Vom Halbleiter zum Tausendsten: ein Tag bei Bosch in Reutlingen
e-fellow Sascha (24) studiert Physik an der Uni Heidelberg. Nach einem akademischen Jahr an der Cornell University, Ithaca (USA) schreibt er jetzt seine Diplomarbeit. Für e-fellows.net berichtet er über seine Erfahrungen mit dem Mentorenprogramm und das letzte Treffen mit seinem Mentor bei Bosch, Dr. Uwe Hansen.
Als ich Ende 2001 in das Mentoren-Programm von e-fellows.net einstieg, hatte ich vor allem zwei Ziele vor Augen: Ich wollte einen praktischen Einblick in die Industrie erhalten und mich mit einem erfahrenen Mentor über Themen der Studien- und Berufsplanung austauschen.
Beides hat das Mentorenprogramm reichlich zu bieten. Und die Chance, einen kompetenten und engagierten Mentor zu Rate ziehen zu können, nutze ich seither auch gerne und regelmäßig - allerdings meist per E-mail.
Wiedersehen macht wirklich Freude
Knapp zwei Jahre war es nun her gewesen, dass ich meinen Mentor, Dr. Uwe Hansen, das letzte Mal gesehen hatte: beim Mentoren-Mentee-Treffen von Bosch 2002. Ein Jahr Amerika und der Beginn der Diplomarbeit lagen für mich dazwischen... Jetzt stand ich also am 'Tor 2' des Bosch-Werks Reutlingen, die Besucher-Karte in der Hand, und freute mich auf das lange geplante Treffen mit meinem Mentor. Gespannt wartete ich darauf, einen Einblick in seinen Arbeitsalltag in der Halbleiter-Herstellung zu erhalten.
Halbleiter-Herstellung aus erster Hand
Nach der herzlichen Begrüßung ging es auch sofort los mit dem Programm: Wir machten den 'Besucher-Rundgang' um das Herzstück der Halbleiter-Fabrik, dem Reinraum. Rein bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Luft darin eine Verunreinigung von höchstens einem Partikel je Kubikfuß besitzt. Selbst kleinste Verunreinigungen können die mikrometergroßen Halbleiter-Strukturen auf den Silizium-'Wafern' nämlich zerstören.
Wir durchliefen alle Stationen der Bearbeitung, und mein Mentor ging anhand von Schau-Tafeln auf die Prozesse ein. Er berichtete aus seiner Erfahrung über technische Details (welche Verfahren und Materialien werden wann eingesetzt) wie auch über wirtschaftliche Aspekte der Halbleiter-Herstellung.
Mentoring im besten Sinne
Nach dem Mittagessen in der Bosch-Kantine folgte ein kleiner Rundgang auf dem Werksgelände. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich auch einiges über die Geschichte des Standorts Reutlingen, über die 'Wafer-Fab' (Fabrik) und über Anwendungen in der Automobil-Elektronik. Gut gestärkt, gingen wir ins Büro von Uwe Hansen. Hier bot sich mir die Chance, etwas über seinen Weg zu Bosch und seinen Arbeitsalltag zu lernen: Neben Technischem berichtete Dr. Hansen auch vieles aus dem Berufs- und Aufgabenfeld eines Bereichsleiters. Die zentralen Fragen in diesem Sektor lauten: Wie motiviere ich meine Mitarbeiter? Wie behebt man schnell und effektiv Fehler in der Produktion, und welche Wege zur Qualitätssicherung gibt es? Zwischendurch - als Herr Hansen eine kurzfristig entstandene Anfrage beantworten musste - lernte ich sogar einen Werkstudenten kennen, der mir etwas von seiner Arbeit vorstellte.
Von der Theorie zur Praxis und zurück
Doch das Highlight des Tages kam erst noch: hatten wir den Reinraum vormittags nur von außen gesehen, wagten wir uns nun hinein. Vorher legten wir aber in einer aufwändigen Prozedur den vorgeschriebenen Reinraum-Anzug an, um keine Haut- oder Schmutz-Partikel einzuschleusen. Der Raum an sich war bereits ein Erlebnis: Hier konnte ich die bereits angedeuteten Prozess-Schritte noch einmal (fast) hautnah verfolgen und mich davon überzeugen, wie wichtig eine effiziente Verarbeitung der Wafer ist. Wieder draußen, schwankte ich zwischen der Freude, wieder normal atmen und mich frei bewegen zu können, und dem überwältigenden Eindruck von der Technik.
Mentoring nach Feierabend
Dank des herrlichen Frühlingswetters bot es sich geradezu an, den Tag mit einem Besuch im benachbarten Tübingen abzuschließen. Beim Stadtbummel und der anschließenden Einkehr beim Italiener ließen wir einen gelungenen Tag Revue passieren. Denn so wichtig auch der regelmäßige Austausch per E-mail oder auch am Telefon ist: ein persönliches Treffen ersetzt es ebenso wenig, wie die Möglichkeit, seine Eindrücke vor Ort zu sammeln.
