von Christine Thiel

Stipendiat des Monats Oktober 2009: Andreas

Arbeiten, wo der Pfeffer wächst

PEOPLE e-fellows.net Stipendiat des Monats Andreas 77x100

e-fellow Andreas (23) unterrichtete drei Monate lang in Madagaskar als ehrenamtlicher Dozent die Fächer erneuerbare Energien, Wirtschaftsenglisch und -deutsch. Nebenbei hat er die madagassischen Studenten gut unterhalten: Jeden Montag verlas er bei der Anwesendheitskontrolle Namen wie "Faraniainarivony Njarasoa Ange Marie" - eine tolle Comedy-Show.

Eigentlich schrieb Andreas seine Abschluss-Arbeit für seinen Bachelor in "Außenwirtschaft (Internationale BWL)" an der ESB Business School Reutlingen ja über "Erneuerbare Energien - Entwicklungen im deutschen Markt und zukünftige Erfolgspositionen", aber in Deutschland hielt es ihn nicht lange. Kaum hatte er im Juli seine Bachelor-Arbeit abgegeben, reiste er auch schon ab: Nach einer Backpacking-Tour durch Südostasien mit Freunden zog es ihn nach Madagaskar - aber nicht zur Pfeffer-Ernte, sondern um seine Kenntnisse über erneuerbare Energien in einem anderen Land anzuwenden.
 

"Mora Mora" als Lebensmotto
 "Mora Mora" - sagen die Madagassen, wenn etwas nicht gleich auf Anhieb klappt. Das madagassische Sprichwort bedeutet: "Immer mit der Ruhe - aber sei auch glücklich, gelassen und zufrieden." Besonders zu Herzen nahm sich Andreas diesen Ratschlag, als in der Monsunzeit sintflutartige Regenfälle so stark auf das Wellblechdach der Schule prasselten, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte. Von der Gelassenheit, mit der die Madagassen solche Situationen angehen, können sich gestresste Europäer noch einiges abschauen, meint der energiegeladene Andreas.
 

Bachelor-Absolvent und schon Dozent
 Andreas unterrichtete an der Hochschule ESSVA (École Supérieuere Spécialisée Vakinankaratra) in der Stadt Antsirabe als ehrenamtlicher Dozent die Fächer erneuerbare Energien, Wirtschaftsenglisch und -deutsch. Die Gelegenheit, sich auch mal als Dozent auzuprobieren, bot ihm der Rektor der Hochschule, der zehn Jahre in Deutschland studiert hatte. Gemeinsam einigten sie sich darauf, dass Andreas sich und sein bei der Bachelor-Arbeit erworbenes Wissen in Madagaskar weitergeben sollte. Andreas unterrichtete im Studiengang Ökotourismus und Management. Die Studenten lernen bei diesem Studiengang, wie sie ihre Heimat für Touristen attraktiv gestalten und nachhaltig wirtschaften können.
 

Noten für die Hochschule
 Neben seinen Unterrichtsstunden ergriff Andreas sogar die Gelegenheit, die Hochschulverwaltung zu beraten und ein Evaluationssystem einzuführen, mit dem die Studenten ihre Hochschule bewerten können. Das läuft jetzt auch ohne ihn weiter. Andreas reichte das aber noch lange nicht. Er wollte seine madagassischen Freunde noch stärker unterstützen.
 

Luftbrücke Reutlingen-Madagaskar
 "Bildung ist der Schlüssel zu einem besseren Leben", so der Leitspruch der madagassischen Hochschule. Das hat sich Andreas zu Herzen genommen und das "Bildungsaustauschsprogramm Reutlingen-Madagaskar" ins Leben gerufen. Ab dem kommenden Wintersemester können drei Reutlinger Studenten für ein Semester nach Madagaskar gehen, um sein Werk weiterzuführen. Dort bekommen die Studenten eine Unterkunft auf dem Campus der Universität. In Madagaskar unterrichten sie die Fächer Englisch und Deutsch. Momentan ist das Programm noch privat und Andreas sorgt gemeinsam mit ehemaligen Kommilitonen für Nachfolger und Organisation; er und der Rektor der madagassischen Hochschule planen aber bereits ein offizielles Hochschulprogramm. Außerdem wollen sie einen Förderverein für Madagaskar gründen.
 

