Initiative Teach First Deutschland
Berater? Banker? Erst mal werd ich Lehrer!
Initiatoren: Kaija Landsberg (31) und Michael Okrob (29) bauen seit 2007 gemeinsam mit den e-fellows Elisabeth (26), Verena (27) und Mortimer (37) und anderen die Bildungsinitiative Teach First Deutschland auf.
Die Initiative: Teach First Deutschland
Das Ziel: Verbesserung der Chancengerechtigkeit im Bildungswesen durch den Einsatz von herausragenden Absolventen als "Lehrer auf Zeit" an Schulen in "sozialen Brennpunkten".
Stand: Das Training für die ersten Absolventen startet im Mai. Der erste Jahrgang der Fellows startet im August 2009 in den Schuleinsatz.
Wer 30 pubertierende Hauptschüler dazu bringen kann, ihre Mathe-Hausaufgaben zu machen, wird auch mit schwierigen Geschäftspartnern keine Probleme haben. Das ist einer der positiven Nebeneffekte der Initiative "Teach First Deutschland", die hoch qualifizierte Absolventen aller Fächer für zwei Jahre an Schulen in sozialen Brennpunkten schickt. Die Idee dazu hatten Kaija Landsberg und Michael Okrob, als sie 2007 ihre Masterarbeit über das Vorbild "Teach For America" schrieben.
High-Potentials und soziale Underdogs
Der Initiative geht es aber um mehr als den beruflichen Erfolg der Teilnehmer: "Bildungserfolg hängt in Deutschland noch viel zu sehr von der Herkunft ab", erklärt Mortimer von Teach First. Dieses Problem will die Initiative lösen. Junge, motivierte, gut ausgebildete Absolventen sollen an die Schulen gehen, an denen sie dringend gebraucht werden.
Neuer Wind in alten Schulen
Die Initiative "Teach First Deutschland" unterstützt damit Schüler aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Ihre schulischen Leistungen sollen besser werden, sie sollen ihren Hauptschulabschluss schaffen, den Übergang zum Beruf finden oder auf eine weiterführende Schule wechseln. Dafür arbeiten ab Sommer 2009 70 Hochschulabsolventen für zwei Jahre als Lehrer auf Zeit, "Fellows" genannt. Außerdem sollen die Fellows Kapazitäten für zusätzliche Angebote an den Schulen schaffen. Sie sollen die Schüler motivieren, mitreißen und Vorbilder sein. So will die Initiative frischen Wind in die Schulen bringen.
Einsatz auch nach der Zeit als Fellows
Doch nicht nur das: Auch nach den zwei Jahren an der Schule sollen die ehemaligen Fellows sich für Chancengerechtigkeit einsetzen - egal, in welche Position sie anschließend wechseln. Teach First Deutschland will so langfristig ein breites Netzwerk von Bildungsbotschaftern aufbauen. Die Vorbilder in England und den USA zeigen, dass die Absolventen sich nicht nur für ein, zwei Jahre engagieren. Über die Hälfte der Teilnehmer arbeitet auch anschließend im Bildungssektor.
Führungskräfte, die auch menschlich überzeugen
Teach First Deutschland will, dass alle Beteiligten etwas davon haben. Der Einsatz in der Schule soll für die Absolventen zum Sprungbrett für die Karriere werden. Sie entwickeln und verbessern in der Praxis ihre Soft Skills. Die Partnerunternehmen der Initiative, darunter die Deutsche Post, Lufthansa und McKinsey, zeigen schon großes Interesse an den Fellows. So bekommen sie Zugang zu Top-Absolventen, die auch menschlich überzeugen.
Eine Unternehmensstimme zu Teach First Deutschland
Dr. Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post World Net, erklärt, was ihm an Teach First gefällt: "Beim Einsatz für mehr Chancengerechtigkeit können wir alle nur gewinnen. Als Lehrkräfte auf Zeit geben die Absolventen etwas von den eigenen Privilegien einer guten Ausbildung zurück. Durch die praktische Erfahrung profitieren sie auch für den Beruf. Sie entwickeln wichtige Führungs- und Konfliktlösungsqualitäten."
