von Elke Brandstetter

Stipendiat des Monats Juli 2008: Nicolas

Mister Charity-Staffel persönlich

e-fellow des Monats Juli 2008 Nicolas, Initiator der Charity-Staffel[Quelle: e-fellows.net]

Ob e-fellow Nicolas Zeit findet, Anfang Juli seinen 28. Geburtstag zu feiern? Immerhin dreht sich bei ihm momentan alles um Afrika und Avatare. Um letztere geht es in seiner Dissertation, um Bildung für Afrika bei der e-fellows Charity-Staffel. Für die sucht er noch Mitstreiter.


Die Tage von Nicolas sind zurzeit lang und voll: Tagsüber arbeitet er als Werkstudent für KPMG, wenn er nicht gerade Interviews für seine Dissertation führt. Abends und nachts leitet er die Organisation der e-fellows Charity-Staffel. Zwischendurch findet er noch Zeit, für den nächsten Ironman zu trainieren. "Ich habe schon während meiner Master-Arbeit gute Erfahrungen mit hoher Arbeitsintensität gemacht", erklärt Nicolas, "Ich denke nicht, dass sich das negativ auf meine Dissertation auswirkt. Im Gegenteil: Die Organisationsarbeit macht den Kopf frei."

Nicolas organisiert die erste e-fellows Charity-Staffel. Läufst oder radelst du auch mit?

Ein Mann aus Eisen

Ein Mittel zur Entspannung ist für Nicolas auch der Sport - vor allem der Ausdauersport: "Je länger die Distanz, desto länger kann ich über meine Projekte nachdenken." Seit 2000 läuft der e-fellow Marathon. Aus gesundheitlichen Gründen begann er, "ein bisschen radzufahren". Schnell wurde daraus ein neues Hobby. Während eines Auslandssemesters in Reykjavík lernte er dann noch die isländische Schwimmkultur kennen: "Schwimmen im warmen Wasser unterm Sternenhimmel - das war schon ein Erlebnis. Davor bin ich geschwommen wie eine Blei-Ente, danach war ich ein relativ guter Schwimmer." Schwimmen, Radfahren, Marathon - da könne er doch gleich einen Triathlon machen, fand seine Freundin. Und spornte Nicolas mit einer Wette an: Einen Ironman werde er nicht bewältigen. Prompt meldete der sich zum Ironman Austria in Klagenfurt 2005 - und kam mit guter Zeit ins Ziel.

Per Zufall nach Reykjavík

Doch wie verschlug es Nicolas eigentlich nach Reykjavík? Durch Zufall: Zwei Wochen, bevor er sein Auslandssemester in Hull (Großbritannien) antreten sollte, kündigte die dortige Universität den Partnerschaftsvertrag mit seiner Hochschule. Nach dem ersten Schock wandte Nicolas sich an seinen Betreuer. Der konnte ihm in der Kürze der Zeit nur noch zwei Alternativen bieten: Wien oder Rejkjavík. Weil Wien ihm zu wenig exotisch war, entschied Nicolas sich für Island. Eine Entscheidung, die er nicht bereute: "Noch nie habe ich besser studiert.", erzählt er. "Die Uni ist wahnsinnig gut ausgestattet und die Kurse sind sehr klein. Ich habe 'Media Translation' und 'Modern Nordic Art' belegt. Davor hatte ich mit moderner Kunst nicht viel am Hut, jetzt bin ich ein Fan." Zweimal die Woche streifte er mit seinen Kommilitonen durch Museen und Ateliers. In seiner Freizeit stand neben Schwimmen auch Wandern und Reiten auf dem Programm.

Von den Geistes- in die Ingenieurwissenschaften

Neben Moderner Kunst und Ausdauersport ist Online-Marketing Nicolas' Steckenpferd. Schon in seiner Master-Arbeit beschäftigte sich der Medienwissenschaftler mit "Web 2.0". Immer stärker konzentrierte er sich auf die technischen Aspekte des Themas. Nach dem Studium stand für ihn fest: In diese Richtung wollte er weitergehen. An der Uni Ilmenau fand er eine Forschergruppe, deren interdisziplinäre Ausrichtung ihm sofort zusagte. Dort promoviert er heute mit einem Stipendium der Fazit-Stiftung in Medientechnik - einer Ingenieurwissen- schaft. Um als Geisteswissenschaftler zugelassen zu werden, muss er promotionsbegleitend Prüfungen in Elektrotechnik und in Technischer Informatik ablegen. Dabei kam ihm einerseits seine starke Internet- und Technikaffinität zugute, andererseits sein Netzwerk an der Uni Bochum. In seiner Dissertation will er unter anderem herausfinden, wie man Unternehmen im Web zum Beispiel mit Hilfe künstlicher Ansprechpartner - sogenannter Avatare - technisch und grafisch darstellen muss, um beim Benutzer Vertrauen zu erzeugen.

