Telekom: Tagebuch von Ilka Krieger

Zehn Euro für ein Stück Heimat

e-fellow Ilka kümmert sich in Malaysia weiter um ihr Reporting-System. Auch wenn es bis zum finalen Knopfdruck noch weit ist, hat ihr Team schon eine Menge geschafft. Da genießt man doch gerne ein Glas Wein mit Blick auf die Petronas Towers.

PEOPLE Ilka Krieger tagebuch T-systems 77x100

e-fellows.net-Stipendiatin Ilka (23) ist eine Pionierin: Sie ist die erste Praktikantin bei T-Systems in Malaysia. Normalerweise studiert sie an der Lancaster University Management School und der ESB Business School Reutlingen. Sechs Monate lang stehen nun statt Uni-Stoff Hedge-Fonds-Projekte, Cheerleading und Ausflüge nach Borneo auf ihrem Programm.


Montag, 15. Juni 2009
Die Busfahrt zur Arbeit heute Morgen zieht sich ewig. Neben dem "natürlichen" Verkehrschaos, das jeden Morgen in Kuala Lumpur herrscht, sind heute noch die Schulferien vorbei und nach acht Uhr herrscht völliger Stau. Montagmorgen geht es bei uns im Office immer etwas ruhiger zu. Obwohl die Flut an E-Mails wie jeden Morgen meinen Posteingang zum Abstürzen bringt, gehen wir mit unserem Team erst mal zum benachbarten Inder frühstücken. Frühstück besteht hier meistens aus einer Art gebackenem Fladenbrot mit Currysauce. Was zu Beginn als eine Herausforderung für meinen Magen war, gehört heute für mich zum Alltag. Auch wenn ich ab und an das Standard-Marmeladen-Brötchen sehr vermisse.

Der Tag verläuft ruhig. Ich arbeite weiter an meinem Langzeit-Projekt zur Erstellung der Reportingstandarisierung. Genauer gesagt, entwickle ich zurzeit Testszenarien, um die Richtigkeit der Report-Daten zu überprüfen. Da mein Chef diese Woche im Urlaub ist, unterstütze ich zudem unseren Programmierer, der die Datenbank für uns aufbauen soll. Auch wenn ich ihm bei technischen Fragen keine große Hilfe bin, kann ich ihn doch ein wenig bei der Konzepterstellung unterstützen und ihm zudem die Controlling-Begriffe näher erklären.

Dienstag, 16. Juni 2009
Unser Reporting-Programm macht Fortschritte. Nachdem nun das Grundkonzept für die jeweiligen Hyperlinks, Drop-Downs und Textfelder programmiert ist, bespreche ich mit dem Programmierer und einer Kollegin die weiteren Schritte. Was zu Beginn recht einfach aussah, entpuppt sich als hochkompliziertes Daten-Gerüst, das wir systematisieren müssen. Ziel des Projektes ist es, die Erstellung eines Reports zu vereinfachen. Doch bevor wir zu dem Ergebnis gelangen, dass ein Knopfdruck einen seitenlangen Report ausspuckt, gibt es noch viel Arbeit.

Am Nachmittag wird mir unsere neue Praktikantin aus dem HR-Bereich vorgestellt. Da sie, wie ich zu Beginn, hier in Cyberjaya untergebracht ist, biete ich ihr an, am Wochenende zusammen einige Wohnungen in Kuala Lumpur anzuschauen. Auch sie hat schon die Erfahrung gemacht, dass es in Cyberjaya nicht viel zu erleben gibt. Trotz der wie immer langen Heimfahrt gehe ich am Abend noch schwimmen. Da die meisten Leute in meinem Haus berufstätig sind, ist abends um acht recht viel los. So kommt es, dass mein Abend in einer gemütlichen Runde unterschiedlichster Nationalitäten mit ein bis zwei Gläsern Wein endet. Mit Blick auf die leuchtenden Petronas Towers, herrlich!

