von e-fellow <A HREF="javascript:feedback_mail('c.winnefeld@t-online.de','Christoph','Praktikum Unesco Paris')">Christoph</a>

United Interns in Paris

Christoph Winnefeld

e-fellow Christoph (23) studiert im siebten Semester BWL an der Uni Passau.

Er absolvierte ein sechswöchiges Praktikum bei der UNESCO in Paris und arbeitete dort im Bureau of the Budget.


Zahlen und Fakten
UNESCO steht für "United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization". Die UNESCO hat 190 Mitgliedstaaten und ist eine der so genannten Sonderorganisationen der Vereinten Nationen. Ihr Aufgabengebiet ist sehr breit gefächert: Es umfasst Bildung und Naturwissenschaften, Sozial- und Humanwissenschaften und natürlich die Kultur. Die UNESCO finanziert sich überwiegend aus Pflichtbeiträgen ihrer Mitglieder. Mit 610 Millionen US-Dollar entspricht das Haushaltsvolumen im Moment etwa dem einer mittelgroßen Universität.

Bureau of the Budget
Während meines Praktikums habe ich im Bureau of the Budget der UNESCO gearbeitet. Diese Abteilung ist verantwortlich für die Erstellung, Kontrolle und Überwachung aller Finanz-Aktivitäten. Dass ich mich im Hauptstudium auf Revision und Unternehmensrechung spezialisiert habe, war für meine Arbeit sehr hilfreich. Ich war allerdings einer der wenigen Praktikanten mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund. Die meisten UNESCO-Praktikanten studieren Fächer wie Geschichte, Politik oder Archäologie.

Konkrete Projektarbeit
Mir wurden zwei Projekte übertragen, für die ich alleine verantwortlich war. Zum einen erstellte ich ein Dossier über die "financial rules, regulations and objectives" der UNESCO-Institute in aller Welt. Zum anderen erarbeitete ich ein neues Konzept für die Schulung von UNESCO-Mitarbeitern, die ein Außenbüro (Field Office) leiten sollten. Meine Kollegen haben mir bei allen Aufgaben freie Hand gelassen und darauf geachtet, dass ich immer die Ergebnisse zu sehen bekam.

Schmelztiegel UNESCO
Im "Bureau of the Budget" sind 28 feste Mitarbeiter aus 22 verschiedenen Ländern tätig. Es war unheimlich spannend, mit Menschen aus so vielen verschiedenen Kulturen zu arbeiten. Vom ersten Tag an wurde ich als gleichwertiger Arbeitskollege aufgenommen und hatte nie den Eindruck, "nur" Praktikant zu sein. Jeder Praktikant bekam einen Mentor zugeteilt, der sich darum kümmerte, dass man seine Praktikums-Ziele wirklich erreichte. Da ich meine Diplomarbeit zu einem UNESCO-bezogenen Thema schreibe, habe ich in Paris auch in der UNESCO-Bibliothek und im Intranet recherchiert.

Teil der weltweiten Gemeinschaft
Ich hatte nicht nur das Gefühl, Teil des "Bureau of the Budget" zu sein; ich merkte auch, dass wir ein Teil der Vereinten Nationen waren. Am ersten Jahrestag des Bombenangriffs auf das UN-Hauptquartier in Bagdad versammelten sich alle UNESCO-Mitarbeiter im Großen Konferenzsaal und gedachten nach einer Ansprache des UN-Generalsekretärs Kofi Annan der Opfer. Die Gemeinschaft, die ich in diesem Saal spüren konnte, hat mich sehr beeindruckt. Als neuem Mitarbeiter empfahl man mir außerdem, den Online-Kurs "Health, Security and Welfare" zu absolvieren. Nun weiß ich, wie man Landminen erkennt und sich bei Geiselnahmen verhält – was ich aber hoffentlich nie anwenden muss.

Grenzüberschreitender Zusammenhalt
Hervorzuheben ist auch der Zusammenhalt unter den 89 Praktikanten, die mit mir gleichzeitig in Paris waren. Bei den Einführungsveranstaltungen steht neben den allgemeinen Informationen ganz bewusst das Kennenlernen im Vordergrund. So bekam ich gleich am ersten Arbeitstag eine Liste mit allen E-Mail-Adressen. Besonders in Erinnerung bleiben wird mir ein Picknick einiger Praktikanten auf dem "Champ de Mars" direkt unter dem Eiffelturm. Zum Mittagessen ging ich meist mit einer Lehrerin aus Bangladesh, einer Philosophie-Studentin aus dem Irak, einer Juristin aus Belgien und einem Historiker aus Österreich.

Zeit für den Nachwuchs
Besonders stolz bin ich, dass sich der Ständige Vertreter Deutschlands bei der UNESCO, Botschafter Hans-Heinrich Wrede, ein paar Minuten für mich Zeit genommen hat. Seit Oktober 2003 ist er Präsident des UNESCO-Exekutivrats. Er gab mir einen äußerst interessanten Einblick in seine Arbeit.

Symbolische Bezahlung
Die UNESCO bietet Praktika für ein bis vier Monate an. Sie werden mit einem symbolischen US-Dollar pro Monat vergütet. Auch Reise- und Aufenthaltskosten müssen die Praktikanten selbst aufbringen. Da das Leben in Paris sehr kostspielig ist, sollte man sich frühzeitig nach Fördermöglichkeiten umsehen. Der DAAD bietet beispielsweise das "Carlo-Schmid-Programm für Praktika in Internationalen Organisationen und EU-Institutionen" an. Unbedingt nötig für ein Praktikum bei der UNESCO sind ausgezeichnete Kenntnisse in einer ihrer Arbeitssprachen - also in Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Arabisch oder Chinesisch. Weitere Informationen sind auf der Homepage der UNESCO zu finden.

Au revoir, Paris
Wie bei allen UN-Organisationen werden offene Stellen bei der UNESCO nach einer Quote auf die Bewerber der Mitgliedsstaaten aufgeteilt. Deshalb ist es als Deutscher beinahe unmöglich, bei der UNESCO angestellt zu werden. Deutschland ist - wie fast alle westeuropäischen Staaten - bereits überrepräsentiert. Schade.