Werksbesichtigung bei Bosch in Nürnberg
Der Lebensraum der Drosselklappe
e-fellow Axel (20) studiert Fahrzeugtechnik an der Uni Stuttgart. Mit 30 anderen e-fellows besichtigte er beim City Group-Bundestreffen 2008 Bosch Gasoline Systems in Nürnberg. Und weil es Bosch schon seit 1886 gibt, durfte er auch eine Ahnengalerie der ganz besonderen Art bestaunen.
Das Werk Nürnberg der Robert Bosch GmbH ist unterteilt in die Geschäftsbereiche Gasoline Systems, Chassis Systems Control, Diesel Systems und Bosch Rexroth AG. Es besteht aus den Standorten Dieselstraße und Zweibrückener Straße. Wir besichtigten letzteren und konnten den Geschäftsbereich Gasoline Systems genauer unter die Lupe nehmen. Dieser beinhaltet die Fertigung von Drosselvorrichtungen, Hochdruckpumpen und Kraftstoffzuteilern für die Benzineinspritzung sowie Komponenten für die Steuerung von Automatikgetrieben.
Umzug der Riesen
Nach einer kurzen Begrüßung durch den Personalleiter des Werkes stellte uns eine Mitarbeiterin die Robert Bosch GmbH vor. Unter anderem erzählte sie uns, dass der Standort Nürnberg derzeit eine große Umbauphase durchmacht. Bosch investierte 280 Millionen Euro in den Standort, unter anderem für den Aufbau einer Getriebefertigung für Windkraftanlagen vor Bosch Rexroth. Dazu musste die bisherige Produktion mitsamt den tonnenschweren Geräten aus der Dieselstraße in die Zweibrückener Straße transportiert werden. Man kann sich gut vorstellen, wie viel Know-how der Umzug und die Umstrukturierung der Hallen in der Zweibrückener Straße fordern. Von den Umzugskosten ganz zu schweigen.
Besichtigung der Produktion
Drei Ingenieure von Bosch führten uns in zwei Gruppen durch die Produktionshallen und erklärten uns die Produktionsabläufe. Die erste Station war die Fertigung von Druckregelventilen, die in leicht unterschiedlicher Bauart für jedes Automatikgetriebe verwendet werden. Uns wurde erklärt, dass man ohne große Veränderungen an den Maschinen die Druckventile für verschiedene Fahrzeugtypen fertigen kann. Dafür gibt es ein spezielles Benennungssystem, damit man bei den minimal unterschiedlichen Bauteilen den Überblick behält. Beeindruckend war die Geschwindigkeit, mit der die Teile weiterbearbeitet werden. Innerhalb weniger Sekunden wickelt eine Maschine aus Kupferdraht eine Spule - und das auf neun Druckventilen gleichzeitig! Direkt neben der Fertigung der Druckregelventile konnten wir zusehen, wie Leiterbahnen mit dazugehörigen Steuerungseinheiten mittels eines Lasers verschweißt wurden.
Die Ahnenhalle der Drosselklappen
Am Eingang der nächsten Produktionshalle befand sich die "Ahnengalerie": eine Wandgalerie mit Drosselklappen unzähliger Automarken aus verschiedenen Jahren. Die unterschiedlichen Anschlussdurchmesser zeigen eindrucksvoll, dass für einen Zwölf-Zylinder-Motor eines italienischen Sportwagens deutlich mehr Luft angesaugt werden muss als für ein Drei-Zylinder-Modell. Vorbei an einem sich im Aufbau befindlichen Reinraums mit eigener Kühlungsanlage ging es weiter zu den Fertigungsstraßen der Drosselklappen. Dabei erklärten uns die Bosch-Ingenieure den jeweiligen Fertigungsprozess. Mit übermanngroßen Fräsmaschinen werden die Gussroh-Teile vollautomatisch an den Anschluss- und funktionsrelevanten Flächen auf die gewünschte Toleranz gefräst - und zwar auf wenige μ genau. Dabei erhitzen sich die Teile trotz ständiger Kühlung sehr stark, was uns mit einem zuvor gefrästen und immer noch warmen Teil demonstriert.
Werkshallen-TV
Trotz sehr großer Stückzahlen werden für den Fertigungsprozess relativ wenige Personen benötigt. Um dennoch den Überblick zu behalten, hängen in der Verlängerung einer jeweiligen Fertigungslinie große Bildschirme. Auf ihnen kann man die aktuellen Produktionsdaten sowie die zu erfüllende Mengenleistung und etwaige Fehler in der Prozesskette verfolgen. Es gab übrigens auch kleine Fertigungsinseln, an denen jeweils mehrere Arbeiter direkt hintereinander die Produkte verarbeiteten. Das hat den Vorteil, dass man sehr flexibel auf Produktionsanforderungen reagieren kann.
Bosch - mehr als nur Ingenieure
Nach der Führung durch die Produktion trafen wir uns zum Abschluss mit dem Personalleiter. Dort konnten wir noch alle unsere Fragen loswerden, zum Beispiel, welche Berufsgruppen bei Bosch vertreten sind. Logischerweise bilden Ingenieure - und vergleichsweise wenige Ingenieurinnen - die größte Gruppe. Darüber hinaus sind aber auch viele andere Studienrichtungen in unterschiedlichen Berufsfeldern bei Bosch zu finden: Das reicht von Wirtschaftswissenschaftlern, über Mediziner bis hin zu Theologen. Bei einer Gesamtmitarbeiterzahl von über 270.000 weltweit ist das allerdings auch nicht weiter verwunderlich.
Der Besuch bei Bosch in Nürnberg bot einen tollen Einblick in das tägliche Produktionsgeschehen vor Ort und ist wirklich jedem zu empfehlen.