Mittwoch, 17. Juni 2009
Heute Morgen spricht mich meine Kollegin an und fragt, wie lange ich eigentlich noch hier sein werde. Ich schaue auf den Kalender und sehe: noch sechs Wochen. Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich bin jetzt fast fünf Monate hier, und es kommt mir vor wie gestern, dass ich am Flughafen stand, mit meinem völlig überladenen Koffer und verzweifelt versucht habe, ein Taxi zu meinem Apartment zu bekommen. Neben den vielen Kurzurlauben auf die kleinen Trauminseln an der Ostküste und einigen Tagestrips um die Gegend von KL, gab es für mich natürlich noch eine weitere Hauptbeschäftigung hier: shoppen! Vergleicht man die Preise mit denen in Deutschland, so ist Malaysia ein wahres Paradies. Handtaschen, Kleidung und Schmuck, vieles ist hier um mehr als die Hälfte billiger. Vorausgesetzt natürlich, dass man einheimische Dinge kauft. Sehnt man sich allerdings nach einem Stück "Heimat" und entscheidet sich für importierte Waren, muss man tief in die Tasche greifen. Ein Stück Käse kann hier bis zu zehn Euro kosten.

In der Arbeit ist heute Geduld gefragt: Meine Test-Szenarien sind fertig, und nun muss ich abwarten, bis die Programmierung Fortschritte macht. Alle zwei Stunden setzen wir uns zusammen, um eventuelle Fragen zu klären und weitere Schritte abzustimmen. Am Abend bin ich dann mit einem Freund in Bukit Bintang zum Essen verabredet.

Donnerstag, 18. Juni 2009
Neben den alltäglichen Dingen wie E-Mails beantworten und einige Fragen unseres Programmierers zu klären, zeige ich am Vormittag der neuen HR-Praktikantin einige meiner Urlaubsbilder, damit sie sich einen Einblick in die Reisemöglichkeiten in Malaysia verschaffen kann. Am Nachmittag führe ich dann noch zusätzlich einige Telefonate um die Unterbringung der neuen Praktikanten zu klären, die im August ankommen werden. Zum Glück gibt es im Moment wegen der wirtschaftlich schwierigen Lage viele freistehende Wohnungen, sodass ich recht schnell fündig werde.

Gegen halb sieben verlasse ich das Büro und treffe mich mit einer Kollegin, um mit ihr zum Sportplatz zu fahren. Das Training hat zwar schon begonnen, aber Pünktlichkeit spielt hier ja eine eher untergeordnete Rolle. Es macht Spaß, nach zehn Jahren mal wieder einen Tennisschläger in die Hand zu nehmen. Im Turnier spielen wir single und mixed, zum Glück aber jeweils nur einen Satz, sonst würde man das wettertechnisch kaum aushalten. Der Tennisplatz liegt im Freien und selbst abends sind es noch gute 24 Grad.

Zu Hause angekommen schaffe ich es gerade noch rechtzeitig, meine Wäsche aus der Reinigung abzuholen. Dies ist sicher eines der Privilegien, die ich in Deutschland sehr vermissen werde. Morgens die Wäsche der gesamten Woche abgeben, am nächsten Tag abholen und das alles für fünf bis sechs Euro.

Freitag, 19. Juni 2009
Als ich heute aus dem Fenster schaue, regnet es in Strömen. Trotz der im Moment herrschenden Trockenzeit regnet es doch fast täglich rund eine Stunde. Abends kann das schon mal ganz angenehm sein. Der Regen kühlt nicht nur, sondern säubert auch die Luft. Wegen des schlechten öffentlichen Verkehrsnetzes, herrscht in Kuala Lumpur ein sehr starker Autoverkehr. Den Smog kann man manchmal kaum aushalten. Diesen Morgen jedoch kommt mir der Regen sehr ungelegen, da mein Schirm natürlich im Büro liegt. So erreiche ich das Büro heute leicht durchnässt. Bleibt zu hoffen, dass ich mir jetzt keine Grippe einfange, die Klimaanlage läuft nämlich auf Hochtouren.

Da mein Chef am Montag wieder aus dem Urlaub kommt, machen wir heute eine ziemlich lange Zwischenbesprechung, um die Schritte der letzten Tagen zu dokumentieren.

Am Abend nehme ich den frühen Bus nach Hause. Die Woche war anstrengend und zudem ist heute Abend eine kleine Party bei uns am Pool geplant. Hier wohnen viele Expatriats, wir sind also alle in der gleichen Situation: fremdes Land, fremde Kultur und man kennt am Anfang nur wenig Leute. Ich habe aber die schöne Erfahrung hier gemacht, dass die Menschen nicht nur sehr freundlich sind, sondern Fremden gegenüber sehr aufgeschlossen. Etwas, was ich in Deutschland sehr vermissen werde...

 

 

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