Ein eigenes Unternehmen, bitte
 Aber seine berufliche Zukunft sieht Andreas nicht an der Uni, sondern in der Wirtschaft. Ein Semester später und wieder zurück in Deutschland machte er deshalb ein Praktikum bei KPMG, um Einblicke in Rechnungswesen und Controlling zu bekommen. Dabei unterstützte er vor allem ein Projekt, in dem die transaktionalen Accounting-Prozesse eines Mandanten deutschlandweit neu ausgerichtet wurden. Andreas half beim Implementierungsprozess mit, indem er die Meilensteine plante und ihre Entwicklung überprüfte. Ab September beginnt sein transnationales Master-Programm "Master in Management" an der ESCP Europe in London. Besonders toll findet Andreas an dem Master, dass er seinen Studienverlauf und seine Schwerpunkte individuell gestalten kann. So plant er bereits, nach zwei Semestern in London nach Paris zu gehen und sich dort auf "Entrepreneurships" zu spezialisieren. Nach dem Master möchte er eine eigene, international ausgerichtete Firma gründen. Dabei soll sich natürlich wieder alles um erneuerbare Energien und Entwicklungsländer drehen.

e-fellow Andreas über sich

Ich bin e-fellow, weil...
... Networking für mich sehr wichtig ist und ich mich gerne mit Studenten aus anderen Bereichen und mit Berufstätigen austausche.

Experte bin ich im....
... Projektmanagement, in internationaler BWL, Außenwirtschaft und interkultureller Kommunikation.

Gar nicht geeignet bin ich für...
... monotone und kontaktarme Aufgaben, die meinen persönlichen Entfaltungshorizont einschränken. Ich bin kein Freund von Langeweile, Nichtstun und Warten. Wird es zu viel davon, werde ich schnell ungeduldig. Außerdem wurde mir das Prädikat "musikalisch unbegabt" verliehen.

Wenn ich nicht studiere, dann....
... engagiere ich mich an meiner Hochschule, spiele Fußball und verbringe viel Zeit mit meinen Freunden. Zugleich versuche ich, meine brennende Reiselust und Freude am Entdecken neuer Länder und Kulturen durch Backpacking-Trips zu befriedigen.

Wenn ich etwas Grundlegendes ändern könnte in Deutschland, dann...
... würde ich "Beschweren, Klagen, Missmut und Festgefahrenheit" in "Lebensfreude, Optimismus, Akzeptanz und Zufriedenheit" verwandeln. Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit meinem Heimatland und bin froh, in Frieden, Demokratie und relativem Wohlstand aufgewachsen zu sein. Durch meine Aufenthalte in sehr armen und politisch instabilen Ländern ist mir bewusst geworden, was uns Deutschland eigentlich wirklich zu bieten hat.

Mein größter Traum ist es,...
... dass meine Familie, Freunde und ich gesund und glücklich bleiben. Ich möchte noch viel von der Welt sehen und ein Unternehmen für fairen Handel in Madagaskar gründen, um meine madagassischen Freunde zu unterstützen.

In zehn Jahren...
... habe ich eine eigene Familie und einen Job im internationalen Umfeld.
... hat Umweltbewusstsein alle Teile der Erde erreicht und zu nachhaltigem Wirtschaften geführt.
... hat sich die Bildungs- und Lebenssituation in der dritten Welt verbessert.
... feiert Deutschland seinen fünften Fußball WM-Titel.

Bei e-fellows.net gefällt mir besonders...
... der persönliche und schnelle Kontakt mit den Mitarbeitern und die Möglichkeiten zum Gedankenaustausch mit anderen Studenten. Besonders gefallen haben mir die vielen tollen Informationen, die mir für Studium und Karriere sehr geholfen haben.