rathauses. Trotz des herrlichen Wetters verzichteten ca. 15 Personen freiwillig auf die Sonne zugunsten eines Blicks in die "Unterwelt".
Direkt am Alten Rathaus ging’s los: Auf unserem täglichen Weg zur Uni befindet sich ein großes Kellergewölbe, das noch heute ein gemütlich eingerichtetes Restaurant beherbergt. Das konnten wir ebenso wenig ahnen wie die wechselvolle Geschichte dahinter: Besagtes Gewölbe wurde im Mittelalter erbaut und schon von der Schustergilde 1251 genutzt. Früher verfügte es unter anderem über einen Verbindungsgang zum daneben gelegenen Alten Rathaus und anderen Kellerräumen. Ursprünglich war es nämlich dazu angelegt, im Brandfall Bewohnern oder Ratsherren den Fluchtweg zu sichern oder den – von den bis weit in die Nacht dauernden Ratssitzungen gelangweilten – Ratsherren eine Möglichkeit zu geben, unbemerkt von einer überlangen Versammlung zu entkommen!

City-Group-Stammtisch künftig unterirdisch?

Restaurant im Kellergewölbe

Auch lagerten dort lange Zeit kostbare Getränke. Zumindest bis Göttingen im Dreißigjährigen Krieg schlagartig verarmte und die hohen Kellergewölbe mit allerhand Abfall und Schutt gefüllt wurden. Dieser verblieb dort viele Jahrhunderte, bis vor etwa 30 Jahren die Idee aufkam, die weitgehend intakten Keller wieder zu nutzen. Mit dem "Kreuzgang" zog ein urgemütliches Restaurant ein, das übrigens sofort Eingang in unsere Planungen für den nächsten e-fellows-Stammtisch gefunden hat!

Doch auch beim weiteren Weg durch die Straßen offenbarte sich mehr des sonst Verborgenen: Eine Mikwe (das jüdische Tauchbad, das der Reinigung von ritueller Unreinheit durch Ablution dient) aus dem 19. Jahrhundert befindet sich versteckt im Keller eines Privathauses, was für ein jüdisches Ritualbad recht ungewöhnlich ist. Doch diese Mikwe überlebte auch den Zweiten Weltkrieg, wurde danach als Spülbecken verwendet, dient heute ausschließlich als Ausstellungsstück und erwartet in Kürze eine umfassende Renovierung.

Ein Highlight: Die Mönchs-Latrine

Mönchslatrine in Göttingen

Den Blicken des neugierigen Göttinger Studenten verborgen blieb bis dato zudem etwas ganz Profanes, doch vom Barfüßer-Orden lange Zeit Genutztes: Eine über einem mehrere Meter hohen Gewölbe befindliche und von Mönchen über Jahrhunderte genutzte Latrine! Vom Gestank, der dort geherrscht haben muss, ist übrigens nichts mehr zu riechen, sodass Archäologen bis in tiefere Schichten vordringen konnten und schon so Einiges über die Speisegewohnheiten der Göttinger Mönche herausfinden konnten.

Aphorismen aus dunklen Gewölben

Bei der Stadtführung, City Group Göttingen

Was aber wäre Göttingen ohne die Mathematik oder gar Physik? Richtig! Um also das Programm zu vervollständigen, besichtigten wir auch den Keller von Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Professor für Mathematik und Begründer der Experimentalphysik. Er führte gewissermaßen ein Doppelleben: zum einen bekannt als Wissenschaftler und zum anderen als Aphoristiker, der in seinem unterirdischen Reich anscheinend ganz nach dem Motto "in vino veritas" auf die besten Ideen kam. Heute befindet sich hier eine Kunstschule für Kinder, deren Räumlichkeiten jedoch bis heute dem Alkohol treu geblieben sind – zumindest während einiger Feiern, für die man diese Untergrundgewölbe abends noch immer mieten kann.

Fazit

Wir konnten unsere Stadt einmal aus einer komplett anderen Perspektive erleben! Das war wirklich überaus interessant und wir können nur jedem empfehlen, sich die "Göttinger Unterwelt" einmal näher anzusehen. Glücklicherweise blieb nach der Führung noch ein bisschen Geld übrig und wir konnten anschließend in einem traditionellen Göttinger Restaurant, dem "Nudelhaus", den Abend in einer sehr angenehmen, lustigen und gleichermaßen interessanten Runde ausklingen lassen. Und für eine kleinere Gruppe, die sich doch noch nicht auflösen wollte, gab’s am Ende einen Gang zu der Eisdiele "Colosseum". Unser Dank gilt den Wettbewerbsausrichtern von e-fellows.net!

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