Stipendiat des Monats Februar 2010: Thomas
Wassermann liebt Schoko-Kuchen
e-fellow Thomas (19) ist ständig in Bewegung. Der Langzeit-Schwimmer studiert Bioingenieurwesen in Karlsruhe und kümmert sich nebenbei um den Olympia-Nachwuchs. Er selbst trainiert für den deutschen Ironman und hat der Politikverdrossenheit den Kampf angesagt. Bisher brachte ihm seine Energie einen Europarekord - und eine lebenslange Kino-Dauerkarte.
"Move" wäre wohl der Titel, würde jemand einen Film über Thomas Leben drehen. Ob den eigenen Körper oder seine Umwelt, irgendetwas bewegt Thomas immer - sogar die Daumen der e-fellows. Ende 2009 kürte die Community in einem Wettbewerb die kreativste Lerntechnik. Thomas beschrieb, wie er Folien mit Matheformeln auf einen Schwimmbecken-Boden klebte. So lernte er quasi im Vorbeischwimmen und landete auf Platz eins.
Nischensport: Schwimmen
Wie kommt man auf so eine Idee? Ganz einfach, Thomas ist Dauerschwimmer. Das liegt an den tollen Freunden, die er damals mit fünf Jahren im Schwimmkurs kennenlernte. Die waren so nett, dass Thomas Fußball und Tennis sausen ließ und seine gesamte Freizeit im Wasser verbrachte. Er trainierte sechsmal die Woche und durchstreifte Deutschlands Schwimmhallen im Wettkampf-Fieber. Irgendwann aber hätte die Schule unter dem Training gelitten. Das wollte Thomas nicht und suchte sich eine Nische: Langstreckenschwimmen.
Tausche Rekord gegen Körpermasse
Das Ziel: in einer bestimmten Zeit möglichst viel schwimmen - in Thomas Fall 24 Stunden. Die Strategie: Zwei Stunden schwimmen, kurz raus, essen. Schlafen? Fehlanzeige. Wie hält man das durch? "Sich nach den Pausen wieder hochquälen, wieder ins Wasser steigen. Irgendwann ist es egal, wie gut du schwimmen kannst", sagt Thomas. "Es kommt nur noch auf den Willen an." Thomas wollte und schaffte 42 Kilometer – Europarekord für seine Altersklasse. Dafür brauchte er 18 Stunden und verlor fünf Kilo - an einem Tag! Zwei Jahre ist das her, aber Thomas zehrt noch heute von der Erfahrung. Er weiß, dass es weiter geht, auch wenn er denkt, er hätte keine Kraft mehr.
Vom Wassermann zum Ironman
Diese Erfahrung will er weitergeben, darum trainiert er heute den Schwimm-Nachwuchs. Außerdem ist er Startrichter bei Wettkämpfen. Das gibt ihm das Gefühl, dass er etwas zurückgeben kann – denn Thomas hat selber von Trainern und Helfern profitiert. Seine Zukunft aber sieht er woanders. Zwar trainiert Thomas wieder Sprints mit dem Uni-Team und bezwang noch zweimal schwimmend eine 20-Kilometer-Strecke, aber für Olympia wird es nicht reichen. Dafür würde er gerne einen Ironman in Deutschland mitmachen. "Das Schwimmen ist leicht, Rennradfahren auch, aber das Laufen muss ich trainieren", erzählt er lässig.
Kuchen für Karpfen
Kein Wunder, denn er ist auch früher öfter mal am Wochenende 200 Kilometer Rennrad gefahren in zwei Tagen. Vom Haus seiner Eltern bei Marbach bis zu ihrem Wohnwagen am See und wieder zurück. Was er da macht? Beim Angeln die Ruhe genießen. Thomas ist eben ein echter Wassermann – und dabei mag er gar keinen Fisch. Wenn er welchen fängt, dann gibt er ihn seiner Oma und bekommt dafür Schokoladenkuchen. Ein guter Tausch.
Wochenend-Abstecher in die Politik
Diese Ausflüge sind allerdings seltener geworden, seitdem Thomas in Karlsruhe studiert. Trotzdem fährt er noch regelmäßig zurück nach Marbach. Immer dann, wenn sich seine Juso-Ortsgruppe trifft. Zusammen mit e-fellow Bastian und vier anderen Mitstreitern hat er die in seiner Schulzeit gegründet. Am Ende waren sie 15 Mitglieder und bald feiern sie zweijähriges Jubiläum. Die Gruppe besucht Podiumsdiskussionen und betreut Infostände. "Politikverdrossenheit nervt mich total, Schlechtrederei auch", kommentiert Thomas seinen Einsatz.
Großes Kino
Neben Sport und Politik, hat Thomas noch eine andere Leidenschaft: Kino. Auch hier begnügt sich nicht damit, Zuschauer zu sein. Lange hatte Marbach kein Lichtspielhaus, bis ein zugezogener Regisseur die Sache anpackte. Er wollte im Ort ein Kino bauen, doch ihm ging das Geld aus. Daraufhin gründeten Thomas und seine Freunde eine Film-AG, sammelten Spenden und warben für Unterstützung in der Bevölkerung. Teile des Kinos bauten sie sogar selbst. Außerdem lernte die AG, Filme zu drehen und zu schneiden. Sie produzierten zwei Kurzfilme, die zur Kino-Eröffnung im letzten November über die Leinwand liefen. Inzwischen ist das Marbacher Kino fester Bestandteil des Ortes. Thomas zeigt stolz seine lebenslange Dauerkarte und lehnt sich entspannt im Kinosessel zurück - ausnahmsweise mal.
e-fellow Thomas über sich
Ich bin e-fellow, weil...
... es mir die tolle Chance bietet, mich mit anderen Studenten über alles Mögliche auszutauschen und viele neue Kontakte zu knüpfen.
Experte bin ich ....
... für Sport, bei politischen Diskussionen sowie bei handwerklichen Arbeiten.
Gar nicht geeignet bin ich für...
... künstlerische Aufgaben und auch mein musikalisches Talent hält sich eher in Grenzen.
Wenn ich nicht studiere, dann....
... widme ich mein Leben hauptsächlich dem Sport. Ich gehe sehr oft schwimmen und im Winter bin ich mit Skiern auf der Piste anzutreffen. Im Sommer spiele ich sehr gerne Beachvolleyball und Fußball oder fahre Fahrrad. Außerdem bin ich ein Kinoliebhaber und für einen guten Film immer zu haben.
Wenn ich etwas Grundlegendes ändern könnte in Deutschland, dann...
... würde ich versuchen, den Menschen klarzumachen, dass sie größtenteils auf höchstem Niveau jammern - leider ein deutsches Phänomen, was mich sehr ärgert. Im Vergleich zu anderen Ländern herrscht bei uns immer noch größtenteils ein hoher Lebensstandard. Auch wenn teilweise Dinge nicht so toll laufen, würde ich mir wünschen, dass die Menschen ihr Problem selbst anpacken, anstatt andere zu kritisieren.
Mein größter Traum ist es,...
... die deutsche Fahne bei den olympischen Spielen 2018 in Garmisch-Partenkirchen tragen zu dürfen.
In zehn Jahren...
... habe ich ein Haus gebaut, einen Baum gepflanzt, eine Familie gegründet und die Welt ist hoffentlich ein Stück weit gerechter geworden.
Bei e-fellows.net gefällt mir besonders...
... Fragen und Antworten, da man dort tolle Diskussionen führen und interessante Meinungen anderer einholen kann. Zudem ist es natürlich toll, eine qualitativ hochwertige Tageszeitung wie das Handelsblatt kostenlos abonnieren zu können.