High-Potentials als Lehrer
Eine dreistufige Auswahl soll sicherstellen, dass nur fachlich und persönlich geeignete Fellows in die Schulen gehen. Die Absolventen bereiten sich drei Monate lang intensiv auf ihre Aufgabe vor den Schülern vor. Der letzte Bewerbungsstichtag ist jeweils Mitte März, das Training der Fellows beginnt im Mai. Nach den Sommerferien starten die Fellows in den Schuleinsatz. Auch während der zwei Jahre werden die Lehrer auf Zeit weiter gefördert, um den Anforderungen gewachsen zu sein.
Start in Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen
Die ersten Bundesländer, in denen das Projekt umgesetzt wird, stehen schon fest: Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Langfristig will Teach First Deutschland aber in ganz Deutschland vertreten sein.
e-fellows.net-Alumnus Mortimer zur Initiative Teach First Deutschland.
Warum engagierst du dich für dieses Projekt?
Chancengerechtigkeit ist in meinen Augen das zentrale Thema für unsere Gesellschaft. Wer aus einer bildungsfernen Familie kommt, hat kaum Chancen auf einen guten Abschluss und eine gesicherte Zukunft. Das ist ungerecht und volkswirtschaftlich unverantwortlich.
Denkst du, andere Studenten sehen das auch so und machen bei Teach First Deutschland mit?
Ja. Die meisten unserer Bewerber sehen, dass ein Berufseinstieg als Fellow etwas Besonderes ist. Sie können sich für andere einsetzen und gleichzeitig persönlich weiterentwickeln. Das Interesse unserer Partnerunternehmen an den Fellows - noch bevor sie an den Schulen sind - zeigt, dass sie nach ihrem Einsatz für Teach First auf dem Arbeitsmarkt begehrt sein werden.
Wie reagieren die Lehrer auf die Initiative?
Sehr gut. Den meisten ist klar, dass unsere Fellows keine Konkurrenz zu Lehrern sind. Sie haben kein Lehramtsstudium hinter sich und werden nicht ihr ganzes Leben an der Schule arbeiten. Aber sie bringen als zusätzliches Angebot eine neue Sichtweise an die Schulen. Neben Absolventen bewerben sich auch Schulen bei Teach First Deutschland. Das zeigt, dass beide Seiten an der Zusammenarbeit interessiert sind.
Was genau sollen die Fellows machen?
Sie haben Aufgaben im und außerhalb des Unterrichts. Sie werden unterrichten, Elterngespräche führen, Schülerfirmen gründen oder ein Musical mit den Schülern auf die Beine stellen - je nach dem, welche Talente sie mitbringen und vor welchen Herausforderungen ihre Schule gerade steht.
Welche Studenten werden für die Initiative überhaupt gesucht?
Wir suchen Absolventen aller Fächer. Ein BWLer könnte zum Beispiel Mathematik unterrichten, eine Juristin Gesellschaftskunde oder ein Anglist Englisch. Uns ist die Persönlichkeit der Fellows sehr wichtig. Die Fellows müssen belastbar sein, begeistern und gut kommunizieren können. Sie sollen hohe Erwartungen an sich selbst haben und viel Empathie mitbringen.
Und wenn die Absolventen mit der Situation in einer schwierigen Klasse überfordert sind?
Es ist klar, dass so ein Fellow-Einsatz jeden an seine Grenzen bringen wird - besonders im ersten Jahr. Aber wir lassen sie mit den Herausforderungen in der Schule nicht allein. Wir bereiten sie speziell vor und beraten sie während der zwei Jahre weiter. Jeder Fellow hat einen erfahrenen Mentor aus der Schule und einen Tutor von Teach First. Sie bekommen regelmäßig Feedback.
Was hat ein Absolvent davon, dass er zwei Jahre seines Lebens investiert - abgesehen von einem guten Gewissen?
Natürlich ist es ein großer Einsatz, und zwei Jahre sind eine lange Zeit. Aber wer die gemeistert hat, nimmt für sein Leben viel mit. Er ist reifer und gelassener geworden und kann andere motivieren und begeistern. Diese Eigenschaften helfen für jeden anderen Beruf. Ich glaube, wenn man den Lebensweg eines Schülers positiv verändern kann, lässt einen das nie wieder los.
Kontakt:
Mortimer v. Plettenberg
Friedrichstraße 180
10117 Berlin
Tel.: 030-25 92 19 370
E-Mail: mortimer.v.plettenberg(at)teachfirst.de
Website: www.teachfirst.de
