Tagebuch Bosch PreMaster Programm

Autonarr in seinem Element

Teil 1: Was ist eigentlich das PreMaster Programm bei Bosch? Welche Aufgaben bekommt man dort? Im ersten Teil seines Tagebuchs erzählt Henning von seinem Weg zu Bosch, der Idylle in Abstatt und von Besuchen der Bosch-eigenen Teststrecke in Boxberg.

PreMaster Programm Bosch

Henning Nissen (27) hat Vertriebs- und Einkaufsingenieurwesen an der FH in Kiel und in Cádiz studiert und schon während der Schulzeit und im Studium Praktika bei Automobil-Unternehmen gemacht. Seine Bachelor-Arbeit schrieb er dann bei Bosch und entdeckte dort auch das PreMaster Programm.


Weinberge, grüne Wiesen und ländliche Idylle. Kaum zu glauben, dass hier in Abstatt die Zentrale für die weltweite Entwicklung und den Vertrieb des Elektronischen Stabilitätsprogramms (ESP) sitzt. Das ist das Fahrzeugsystem, das die A-Klasse vor dem Elch rettet - und einen selbst, wenn das Leben ins Schleudern gerät. Und genau hier arbeite ich seit November 2008 als Teilnehmer im PreMaster Programm.

Zwischenzeit überbrücken?

Schon vor meinem Bachelor-Abschluss stand für mich fest, dass ich noch einen Master machen wollte. Aber wie könnte ich die Zwischenzeit möglichst sinnvoll nutzen? Festanstellung und nach sechs Monaten oder einem Jahr kündigen? Ein Jahr lang ein Praktikum machen? Als ich dann vom Bosch PreMaster Programm hörte, wusste ich, das ist der Königsweg. Bis zu zwölf Monate verschiedene Abteilungen bei dem größten Automobilzulieferer der Welt durchlaufen, wertvolle Praxiserfahrung sammeln und dann theoretische Kenntnisse im Master-Studium vertiefen. Besser geht es wohl kaum.

Anker setzen bei Bosch

Meine Ankerabteilung ist das Bosch-Kundenteam für einen renommierten PKW-Produzenten. Der Vertrieb und das Management seiner Kundenprojekte sind die Hauptaufgaben im Team. Sechs Monate lang habe ich hier Erfahrungen im Projektmanagement und in der ESP-Technik sammeln können. Innerhalb meiner Ankerabteilung habe ich hauptsächlich in den Fahrzeugprojekten meines Mentors, der mir während meiner gesamten Zeit im Programm zur Seite steht, mitgearbeitet. Besonderen Spaß gemacht haben mir die eigenverantwortliche Betreuung und Koordination einzelner Unteraufgaben im Fahrzeugprojekt und die damit verbundene Übernahme von Verantwortung.

Nächste Runde: Fahrzeugapplikation

Das PreMaster Programm sieht vor, dass man verschiedene Abteilungen durchläuft. Nachdem ich mit meinem Mentor sondiert hatte, welche Erfahrungen für den technischen Vertrieb unerlässlich sind, habe ich mich entschlossen, dass die nächste Station die Fahrzeugapplikation sein sollte.

Als Autonarr zu den Testfahrern

Die Applikationsingenieure testen die ESP-Systeme in den Fahrzeugprototypen und stellen diese ein. Die Fahrzeugapplikation hat für mich zwei Schlüsselreize. Zum einen bin ich ein Autonarr, und die Chance, einmal auf der berühmten Bosch-Teststrecke in Boxberg zu fahren, wollte ich mir einfach nicht entgehen lassen. Zum anderen konnte ich in der Applikation einen Einblick in die Technik des ESP-Systems erlangen und verstehen, wie es funktioniert.

Letzte Station: Sales Controlling

Da neben der Technik auch der Preis Einfluss auf den Erfolg eines Systems hat, riet mein Mentor mir, auch noch einen Abstecher in die Welt der Preise und Kosten zu machen. Meine letzten zwei Monate verbringe ich daher nun im "Sales Controlling". Die Gruppe, in der ich sitze, beschäftigt sich hauptsächlich mit der Koordination und Preiskalkulation von ESP-Prototypen. Meine Hauptaufgabe hier ist es, die Preise für das Jahr 2009 zu prüfen. Ich schaue, ob die Basis, auf der wir die Preise berechnen, noch stimmt und stelle das Ergebnis dann grafisch dar.

Preise Preise Preise

In der vorherigen Woche habe ich durch einen Kollegen bereits eine Einführung bekommen, welche Daten ich zur Berechnung der Kosten und Preise brauche und welche ich neu eintreiben muss. Die darauf folgenden Tage habe ich mich mit den Preisen beschäftigt und gelernt, wie ich sie berechne. Die Preise für ESP-Prototypen basieren zu einem großen Teil auf Kosten, die aus den verschiedenen Werken gemeldet werden.

Heute Vormittag beschäftigte ich mich mit einer erneuten Bestandsaufnahme. Welches Werk hat bereits Kosten gemeldet? Welches Werk nicht? Bei denen, die noch nichts gemeldet haben, fasse ich dann telefonisch nach. Hier heißt es am Ball bleiben, damit ich zum gewünschten Zeitpunkt alle wichtigen Daten habe. Parallel hierzu versuche ich die bereits eingereichten Kostenmeldungen zu verstehen und zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzufassen.

Nachmittags waren dann die sogenannten Cockpitcharts zum Thema Stornierungen an der Reihe. Schon vor ein paar Tagen habe ich die hierfür nötigen Daten ausgelesen und die Cockpitcharts angefertigt. Auch die Ergebnisse habe ich schon meinem Gruppenleiter präsentiert und mit ihm besprochen. Nun überlege ich, welchen Einfluss die hier entstandenen Kosten auf meine Kostenanpassung haben.

Kurz vor Feierabend widme ich mich einer kleinen selbst auferlegten Sonderaufgabe. Als ich mir vor einigen Tagen die Kostenstaffelung für ein bestimmtes Bauteil anschaute, schien diese wenig Sinn zu machen. Nach kurzer Rücksprache mit meinem Gruppenleiter stimmte mir dieser zu. Nun versuche ich, die Staffelung durch eine möglichst realistische Kostenfunktion abzubilden. Die Berechnungen habe ich bereits während der letzten Tage gemacht. Heute habe ich dann alles nochmals ansprechend und selbsterklärend festgehalten, und gehe mit Vorfreude auf die Rückmeldung meines Gruppenleiters in den Feierabend.

In der nächsten Woche erfahrt ihr, welche Aufgaben jeden Tag auf mich warten.

 

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