Mit den e-fellows durch Deutschland

Ende Mai startete er neben seiner Doktorarbeit noch ein anderes Großprojekt: die e-fellows Charity-Staffel. Dabei werden nächstes Jahr e-fellows und andere Studenten durch alle Bundesländer Deutschlands laufen und Geld sammeln für ein Hilfsprojekt für Bildung in Afrika. Den Grund, diese Aktion anzustoßen, bezeichnet Nicolas als egoistisch: "Ich habe einfach Riesen-Spaß daran, mit Leuten Projekte aufzuziehen. Außerdem reizte es mich, etwas von dem zurückzugeben, was mir bisher Gutes widerfahren ist. Natürlich ist es für mich dabei umso spannender, das Ganze über eine Sport-Veranstaltung zu machen." Doch woher der Bezug zu Afrika? "Meine Familie hat Verwandte in Tunesien", erzählt Nicolas, "in meiner Kindheit habe ich dort jedes Jahr mehrere Monate verbracht. Deshalb habe ich ein Faible für das Land und mittlerweile für den gesamten Kontinent entwickelt."

Fünf bis sechs Stunden Schlaf müssen reichen

Zur Zeit ist der e-fellow mit der Organisation schwer beschäftig. Da er vor allem abends und nachts Zeit für diese Arbeit findet, geht das auf Kosten des Schlafs: "Fünf oder sechs Stunden müssen derzeit leider reichen." Nicolas betont aber, dass die Organisation auf mehreren Schultern ruht und wie nett und engagiert seine Mitstreiter sind: "Einige Mitglieder leisten so tolle Arbeit -mit manchen Aufgaben habe ich inzwischen kaum mehr etwas zu tun." Von solchen Helfern hat man nie genug: Nicolas sucht noch mehr Organisatoren - vor allem für Finanzen, Marketing und External Relations. Wenn du Nicolas unterstützen willst, melde dich einfach in der Charity-Staffel-Gruppe (Stipendiaten und Alumni) oder über Nicolas'Infoseite (alle anderen). Einen oder eine Tutee sucht e-fellows Tutor Nicolas übrigens auch noch.

e-fellow Nicolas über sich

Ich bin e-fellow, weil ...
... mir Netzwerken in der Community unheimlich viel Freude bereitet. Außerdem habe ich das Mentorenprogramm der Partnerunternehmen als tolle Chance gesehen. So kann ich mich frühzeitig darüber informieren, in welchem Berufsfeld ich einsteigen kann, wenn meine Dissertation fertig ist.

Experte bin ich im...
... Multi-Tasking und in der Koordination von Projekten und Aufgaben. Mein Terminkalender ist oft ziemlich voll, so dass ich gar nicht um ein gutes Selbstmanagement herumkomme - also alles eher Mittel zur Selbsterhaltung.

Gar nicht geeignet bin ich für ...
... unreflektierte Massenbewegungen, die frischen Individualismus nur vorgaukeln. Die entpuppen sich letztlich als traurige Uniformität. Wirklich freie, neue Ideen sterben so ab. Stumpfsinnige Aufgaben und Routine sind ebenfalls nicht mein Ding.

Wenn ich nicht studiere, dann ...
... trainiere ich für den nächsten Ironman und verbringe möglichst viel Zeit mit meiner Familie und Freunden. Außerdem arbeite ich an der Umsetzung der e-fellows Charity-Staffel, denke über Gott und die Welt und meine eigene Zukunft nach oder probiere neue spannende Freizeitaktivitäten aus.

Wenn ich etwas Grundlegendes ändern könnte in Deutschland, dann ...
... würde ich alle Berufspessimisten auf eine Reise schicken, die ihnen zeigt, wie gut es uns in Deutschland geht. Außerdem würde ich einigen Leuten zeigen, wie viel Potenzial in ihnen steckt, das ungenutzt vor sich hinschlummert. Grundlegend hielte ich es für notwendig, etwas an unserem Sozialsystem oder - besser gesagt - an der Einstellung mancher Leute diesem gegenüber zu ändern. Denn Leistung ohne Gegenleistung sollte nur in begründeten Ausnahmefällen zulässig sein und nicht unterstützt werden. Stärkere direktdemokratische Elemente würde ich zumindest mal diskutieren.

Mein größter Traum ist es, ...
... meine Träume niemals aufzugeben. Wünsche, Ideale und Zielsetzungen treiben mich an und haben mir schon oft dabei geholfen, das zu erreichen, was ich mir vorgenommen hatte.

In zehn Jahren ...
... bin ich fünf Jahre weiter, als ich aktuell plane. Mal sehen: Beruflich habe ich hoffentlich eine verantwortungsvolle, interessante Position in einem internationalen Unternehmen oder in der Politik. Privat wünsche ich mir eine gesunde und große Familie. Außerdem will ich beim Ironman auf Hawaii ins Ziel kommen und Teile der Welt sehen, von denen ich jetzt noch gar keine Vorstellung habe. Die Hauptsache ist aber, weiterhin so unbeschwert und zufrieden zu sein wie bisher.

Auf der e-fellows.net Website/in der Community gefällt mir besonders...
... die Möglichkeit, mich mit interessanten, motivierten, intelligenten und lustigen Mit-Stipendiaten auszutauschen. Außerdem finde ich immer Infos, Workshops und Events, die mich interessieren und die in meine augenblickliche Karrierestufe passen.

 


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