Botschaftsarbeit im Fernen Osten
Ein Auslandsaufenthalt in Spanien war für
e-fellow Daniel (25) nicht genug. Daher machte sich der Jura-Student der Uni Augsburg auf den Weg nach Thailand. Jenseits der europäischen Grenze absol-
vierte er ein Praktikum bei der Deutschen Botschaft in Bangkok - und lernte die fernöstliche Mentalität kennen und lieben.
Während eines Studienaufenthaltes in Spanien entschloss ich mich, ein Praktikum in einem nicht-europäischen Land zu absolvieren. Inspiriert durch den Erfahrungsbericht und die Fotos eines Kommilitonen beschloss ich, mich bei der Deutschen Botschaft in Bangkok zu bewerben. Das funktionierte problemlos übers Internet. Ein Jahr später im Februar 2005 konnte ich das Praktikum antreten. Die nächsten fünf Wochen war ich nun Botschaftsmitarbeiter.
Auf der Tagesordnung: Visafragen und Gefangene
Ich habe als Jurastudent im Rechts- und Konsularreferat gear-
beitet. Da gibt es Abteilungen für Visa- und Passangelegen-
heiten, Kranken- und Gefangenenbetreuung, Familienrecht und Finanzhilfe für mittellose Deutsche in Thailand. Die Prakti-
kanten und Referendare arbeiten dabei für jeden Bereich, haben aber hauptsächlich mit der Gefangenenbetreuung und den Visaangelegenheiten zu tun. Besuche im Abschiebe-
gefängnis waren ebenso an der Tagesordnung wie das Ver-
fassen von begründeten Ablehnungsschreiben für Visa.
Sonderwünsche zur Dämonenbekämpfung
Neben vielen standardisierten Aufgaben machten vor allem die außerplanmäßigen Vorkommnisse das Praktikum interessant. So bot die Arbeit am Schalter immer etwas Aufregendes. Zum Beispiel kamen offenbar psychisch gestörte Menschen mit den abstrusesten Wünschen vorbei: Sie wollten Waffen oder Geld für den Rückflug nach Deutschland, um die Verwandten vor Dämonen zu retten. Gerade den Umgang mit verschiedensten Menschen habe ich als sehr interessant, oft aber auch als erschreckend empfunden. Thailand ist in dieser Hinsicht wohl auch extrem.
Wenn's mal brenzlig wird: Hilfe per Telefon
Auch gab es immer wieder Einsetze außerhalb Bangkoks, zum Beispiel Konsularsprechtage oder Krankenüberführungen. So kam ich bei der Arbeit schon etwas herum. Sehr beeindruckend fand ich dabei die Eigenständigkeit, die den Praktikanten zuge-
standen wurde.
In der Botschaft wurde Deutsch gesprochen, außerhalb kam man mit Englisch jedoch gut voran. Zur Not hatten wir in der Botschaft mehrere Mitarbeiter, die sowohl Thai als auch Deutsch und Englisch gesprochen haben. So konnte man sich per Telefon immer helfen lassen. Die Mitarbeiter in der Botschaft waren zum Großteil noch ziemlich jung und es herrschte eine nette Atmosphäre. Nach Dienstschluss spielten wir meist noch gemeinsam Fußballspiel oder Volleyball.
Die Arbeit in der Botschaft hat mir daher sehr gut gefallen - ich kann ein Praktikum dort nur empfehlen. Einziger Nachteil: Alle Praktika an Botschaften sind unbezahlt.
Thailändische Freundlichkeit
Bangkok ist meine absolute Traumstadt geworden. Auf den ersten Blick ist sie schmutzig und sehr chaotisch - ihre Schön-
heit entfaltet sie erst, wenn man länger in ihr lebt. Ich hatte zwei Monate lang das Vergnügen. Die Einkaufs- und Weggeh-
möglichkeiten sind unbegrenzt. Schnell hatte ich Einheimische kennen gelernt, die mir die schönsten Bars, Restaurants und Diskotheken gezeigt haben. Kulturelle Stätten kann man gut mit einem Reiseführer erkunden.
Die Preise in Thailand sind niedrig, so dass man zum Beispiel ein komplettes Abendessen in einem guten Restaurant für drei Euro bekommen kann. Das Angenehmste an Bangkok oder ganz Thailand sind seine Menschen. So freundliche und hilfsbereite Menschen habe ich zuvor noch nicht gesehen.
Quer durch den Fernen Osten
Ich bin von Bangkok aus ein Wochenende nach Hong Kong und Macau in China geflogen, war fünf Tage in Vietnam, ein Wochenende auf der Insel Kho Samed und eine Woche zum Tauchen auf Kho Tao im Südosten Thailands. Die Flüge, der Bus und die Fähre nach Kho Samed sind von Bangkok aus sehr günstig. Für Tagesausflüge kann ich Kanchanaburi - ein Natur-
park mit siebenstufigem Wasserfall - und ehemalige thailän-
dische Hauptstadt Ayutaya sehr empfehlen.
